Sagan baut Führung in der Punktewertung weiter aus, Majka verliert Zeit auf der ersten Alpenetappe der Tour de France. 


Nachdem zuerst Peter Sagan und Lukas Pöstlberger denn Sprung in die Gruppe des Tages schafften, um dort volle Punkte an der Sprintwertung zu holen, entwickelte sich das Rennen am Ende zum erwarteten Ausscheidungsfahren. Sky erhöhte nach und nach das Tempo auf den letzten beiden Bergen, während J. Alaphilippe an der Spitze die entscheidende Attacke zum Sieg setzte. Rafal Majka bekam auf den letzten 500m des Anstiegs zum Colombière Probleme und musste abreißen lassen. Am Ende büßte der BORA – hansgrohe Leader rund 50 Sekunden zu den anderen Favoriten ein, während Sagan nun mit 111 Punkte in der Sprintwertung voran liegt.
Die Etappe
Mit der heutigen 10. Etappe der Tour de France änderte sich auch der Charakter des Rennens völlig. Die erste Alpenetappe von Annecy führte über einen Berg der Vierten-, drei der Ersten- und einen der HC-Kategorie nach Le Grand-Bornand. Es waren 158,5 sehr schwere Kilometer, die zeigen sollten, wer von den Klassementsfahrern auch die richtige Form für die Berge mitgebracht hatte. Nach der ersten Bergwertung der vierten Kategorie folgte der Zwischensprint des Tages bei Kilometer 29. Gefolgt von Croix Fry, galt es das Plateau des Glières zu erklimmen, wobei an diesem Anstieg die letzten Kilometer über Naturstraßen führten. Am Ende warteten noch der Col de Romme und, nur 14 km vor dem Ziel, der Col de la Colombière auf das Fahrerfeld. Von dort ging es ausschließlich bergab nach Le Grand-Bornand.
Teamtaktik
Mit Rafal Majka hatte BORA – hansgrohe den Teamleader für die Gesamtwertung schon in der ersten Tourwoche auf Rang sechs gebracht. In den Alpen gang es nun darum diese Position zu festigen, oder wenn möglich, weiter zu verbessern. Das gesamte Team stand Majka dabei zur Seite, sogar der UCI Weltmeister Peter Sagan konzentrierte sich nur auf den Zwischensprint bei Kilometer 29, bevor auch er Helferdienste zu leisten hatte. Nach zwei Stürzen am Sonntag Richtung Roubaix, sollte Majka heute erst einmal den richtigen Tritt finden. Die Taktik war dabei eher konservativ, es galt den in der Gesamtwertung vor ihm Platzierten zu folgen, ohne dabei selbst Akzente zu setzten oder irgendwelche Risiken einzugehen. Auch die nächsten beiden Etappen führen durch die Alpen, und bieten genügend Gelegenheiten für einen Angriff.
Das Rennen
Direkt nach dem Start folgte heute Attacke auf Attacke. Immer wieder versuchten unterschiedliche Fahrer dem Feld zu enteilen, einmal war auch Marcus Burghardt in einer Gruppe, doch das Tempo war zu hoch, und alle Versuche wurden im Keim erstickt. Erst zur Bergwertung der vierten Kategorie entstanden erste Lücken. Peter Sagan zeigte sich an der Spitze des Rennens, und nach 20 Kilometern konnten sich 21 Fahrer vom Feld lösen. Neben Sagan war von BORA – hansgrohe auch Lukas Pöstlberger in der Gruppe an der Spitze. Beim Sprint nach 29 km holte Sagan die vollen Punkte und baute damit seine Führung in der Punktewertung weiter aus. Zu diesem Zeitpunkt lag der Abstand zwischen Spitze und Feld bereits bei zwei Minuten. Am Ende des ersten Anstiegs der 1. Kategorie teile sich die Spitzengruppe. Lukas Pöstlberger blieb an der Spitze des Rennens, während Peter Sagan nun in der zweiten Gruppe lag. Zum Plateau des Glière verlor auch Lukas vorne den Anschluss und beide ließen sich in der Folge ins Feld zurückfallen, das bereits mehr als sieben Minuten Rückstand hatte. Erst im Flachstück vor den letzten beiden Anstiegen des Tages, erhöhte Team Sky das Tempo. Der Vorsprung verringerte sich nun kontinuierlich, während die Spitze nach und nach auseinanderfiel. Im Feld begann nun das erwartete Ausscheidungsfahren, während Alaphilippe an der Spitze die entscheidende Attacke zum Sieg setzte. Am Col de la Colombière verloren nach und nach immer mehr Fahrer den Anschluss zur Gruppe der Favoriten. Etwa 500 m vor dem Gipfel bekam auch Rafal Majka Probleme. Der BORA – hansgrohe Leader versuchte zwar in der letzten Abfahrt den Anschluss noch einmal herzustellen, musste am Ende aber rund 50 Sekunden Rückstand hinnehmen.
Reaktionen im Ziel
„Heute war die erste Bergetappe der Tour, darum war unser Hauptziel Rafal so gut als möglich zu unterstützen. Ich konnte dann mit Lukas in die Fluchtgruppe gehen und habe beim Zwischensprint die vollen Punkte geholt. Danach haben wir uns wieder ins Feld zurückfallen lassen, um Rafal noch in die letzten Anstiege zu bringen. Wir haben immer noch 11 Etappen vor uns, und wir werden alle Chancen nutzen.“ – Peter Sagan, UCI Weltmeister
„Ich habe heute eine Menge gelitten. An den letzten beiden Anstiegen, als Sky aufs Tempo drückte, habe ich nie richtig meinen Tritt gefunden. Ich habe alles versucht, um vorne dran zu bleiben, aber auf den letzten 500 m hat es einfach nicht mehr gereicht. Manchmal nach einem Ruhetag passiert so etwas. Zum Glück hält sich der Rückstand noch in Grenzen und unsere Chancen sind noch in Takt. Es folgen noch zwei weitere harte Alpenetappen, danach werden wissen, wir wo wir stehen.“ – Rafal Majka
„Was soll man machen, manchmal haben Fahrer nach einem Ruhetag einfach einen schlechten Tag, leider hat es heute Rafal erwischt. Wir sind aber immer noch guter Dinge, da er in der ersten Woche jeden Tag einen guten Eindruck hinterlassen hat. Auf der anderen Seite, um das Grüne Trikot, ist alles nach Plan verlaufen. Peter und Lukas konnten in die richtige Gruppe gehen, und Peter hat den Zwischensprint gewonnen. Er hat nun 111 Punkte Vorsprung. Das Team hat also wieder einen guten Job gebracht, nun werden wir sehen, wie es morgen läuft.“ – Enrico Poitschke, sporlticher Leiter
© BORA – hansgrohe / Bettiniphoto & VeloImages
10. Etappe:
1. Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors)
2. Ion Izagirre (Bahrain-Merida) +1:34
3. Rein Taaramäe (Direct Energie) +1:40
4. Greg Van Avermaet (BMC)
5. Serge Pauwels (Dimension Data)
6. Lilian Calmejane (Direct Energie) +2:24
7. Daniel Martin (UAE Team Emirates) +3:23
8. Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo) s.t.
9. David Gaudu (Groupama-FDJ)
10. Geraint Thomas (Sky)
Gesamtstand:
1. Greg Van Avermaet (BMC)
2. Geraint Thomas (Sky) +2:22
3. Alejandro Valverde (Movistar) +3:10
4. Jakob Fuglsang (Astana) +3:12
5. Bob Jungels (Quick-Step Floors) +3:20
6. Chris Froome (Sky) +3:21
7. Adam Yates (Mitchelton-Scott) s.t.
8. Mikel Landa (Movistar)
9. Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) +3:27
10. Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo)
Punktewertung:
1. Peter Sagan (Bora-hansgrohe)
Bergwertung:
1. Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors)
Nachwuchswertung:
1. Pierre Latour (AG2R)
Teamwertung:
1. Movistar