113. Tour de France – 15. Etappe: Champagnole – Plateau de Solaison – 184 Km

Vingegaard raus, Evenepoel greift zu

Remco Evenepoel (Red Bull) gewann die 15. Etappe der Tour de France 2026 mit Bergankunft am Plateau de Solaison. Der 26-jährige Belgier ließ im Sprint Tadej Pogacar und Isaac del Toro (beide UAE) hinter sich. Im Kampf ums Podest verloren Seixas (Decathlon) und Lipowitz (Red Bull) fast eine Minute und Ayuso (Lidl) 2 Minuten. Jonas Vingegaard (Visma) stürzte 22 Kilometer vor dem Ziel und stieg ziemlich schnell mit Armschlinge und Schmerz verzerrtem Gesicht in den Krankenwagen ein.

Ergebnis
1. Remco Evenepoel (BEL) – Red Bull-Bora 4:23:09

2. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG gl.Zeit
3. Isaac del Toro (MEX) – UAE-XRG +0:06
4. Paul Seixas (FRA) – Decathlon-CMA CGM +0:58
5. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora gl.Zeit
6. Lenny Martinez (FRA) – Bahrain Victorious +1:57
7. Mattias Skjelmose (DEN) – Lidl-Trek alle
8. Juan Ayuso (ESP) – Lidl-Trek gleiche
9. Adam Yates (GBR) – UAE-XRG Zeit
10. Quinn Simmons (USA) – Lidl-Trek +2:16
11. Yannis Voisard (SUI) – Tudor +2:22
12. Richard Carapaz (ECU) – EF Education-Easypost +2:51
13. Tom Pidcock (GBR) – Q36.5 Pinarello gl.Zeit
14. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +3:17
15. Antonio Tiberi (ITA) – Bahrain Victorious +4:22
16. Einer Rubio (COL) – Movistar +4:55
17. Ewen Costiou (FRA) – Groupama-FDJ +5:17
18. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +5:21
19. Ilan van Wilder (BEL) – Soudal-Quick Step +5:40
20. Matthew Riccitello (USA) – Decathlon-CMA CGM gl.Zeit
21. Mauro Schmid (SUI) – Jayco-Alula +7:07

27. Nicolas Prodhomme (FRA) – Decathlon-CMA CGM +10:52
32. Brandon McNulty (USA) – UAE-XRG +14:37
41. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +21:00
46. Sean Quinn (USA) – EF Education-Easypost +21:23
69. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +25:00
95. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +29:14
– 166 Fahrer klassiert.
DNF Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike
DNF Tim Merlier (BEL) – Soudal-Quick Step
DNF Tom van Asbroeck (BEL) – NSN

Gelber Pogacar schleppt del Toro Richtung Podest

Durch das Sturz-Aus des Abo-Zweiten Vingegaard wurde der 2. Platz in der Gesamtwertung und ein weiterer Podestplatz plötzlich frei. Vingegaard lag vor der 15. schon satte 4:30 Minuten hinter Pogacar, aber nur 34 Sekunden vor Evenpoel. Dieser rückte auf den 2. Gesamtplatz exakt 5 Minuten hinter Pogacar auf.
Verlierer des Tages waren Seixas, Lipowitz und erst recht Ayuso. Anstatt sich um den frei gewordenen Podestplatz in Position zu bringen, zog del Toro um 4 Plätze an ihnen allen vorbei – mit nun 58 Sekunden hinter Evenepoel und 25 vor Seixas und 50 vor Lipowitz. Ums weiße Trikot des besten Jungprofis vergrößerte Seixas zwar seinen Vorsprung vor Ayuso auf über eine Minute, musste aber das Trikot trotzdem um 25 Sekunden an del Toro abgeben.

Gesamtwertung
1. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 55:41:31
2. Remco Evenepoel (BEL) – Red Bull-Bora +5:00

3. Isaac del Toro (MEX) – UAE-XRG +5:58
4. Paul Seixas (FRA) – Decathlon-CMA CGM +6:23
5. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +6:48
6. Juan Ayuso (ESP) – Lidl-Trek +7:25
7. Mattias Skjelmose (DEN) – Lidl-Trek +9:38
8. Lenny Martinez (FRA) – Bahrain Victorious +10:28
9. Tom Pidcock (GBR) – Q36.5 Pinarello +10:56
10. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +19:26
11. Yannis Voisard (SUI) – Tudor +21:44
12. Richard Carapaz (ECU) – EF Education-Easypost +22:08
13. Ilan van Wilder (BEL) – Soudal-Quick Step +22:09
14. Adam Yates (GBR) – UAE-XRG +24:12
15. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +24:42
16. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +41:01
17. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +45:38
18. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +46:00
19. Brandon McNulty (USA) – UAE-XRG +50:31
20. Sean Quinn (USA) – EF Education-Easypost +1:03:16
21. Nicolas Prodhomme (FRA) – Decathlon-CMA CGM +1:03:27
22. Tiesj Benoot (BEL) – Decathlon-CMA CGM +1:10:27
23. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +1:12:58

Wie schon fast gewohnt bei den bergigen Etappen stand der Beginn im Zeichen des Zwischensprint, den – auch wie gewohnt – Philipsen (Alpecin) vor Pedersen (Lidl), Kanter (XDS) und Girmay (NSN) gewann. Philipsen rückte damit auf 36 Punkte an ans Grüne Trikot des weiterhin recht deutlich führenden Pedersen heran. Merlier (Soudal), der schnellste Sprinter der Tour 2026 und 3-fache Tagessieger war während der 15. Etappe erneut früh abgehängt und gab auf. Ums Grüne Trikot bemühte er sich ohnehin nicht.
Beim folgenden kleinen Bergpreis investierten Valentin Paret-Peintre (Soudal) und Carapaz (EF) viel für nur 2 und 1 Punkt. Dann setzte sich eine 10-köpfige Spitzengruppe inklusive des Vortages-Attackieres Tobias Johannessen (Uno-X) ab. Nicht dabei war Carapaz, Johannessens Fluchtgefährte des Vortages. Carapaz‘ Team investierte viel, um die 10 Ausreißer zurückzuholen, um dann in der folgenden 24-köpfigen Gruppe erneut ohne Carapaz dazustehen.

Vorne waren nun: Yates (UAE), Armirail, Campenaerts (Visma), van Dijke (Red Bull), Simmons (Lidl), Baudin, Healy (beide EF), Aurélien Paret-Peintre (Decathlon), Winokurow (XDS), Mohoric (Bahrain), Bernal, Vauquelin (beide Netcompany), van Wilder (Soudal), Schmid (Jayco), Frigo (NSN), Garcia Pierna, Rubio (beide Movistar), Pidcock, van Moer (beide Pinarello), Costiou, Martin (beide Groupama), Voisard (Tudor), Delettre (Totalenergies) und Balderstone (Caja Rural). Hinten übernahm mit der Zeit Vingegaards Team die Nachführarbeit und hatte anscheinend angesichts 2 Fahrern in der Spitzengruppe etwas vor.

Am steilen Col de la Croisette zerfiel die Spitzengruppe ab 53 Kilometer vorm Ziel. Quinn Simmons attackierte und überquerte den Gipfel wenige Sekunden vor Yates, Rubio, Pidcock, Costiou und Voisard. Der Vorsprung zum Hauptfeld pendelte bis zum Schlussanstieg stets um die 3 Minuten. Das bedeutete auch, dass Pidcock nach Vingegaards Sturz wie schon häufiger während dieser Tour 2026 virtuell auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung vorstieß.
In der Abfahrt wurde Simmons gestellt und der vorgestrige Etappensieger Schmid holte das Spitzensextett ein, das bald ein Verfolgersextett war. Denn Mauro Schmid ging als Solist an die Spitze und damit zuerst in den 11,3 Kilometer langen Schlussanstieg – 25 Sekunden vor dem Verfolgersextett, 1:50 Minuten vor übrigen Verfolgern aus der ehemaligen 24er-Gruppe um van Wilder sowie 2:40 Minuten vor dem Feld ums Gelbe Trikot.

Dort waren inzwischen die Helfer von Evenepoel in die Tempoarbeit eingestiegen, nachdem man sich durch den Vingegaard-Sturz erst einmal neu sortieren musste. Denn nach Vingegaards Sturz hatten dessen Helfer natürlich die Tempoarbeit eingestellt. Vingegaard war in einer Rechtskurve mit dem Vorderrad selbst weggerutscht. Del Toro und Großschartner (beide UAE) purzelten über ihn. Diese beiden konnte weitermachen, obschon sie sich anscheinend jeweils am Bein wehgetan hatten. Jedenfalls führte das dazu, dass Pogacar defensiv weiterfuhr.

Im Schlussanstieg attackierte vorne wieder Simmons und überholte Schmid. Unter den Klassementbesten übernahm schon früh Pogacar doe Tempoarbeit, so dass die bisherigen Plätze 8 und 10 der Gesamtwertung, Skjelmose (Lidl) und Martinez (Bahrain) abreißen ließen. Die Top-7 minus Vingegaard waren bereits unter sich.
Dann bekamen Seixas und Lipowitz eine Lücke, wenig später auch Ayuso. In dem so entstandenen Verfolgertrio fuhr Seixas alles von vorn, bis Ayuso auch dieses Tempo nicht mehr mitgehen konnte. Das Trio um Pogacar fuhr zu dessen Teamkollegen Yates auf, der noch einige Meter führen konnte, bis ungefähr 5 Kilometer vorm Ziel mit Simmons auch der letzte Ausreißer gestellt war.

Bis zur Kilometermarke fuhr Pogacar alles von vorne, aber augenscheinlich darauf bedacht, dass er seinen Teamkollegen del Toro nicht abhängte. Del Toro attackierte einen und einen halben Kilometer vorm Ziel und wurde jeweils von Evenepoel pariert. Als Evenepoel früh zum Zielsprint ansetzte, zog Pogacar mit, blieb dann aber sitzen und machte keine Anstalten, Evenepoel einen Kampf zu liefern. Del Toro kam 6 Sekunden hinter den beiden rein.

Seixas und Lipowitz erreichten mit 58 Sekunden Rückstand das Ziel. Ayuso wurde noch von Skjelmose und Martinez eingeholt. Der zurückfallende Simmons konnte seinen beiden Teamkollegen noch kurz helfen und landete selbst auf dem 10. Platz. Pidcock hatte 2:51 Minuten Rückstand und wurde in der Gesamtwertung von Martinez überholt. Jegat (Totalenergies) verbesserte sich – wenn auch mit weitem Rückstand auf die Top-9 – auf den 10. Platz, auf dem er schon im Vorjahr die Tour de France beendete.
Evenepoel indes feierte erstmals einen Tour-Etappensieg außerhalb von Zeitfahren. Außerdem wies er im Sieger-Interview darauf hin, einen langen Anstieg in den Alpen gegen die direkten Klassement-Konkurrenten siegreich bestritten zu haben – eine Fähigkeit, die ihm inzwischen viele absprachen.

Pogacar wiederum vermutete, dass Vingegaard eine nächtliche Doping-Kontrolle und damit fehlender Schlaf die letzte Konzentration gekostet haben könnte. Die beiden Top-Stars waren in der Nacht vor der 15. Etappe hierzu um 5 und 2 Uhr aus dem Schlaf gerissen worden. In den vergangenen 5 Jahren hatten die beiden immer die ersten beiden Plätze im Endklassement der Tour de France belegt. Das wird sich 2026 zwangsläufig ändern.

Remco Evenepoel gewinnt die 15. Etappe der Tour de France

Remco Evenepoel hat Red Bull – BORA – hansgrohe den ersten Etappensieg bei der Tour de France 2026 beschert. Der Belgier sicherte sich am Plateau de Solaison den Sieg im Zielsprint und kletterte in der Gesamtwertung auf Rang zwei.

Einen viel besseren Zeitpunkt für den 75. Erfolg seiner Profikarriere hätte sich Remco Evenepoel kaum aussuchen können. Die 15. Etappe, die in Champagnole im Jura begann und am Genfersee vorbei entlang der Landesgrenze zur Schweiz ins Alpen-Départment Haute-Savoie führte, sah 50 Kilometer vor dem Ziel mit dem Col de la Croisette einen ersten schwierigen Anstieg, der das Feld vorsortierte.

Der Schlussanstieg hinauf zum Plateau de Solaison war dann aber noch mal eine andere Hausnummer. Der gut elf Kilometer lange und im Mittel neun Prozent steile Berg stand erstmals im Programm der Tour. Remco Evenepoel konnte dort allen Tempoverschärfungen folgen und mit einem unwiderstehlichen Bergaufsprint den Sieg einfahren.

Eine starke Vorstellung zeigte auch Florian Lipowitz, der als Tagesfünfter ins Ziel kam und in der Gesamtwertung ebenfalls einen Schritt nach vorn auf Platz fünf machte.

Nach dem morgigen Ruhetag steht am Dienstag das Zeitfahren am Ufer des Genfersees über 26,1 Kilometer auf dem Programm, bei dem Remco Evenepoel spätestens nach der heutigen Vorstellung erneut zu den Favoriten zählt und dem anhaltenden Aufwärtstrend ein weiteres Kapitel hinzufügen kann.
„Was für ein unglaublicher Tag. Ich möchte dem gesamten Team danken – den Fahrern genauso wie allen Mitarbeitern im Hintergrund. Eine große Bergetappe bei der Tour de France zu gewinnen, war schon immer ein Traum. Dass es heute geklappt hat, bedeutet mir unheimlich viel. Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir heute erreicht haben. Jetzt werden wir diesen Moment genießen, den Sieg gemeinsam feiern und morgen den Ruhetag nutzen, um neue Energie zu tanken.“
— Remco Evenepoel

„Heute Morgen haben wir nicht mit diesem Finale gerechnet. Remco war überragend, aber vor allem möchte ich die Teamleistung hervorheben. Ehrlich gesagt haben wir überhaupt nicht an den Etappensieg gedacht – unser Fokus lag ganz auf den Podiumsplätzen in der Gesamtwertung. Doch manchmal hält der Sport solche wunderbaren Überraschungen bereit, und heute hat Remco genau dafür gesorgt. Dieser Sieg ist das i-Tüpfelchen auf einer rundum perfekten Teamleistung.“
— Patxi Vila, Sportlicher Leiter