Lexware Rothaus Team: WM Pietermaritzburg / U23 Herren: Schelb mit sensationeller Aufholjagd zu Silber

Julian Schelb hat mit der Silbermedaille im U23-Rennen der Weltmeisterschaft nach einer grandiosen Aufholjagd für den bisher größten Erfolg des Lexware-Rothaus Teams gesorgt. Christian Pfäffle wurde starker Siebter, Martin Gluth 20.

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Julian Schelb hat Geschichte geschrieben. Nicht nur für sein Team aus dem Hochschwarzwald. Auch für den Bund Deutscher Radfahrer weil er eine neun Jahre andauernde medaillenlose Zeit in der U23-Kategorie beendete. Und nicht zuletzt weil der Weg zur Silbermedaille eine wirklich sensationelle Geschichte schrieb. Nach 200 Metern schienen alle Träume ausgeträumt. Ein Franzose hatte Julian Schelb zu Fall gebracht, hinter ihm kam Teamkollege Martin Gluth zum Stehen und die beiden Lexware-Rothaus-Biker mussten an letzter Position das Rennen aufnehmen. „Ich dachte, ich bin im falschen Film. Da kannst du eigentlich nur drüber lachen“, erzählte Julian Schelb von seinen Gedanken in diesen Sekunden. Erinnerungen an die EM wurden wach, wo ihm ebenfalls in der Startphase übel mitgespielt wurde. „In Bern bin ich mit drei Minuten Rückstand in die erste Runde rein. Also dachte ich, so schlimm ist es nicht.“ Eine Prise Sarkasmus darf man sich hinzudenken.

Schelb: Nur noch Vollgas

Ab diesem Moment gab es für den 20-Jährigen „nur noch Vollgas“, auch in den schwierigen Downhill-Passagen. An der ersten Zwischenzeit hatte er 59 Sekunden Rückstand auf den führenden Gerhard Kerschbaumer, eine mehr als im Ziel. Am Beginn der zweiten Runde erreichte er bereits die Gruppe um Teamkollege Christian Pfäffle, der an 15. Stelle lag und fortan fuhr das Duo in Hochgeschwindigkeit in die Top-Ten. In Runde drei hatten bildeten sie mit dem Niederländer Michiel van der Heijden eine dreiköpfige Verfolgergruppe zwischen Rang fünf und sieben. Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass der Rückstand auf Platz drei, den der Italiener Daniele Braidot einnahm, von einer Minute auf 30 Sekunden geschmolzen war.

„Da habe ich gedacht, jetzt fahre ich weiter und dann drehe ich auf. Plötzlich tauchte der Franzose (U23-Europameister Jordan Sarrou) vor mir auf. Das hat mich zusätzlich motiviert“, schildert Schelb die Situation, als er van der Heijden und Pfäffle abhängen konnte. Es begann jetzt zu regnen und dem gemeinsam mit Kerschbaumer führenden Luca Braidot wurde das zum Verhängnis. Der Italiener stürzte in einem Steinfeld und blieb erst einmal stehen. Sein Zwillingsbruder Daniele fuhr an ihm vorbei und 15 Sekunden dahinter kam schon Julian Schelb, der Sarrou schon hinter sich gelassen hatte.Schelb war jetzt nicht mehr aufzuhalten. Nach einem weiteren Kilometer hatte er die beiden Azzurri überholt. Im berüchtigten Rock Garden erlebte er dann eine Schrecksekunde. „Ich bin beinahe gestürzt und nur noch auf dem Ober-Rohr drüber gekommen“, erzählt er.

Der Vorsprung auf Platz drei wächst an und in der letzten Runde entscheidet sich Schelb für die Sicherheits-Variante. „Ich bin im Rock Garden gelaufen, weil ich nichts mehr riskieren wollte. Da hätte ich mir alles kaputt machen können.“ Der Jubel über die Silbermedaille ist fast grenzenlos. Bundestrainer Peter Schaupp stehen die Tränen in den Augen, BDR-Sportdirektor Patrick Moster kann es kaum fassen. „Das war sensationell, unglaublich“, schüttelte er den Kopf. „Man muss an sich glauben und darf über Pech nicht nachdenken“, verrät Schelb sein Erfolgsrezept für diesen Tag.

Dann lässt er sich den Erfolg durch den Kopf gehen. „Vize-Weltmeister, das hört sich nicht schlecht an. Ich wollte Weltmeister werden, aber unter diesen Umständen bin ich mit Silber überglücklich. Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Mein Trainer Ralph Näf, dem Bundestrainer, meiner Familie, dem Team und allen, die an mich geglaubt haben.“

Starke Vorstellungen von Pfäffle und Gluth

Christian Pfäffle, der keinen besonders guten Start erlebte und nach der ersten Zwischenzeit an 27. Stelle lag, hatte ebenfalls Grund zum Feiern. Der Neuffener konnte Schelb ab der vierten Runde nicht mehr halten, schob sich aber in der letzten Runde sogar noch auf den vierten Rang nach vorne. „Schade, auf den letzten Kilometern hatte ich keine Kraft mehr und musste noch drei Fahrer vorbei lassen. Aber es war ein echt geiles Rennen und hat super Spaß gemacht. Top-Ten war mein Ziel. Deshalb bin ich mit Rang sieben auch voll zufrieden“, meinte Pfäffle. Und weil er ehrgeizig genug ist, merkte er an: „Zu Julian hat gar nicht viel gefehlt.“ Und zu Bronze nur ganze 33 Sekunden. Dritter wurde schließlich Michiel van der Heijden mit 1:24 Minuten Rückstand.

Martin Gluth konnte aus dem gleichen Handicap wie Schelb nicht ganz so viel machen. Dennoch gelang dem Wahl-Freiburger ein tolles Rennen, das auf Rang 20 (+5:44) endete. Die Form hätte sicherlich für ein Top-15-Resultat gereicht. Mindestens. „Ich hatte das ganze Rennen super Druck auf dem Pedal und war nur am Überholen. Es ist der Hammer, da bereitest du dich Monate lang auf so ein Rennen vor und dann ist nach 200 Metern alles dahin. Aber so ist unser Sport halt“, kommentierte Gluth sein Resultat. Gemeinsam  mit Markus Schulte-Lünzum (Haltern), der nach einem Defekt eine Minute verlor und noch Zehnter wurde, sorgte auch Gluth für ein historisch starkes Mannschaftsergebnis.

Bundestrainer Schaupp fand, dass sich Gluth sehr gut verkauft habe. „Das lässt für den Sprint am Sonntag hoffen“, meinte Schaupp.

Photographen:

Armin M. Küstenbrück / EGO-Promotion

Marius Maasewerd / EGO-Promotion

 

 

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Martin Gluth

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Schelb im Felsengarten

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Schelb landscape

 

Christian Pfäffle

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Shaw_crashing_Schelb_continueing_by_Maasewerd

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_Schelb_cornering_backview_by_Kuestenbrueck

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_Schelb_finishing_7_by_Kuestenbrueck

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