Darauf ist Dieter Burkhardt noch heute stolz: „Von 1977 bis 1986 stand ich zehn Jahre lang ohne Unterbrechung jedes Jahr bei einer Deutschen Meisterschaft auf dem Treppchen. Mal bei der Einer-, mal bei der Vierer-DM, manchmal auch bei beiden.“ Ein außergewöhnlicher Rekord, den Dieter Burkhardt bis heute niemand streitig machte. Zehn Jahre – im harten Leistungssport eine ungewöhnlich lange Zeit – trug Dieter Burkhardt erfolgreich das Trikot der RSG-Nürnberg, deren Geschichte er in diesen Jahren ganz wesentlich mitgestaltete. Auch nach seiner aktiven Laufbahn, in der er zwölf Jahre zum Nationalkader zählte und rund 120 Rennen gewann, blieb Dieter Burkhardt dem Zweirad und dem Radsport stets eng verbunden. Ab 1987 war er 16 Jahre als PR- und Marketing-Chef der Nürnberger Hercules-Werke im Einsatz. Nachdem sich diese vom Standort Nürnberg zurückzogen, übernahm Dieter Burkhardt 2003 im Nordosten Nürnbergs das renommierte Fahrrad-Geschäft des Herpersorfer Ex-Meisters Jürgen Goletz, dass er bis 2021 leitete.
Begonnen hat Dieter Burkhardt´s sportlicher Lebenslauf nicht auf dem Rennrad: „ Als Schüler habe ich mehrere Jahre begeistert Fußball gespielt“, erinnert sich der agile Jubilar. „Auf dem Heimweg vom Fußballplatz trat Dieter Burkhardt dann meist sehr stramm in die Pedale seines Touren-Rades, so stramm, dass er bei den Jugendfahrern des regionalen Radsportvereins – die auf gleicher Strecke trainierten – locker mithielt.“ Kein Wunder, dass der „schnelle Fußballer“ über Schulfreunde schnell zum RV 89 Schweinfurt fand und bald erste Jugendrennen fuhr, obwohl er noch immer genau so eifrig kickte. Erst ein Jahr später, nachdem er sich seinem Heimatverein, der „SG Dittelbrunn“ anschloss, bei dem Ex-Profi Ludwig Geyer den Nachwuchs betreute, hängte Dieter Burkhardt als 14-Jähriger die Fußballstiefel endgültig an den Nagel. Sehr schnell bewies er nun sein außergewöhnliches Talent im Rennsattel. Gerne denkt er zurück an erste heiße Duelle mit dem Nürnberger „Radbaron“ Friedrich von Loeffelholz, der damals als Jugendfahrer eine ebenso erfolgreiche und steile Karriere startete: „ 1971 gewann ich vor Friedrich die bayerische Straßenmeisterschaft der Junioren“, erinnert sich Burkhardt, der 1972 erstmals für die Nationalmannschaft der Junioren nominiert wurde.
Der erfolgreichste Abschnitt seiner langen Karriere begann 1976 als sich der 21-jährige Dittelbrunner als Amateur der 1973 gegründeten „RSG-Franken Katzwang“ ( später RSG-Hercules Nürnberg) anschloss , in der bereits Friedrich Von Loeffelholz und Dieter Flögel für Furore sorgten. Diesen Schritt hat Dieter Burkhardt nie bereut, denn das Erfolgstrio Von Loeffelholz-Burkhardt-Flögel gab damals in Bayern und sehr bald auch bundesweit souverän den Ton im Straßenrennsport der Amateure an. Die drei schnellen Franken stellten bei Rundfahrten und Weltmeisterschaften für viele Jahre das Rückgrat der deutschen Straßen-Nationalmannschaft, der Dieter Burkhardt zwölf Jahre angehörte! 1979, 1982 und 1985 wurde Dieter Burkhardt mit dem RSG-Vierer Deutscher Mannschaftsmeister über 100 Kilometer, 1982 gewann er in Rosenheim vor dem späteren Weltklasse-Profi Rolf Gölz im mitreißenden Finish die Einer-DM!
Die Art und Weise, in der die Katzwanger Cracks den Straßenrennsport der Amateure dominierten, beeindruckte nicht nur die fränkischen Fans. Auch in der Chefetage der Firma Hercules war man begeistert. So begeistert, dass der heimische Fahrradhersteller zum großzügigen Sponsor wurde, nach dem sich der kleine Verein ab 1980 „RSG-Hercules Nürnberg“ nannte.
Eine solche Namensänderung, verbunden mit Werbung, war seinerzeit innerhalb des Bundes Deutscher Radfahrer jedoch ebenso wenig erlaubt, wie die effizienten neuen Team-Strukturen mit denen die Nürnberger Cracks ihre Rennen fuhren – und gewannen! Es kam schließlich zum Eklat: Als „Rebellen“ wurden die RSG-Fahrer im Olympia-Jahr 1980 rigoros vom Bund Deutscher Radfahrer von der Nationalmannschaft ausgeschlossen! Heute lacht Dieter Burkhardt darüber, wenn er feststellt: „ Wir waren damals einfach um einiges voraus. Wenige Jahre später folgten unserem Beispiel die Dortmunder und dann fanden sich bald weitere Vereine, die nach unserem Sportgruppen-Konzept arbeiteten. Der Erfolg sprach schließlich so deutlich dafür, dass der BDR , wenn auch spät, sein Reglement änderte.“
Eigentlich wollte Dieter Burkhardt 1985, nachdem er die RSG-Hercules Nürnberg zum dritten Mal zum Vierer-DM-Titel geführt hatte, seine Karriere beenden. „ Doch dann hatte ich einen sehr schweren Autounfall und die Saison 1985 war gelaufen. So wollte ich mich jedoch nicht verabschieden“. Umso größer war Burkhardt´s Ehrgeiz im folgenden Jahr. Neben zahlreichen Siegen wollte er in seiner letzten Saison vor allem bei der Straßen-DM noch einmal ganz vorne dabei sein. “Die DM in Bann war 1986 eine extreme Hitzeschlacht auf einem sehr schweren Kurs in der Pfalz , doch wir hatten alles gut im Griff“, erinnert sich Dieter Burkhardt an sein letztes großes Rennen, das er fast auch noch gewonnen hätte: „ Die Nürnberger und die Dortmunder Fahrer gaben bei dieser DM einmal mehr souverän den Ton an. In der letzten Runde fuhr der Dortmunder Bernd Gröne zusammen mit Werner „Kiko“ Stauff ab, der 1986 für die RSG-Nürnberg fuhr. „Gröne galt damals zwar auch als gefährlicher Sprinter, doch ich war sicher, Kiko fährt das Ding nach hause“, erinnert sich Dieter Burkhardt, der mit seiner Prognose richtig lag und das Feld der Verfolger aufmerksam kontrollierte. Stauff gewann den Titel sicher vor Gröne und Dieter Burkhardt wuchs eine halbe Minute später im rasanten Massensprint des heranbrausenden Feldes, den er grandios gewann, noch einmal über sich hinaus. Als strahlender Dritter der DM stieg er mit Gröne und Stauff zum 10. Mal auf ein DM-Treppchen! Insgesamt hat Dieter Burkhardt sehr viele schöne Erinnerungen an seine aktive Zeit. Nur ein Punkt wurmt ihn offensichtlich noch heute etwas: “ Obwohl ich mit rund 15 Siegen pro Saison auch als sehr spurtschnell bekannt war, wurde ich nie für eine Einer-WM nominiert, nur stets für den BDR-Straßenvierer“.
1987 hängte Dieter Burkhardt zwar seine Rennmaschine an den berühmten Nagel, doch für die RSG-Nürnberg war er als langjähriger 1. Vorsitzender noch viele Jahre unermüdlich im Einsatz. Beim späteren Profi-Team NÜRNBERGER , das 1986 aus der RSG entstand, fungierte Dieter Burkhardt bis zum Ende 2001 als Geschäftsführer und Sportlicher Leiter.
Ab 1991 war Dieter Burkhardt außerdem als Organisator des Radrennens „Rund um die Nürnberger Altstadt“ im Einsatz, bei dem er zusammen mit Dieter Flögel Tour de France-, Giro-Sieger Sieger, Weltmeister und zahlreiche internationale Top-Stars an den Start brachte.
Den Straßen-Rennsport verfolgte Dieter Burkhardt auch in den folgenden Jahren weiter sehr aufmerksam zumal sein Sohn Holger erfolgreich in seine Fußstapfen trat. Sein renommiertes Radsport-Fachgeschäft im Norden Nürnbergs, das er 19 Jahre erfolgreich führte, wird seit 2021 von einem langjährigen Mitarbeiter fortgeführt. Im Sattel seiner schnellen Rennmaschine sitzt der rüstige Jubilar noch immer gerne und regelmäßig. „ Dazu habe ich nun endlich die nötige Zeit , das macht Spaß und hält mich fit“, sagt Dieter Burkhardt, der zusammen mit Sohn Holger auch immer wieder auf berühmten Tour-Pässen der Pyrenäen und Alpen unterwegs ist.
Dieter Burkhardt´s Daten in Kürze
Geb. 8. Juli 1955 in Stuttgart
1962 zog Familie Burkhardt ins unterfränksiche Dittelbrunn bei Schweinfurt
seit 1976 lebt Dieter Burkhardt in Nürnberg
Ab 1969 Jugendfahrer zunächst beim RV 89 Schweinfurt, ab 1970 bei der SG Dittelbrunn, ab 1976 als Amateur bei der RSG-Franken-Katzwang, der späteren RSG-Hercules Nürnberg.
Vierfacher Deutscher Meister der Amateure auf der Straße (Einer- und Vierer-Mannschaft), 12 Jahre Nationalmannschaft Straße, insgesamt bis 1986 rund 120 Siege, darunter viele namhafte „Klassiker“ .
Nach dem Ende der Karriere ab 1987 sechzehn Jahre Marketingleiter der Firma „Hercules“ , dazu parallel Team-Manager und Sportlicher Leiter der RSG Nürnberg und ab 1986 beim internationalen Profi-Team „NÜRNBERGER“. Ab 1991 Co-Organisator des Rennens „Rund um die Nürnberger Altstadt“ , Mitglied der Sportkommission der Stadt Nürnberg.
Von 2003 bis 2021 Inhaber der Firma RADSPORT BURKHARDT
Text: Manfred Marr





