21. Etappe: Mantes-la-Ville – Paris – 132 Km – 1100 Hm
Wout van Aert (Visma) gewann auf triefend nassen Straßen in Paris die abschließende 21. Etappe der Tour de France 2025 als Solist. Auf veränderter Streckenführung attackierte der Belgier bei der letzten von 3 Montmartre-Passagen und vergrößerte die kleine Lücke zum Gesamtsieger Tadej Pogacar (UAE) im Windschatten des ersten Kameramotorrads. Von 5 versprengten Verfolgern sprintete Davide Ballerini (XDS) auf der Champs-Élysées auf den 2. Platz vor Matej Mohoric (Bahrain) und Pogacar.
Im Gelben Trikot hatte Pogacar das Finale der letzten Etappe an sich gerissen, obwohl die Zeit wegen des Regenwetters schon 50 Kilometer vorm Ziel genommen wurde. Pogacar stürmte die ersten beiden Montmartre-Auffahrten in Front hinauf und reduzierte damit die Spitze erst auf 23, dann auf 6 Fahrer. Von denen bereitete Matteo Jorgenson (Visma) mit seinen Attacken das Siegessolo des Teamkollegen van Aert vor. Der konnte sich schließlich im letzten Anstieg als letzter an Pogacars Hinterrad halten und übertrumpfte ihn im oberen Teil. Die Top-6 komplettierte Matteo Trentin (Tudor).
Ergebnis
1. Wout van Aert (BEL) – Visma-Lease a Bike 3:07:30
2. Davide Ballerini (ITA) – XDS-Astana +0:19*
3. Matej Mohoric (SLO) – Bahrain Victorious gl.Zeit
4. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG gl.Zeit
5. Matteo Jorgenson (USA) – Visma-Lease a Bike +0:26
6. Matteo Trentin (ITA) – Tudor +0:38
7. Arnaud de Lie (BEL) – Lotto +1:14
8. Kévin Vauquelin (FRA) – Arkéa-B&B Hotels alle
9. Mike Teunissen (NED) – XDS-Astana gleiche
10. Dylan Teuns (BEL) – Cofidis Zeit
11. Kaden Groves (AUS) – Alpecin-Deceuninck +1:22
12. Tobias Lund Andresen (DEN) – Picnic-PostNL
13. Biniam Girmay (ERI) – Intermarché-Wanty alle
14. Alex Aranburu (ESP) – Cofidis gleiche
15. Neilson Powless (USA) – EF Education-Easypost Zeit
– 160 Fahrer klassiert.
*) Rückstände der Tageswertung gingen nicht in Gesamtwertung ein.
Jonas Vingegaard (Visma) ließ es im Finale ausrollen. Er beteiligte sich wie die meisten anderen nicht mehr um den Kampf für den letzten, prestigeträchtigen Etappensieg. Wegen der frühen Zeitnahme war dies möglich, und es veränderte sich am Rückstand von 4:23 in der Gesamtwertung zu Pogacar nichts mehr. Pogacar machte seinen 4. Tour-Gesamtsieg bei seiner 6. Teilnahme perfekt. Bei den 2 Nicht-Gesamtsiegen landete er auf dem 2. Platz hinter Vingegaard, der seinerseits bei 5 Teilnahmen 2 Gesamtsiege und drei 2. Plätze hinter Pogacar vorzuweisen hat.
Schon vor der Tour de France 2025 war relativ klar, dass es für alle anderen nur noch um den 3. Platz ging. Und diesen holte sich samt des weißen Trikots für den besten Jungprofi Florian Lipowitz (Red Bull). Der 24-jährige Deutsche attackierte sogar auf den kleineren Champs-Élysées-Runden, bevor es auf die 3 größeren Runde inklusive Montmartre ging. Dadurch überfuhr er die Zeitnahme sogar 9 Sekunden vor dem Hauptfeld, wodurch er den finalen Rückstand auf Pogacar auf exakt 11 Minuten reduzierte. Nach der Einholung spielte Lipowitz wie Vingegaard keine Rolle mehr. Denn es war egal für die beiden, mit 5 und 7 Minuten Rückstand ins Ziel zu kommen.
In der Anfangsphase der 21. Etappe posierten die Fahrer – noch bei trockenem Wetter – rollend für die Kameras, insbesondere das Team des designierten Gesamtsiegers, das dann das Hauptfeld auf die zunächst kleineren Schlussrunden führte. Dort gingen nach der ersten Zieldurchfahrt die ersten Attacken. Etwas länger vorne halten konnte sich allerdings nur als Duo Lipowitz und Quinn Simmons. Die beiden setzten sich nach dem Zwischensprint in Front. Den gewann standesgemäß Jonathan Milan (Lidl) als Sieger der Punktewertung ums Grüne Trikot. Die Zeit wurde wenig später genommen.
Es folgte die 3-malige Befahrung des Montmartre-Anstiegs hoch um die Basilika Sacré-Cœur, eine vielfach kritisierte Neuerung der Paris-Etappe. Ab 1975 endete die Tour de France auf der Champs-Élysées mit einem flachen Kurs und fast immer mit einem Massensprint. Die olympischen Spiele in Paris 2024 änderten den Lauf der Geschichte letzter Tour-de-France-Etappe: im selben Jahr wich man ausnahmsweise nach Nizza aus, ein Jahr später dienten die Traumbilder des Olympia-Straßenrennens für die Hinzunahme von Montmartre auch bei der Tour de France.
Mindestens bei den Sprinter sorgte das für lange Gesichter. Interessanterweise war nun mit Wout van Aert ein Fahrer erfolgreich, der auch schon ein flaches Finale auf der Champs-Élysées im Sprint für sich entschieden hatte. Der Plan der Tour-Organisatoren ging insgesamt auf: Aufgrund des Wetters gab es zwar nicht die leuchtenden Bilder von Sacré-Cœur wie bei Olympia. Dafür säumten wieder Zuschauermassen die engen Straßen von Montmartre, wo sonst in Paris die Zuschauer eher meterweit von der Rennstrecke an den breiten Straßen entfernt stehen.
Außerdem lieferten die Fahrer ein Spektakel, an dem natürlich vor allem Pogacar im Gelben Trikot seinen großen Anteil hatte. Das alles dürfte vielen Zuschauern wieder einen Schwall von Gänsehaut bereitet haben. Mit seinen Verschärfungen sortierte Pogacar erst selbst das Feld vor auf schließlich 6 Fahrer. Unter den waren neben Ballerini, Mohoric und Trentin allerdings auch als einzig doppelt vertretene Teamkollegen van Aert und Jorgensen. Zwischen vorletzten und letzten Anstieg zermürbte Jorgenson die Konkurrenten.
Wout van Aert konnte man diesen Erfolg von Herzen gönnen. Nach 2 sehr schweren Verletzungen aus Rennunfällen im Vorjahr bereitete er maßgeblich dem Giro-Gesamtsieg seines Teamkollegen Simon Yates den Boden und hatte schon zuvor bei den Klassikern mehrere 2. und 4. Plätze gesammelt. Einen persönlichen Saisonsieg 2025 gab nur auf einer Giro-Etappe.
Endstand:
1 Pogacar Tadej UAE Team Emirates-XRG 76:00:32
2 Vingegaard Jonas Team Visma | Lease a Bike + 04:24
3 Lipowitz Florian Red Bull-BORA-hansgrohe + 11:09
4 Onley Oscar Team Picnic PostNL + 12:12
5 Gall Felix Decathlon AG2R La Mondiale Team + 17:12
6 Johannessen Tobias Halland Uno-X Mobility + 20:14
7 Vauquelin Kévin ARKEA-B&B HOTELS + 22:35
8 Roglic Primoz Red Bull-BORA-hansgrohe + 25:30
9 Healy Ben EF Education-EasyPost + 28:02
10 Jegat Jordan Team TotalEnergies + 32:42
11 O’Connor Ben Team Jayco-AlUla + 34:34
12 Arensman Thymen INEOS Grenadiers + 52:41
13 Narvaez Jhonatan UAE Team Emirates-XRG + 01:04:36
14 Higuita Sergio XDS Astana Team + 01:08:19
15 Yates Simon Team Visma | Lease a Bike + 01:17:30
16 Martin-Guyonnet Guillaume Groupama-FDJ + 01:18:07
17 Kuss Sepp Team Visma | Lease a Bike + 01:20:24
18 Mühlberger Gregor Movistar Team + 01:28:17
19 Jorgenson Matteo Team Visma | Lease a Bike + 01:29:28
20 Rodriguez Cristian ARKEA-B&B HOTELS + 01:36:15
Florian Lipowitz schreibt Geschichte bei der Tour de France
Die Tour de France 2025 markiert einen Meilenstein in der Geschichte von Red Bull – BORA – hansgrohe. Mit dem dritten Platz in der Gesamtwertung durch Florian Lipowitz sicherte sich das Team erstmals ein Podium bei der Tour de France. Eine Premiere ist ebenfalls der Gewinn des Weißen Trikots des besten Jungprofis.
Florian Lipowitz wird Dritter der Tour de France 2025 und gewinnt das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.
Der 24-jährige Deutsche, der in Frankreich seine erste Tour de France bestritt, stand nach drei fordernden Wochen voller Hochgebirgsetappen und Rennstress in Paris auf dem Podium. Bei der Bergankunft der 14. Etappe in Luchon-Superbagnères übernahm Florian sowohl das Trikot als auch Rang drei. Beides verteidigte er mit beeindruckender Ruhe und Konstanz bis nach Paris.
Das Podium bei der Tour krönt ein bereits außergewöhnliches Jahr für Florian. Nach Rang zwei in der Gesamtwertung von Paris-Nizza zu Saisonbeginn, Platz drei beim beim Critérium du Dauphiné in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Tour und dem Abschluss der Baskenland-Rundfahrt als Vierter zwischendurch zementierte er in Frankreich seinen Status als eine der größten Nachwuchshoffnungen im internationalen Radsport.
Florian Lipowitz: „Es waren harte drei Wochen. Ich wollte nur noch sicher ins Ziel kommen. Insgesamt gab es viele Hochs und Tiefs, der Start war nicht ganz so optimal. Aber wir haben uns reingefuchst und sind auch als Team immer mehr zusammengewachsen. Denn am Ende ist so ein Ergebnis nicht nur meine Sache, sondern auch eine Mannschaftsleistung. Deswegen möchte ich nochmal an alle Danke sagen. Letztlich fahren wir hier drei Wochen durch Frankreich, aber da gehört viel mehr dazu an Vorbereitung. Deswegen bin ich einfach happy, dass alles so aufgegangen ist und wir den dritten Platz feiern können.“
In einer Reihe mit den größten Erfolgen des Teams
Der ehemalige Biathlet wurde vom Team früh entdeckt und gezielt aufgebaut. Sein Weg nach oben war rasant, aber stet. Im Fahrerfeld gilt er als bescheiden und bodenständig, zugleich aber ehrgeizig und fokussiert – Eigenschaften, die ihm bei dieser Tour nicht nur den Respekt seiner Kollegen, sondern auch die Sympathien vieler Fans einbrachten. In der letzten Woche tauchte sein Name immer häufiger auf den Straßen und Transparenten am Streckenrand auf, was als Zeichen der wachsenden Unterstützung für den jungen Deutschen zu verstehen ist.
Florians Leistung reiht sich nahtlos ein in die größten Erfolge der Teamgeschichte: Jai Hindleys Sieg beim Giro d’Italia, der Triumph von Primož Roglič bei der Vuelta a España, ikonische Tour-Momente wie der Gewinn des Grünen Trikots durch Peter Sagans oder der Etappensieg von Jordi Meeus auf den Champs-Élysées. Ein Platz auf dem Podium der Tour de France samt dem Gewinn der Nachwuchswertung durch einen deutschen Fahrer im Trikot eines deutschen Teams hat dennoch eine ganz besondere Bedeutung. Es ist Ausdruck jahrelanger, gezielter Nachwuchsförderung und gelebten Teamgeists.
Ralph Denk, CEO Red Bull – BORA – hansgrohe: „Mit diesem Resultat hier und jetzt in Paris zu stehen, ist ein großer Moment für Red Bull – BORA – hansgrohe, aber auch für mich selbst. Florian hat für uns die beste Platzierung der Teamgeschichte bei der Tour de France eingefahren, erstmals das Weiße Trikot geholt. Es macht mich stolz, wie wir uns und unsere Partner hier präsentiert haben. Von denen sind wir nun eingeladen, sie bereiten uns einen riesigen Empfang. Das erste Tour-Podium ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, irgendwann auch das Gelbe Trikot zu gewinnen.“

