13. Etappe: Loudenvielle – Peyragudes – ITT – 10,9 Km – 650 Hm
Pogacar auch im Bergzeitfahren siegreich
Wie hätte es anders sein können? Tadej Pogacar (UAE) gewann auch die 13. Etappe der Tour de France 2025, ein 10,9-Kilometer-Einzelzeitfahren in den Pyrenäen hoch nach Peyragudes. Der 26-jährige Slowene schlug mit herkömmlichen Material um 36 Sekunden Jonas Vingegaard (Visma), der mit Zeitfahrmaschine und seinem riesigen Zeitfahrhelm unterwegs war. Wie so oft waren die beiden eine Klasse für sich. Mit 1:20 Minuten Verlust zeigte Primoz Roglic (RB) ansteigende Form mit einem 3. Platz auf.
26 Sekunden hinter seinem Teamkollegen reichte es für Florian Lipowitz für den 4. Platz an. Außer Vingegaard waren nur Roglic, Lipowitz und Remco Evenepoel (Soudal) auf der Zeitfahrmaschine unterwegs. Für Evenepoel ging aber der Schuss nach hinten los. Er zog auf der steilen Zielgeraden den Parkschein und musste die Demütigung über sich ergehen lassen, vom 2 Minuten hinter ihm gestarteten Vingegaard überholt zu werden. Das bedeutete den 12. Platz 2:39 Minuten hinter Pogacar. Vingegaard hatte am Ende Evenepoel als Möhre vor der Nase und konnte so mutmaßlich moralisch ein bisschen profitieren.
Als bester Nicht-Klassementfahrer belegte der früh gestartete Luke Plapp (Jayco) den 5. Platz. Er saß damit sehr lange auf dem heißen Stuhl des Führenden, bis Roglic das Ziel erreichte. Matteo Jorgenson (Visma) zeigte sich etwas erholt vom Vortrag und wurde Sechster vor Oscar Onley (Picnic), der in der Gesamtwertung gegenüber Lipowitz und Roglic Zeit einbüßte, aber gegen Kévin Vauquelin (Arkéa) gewann.
Ergebnis
1. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 23:00
2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +0:36
3. Primoz Roglic (SLO) – Red Bull-Bora +1:20
4. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +1:56
5. Luke Plapp (AUS) – Jayco-Alula +1:58
6. Matteo Jorgenson (USA) – Visma-Lease a Bike +2:03
7. Oscar Onley (GBR) – Picnic-PostNL +2:06
8. Adam Yates (GBR) – UAE-XRG +2:15
9. Lenny Martinez (FRA) – Bahrain Victorious +2:21
10. Felix Gall (AUT) – Decathlon-AG2R +2:22
11. Kévin Vauquelin (FRA) – Arkéa-B&B Hotels +2:35
12. Remco Evenepoel (BEL) – Soudal-Quick Step +2:39
13. Carlos Rodriguez (ESP) – Ineos Grenadiers +2:48
14. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +2:52
15. Harry Sweeny (AUS) – EF Education-Easypost +2:53
16. Enric Mas (ESP) – Movistar +2:59
…
18. Cristian Rodriguez (ESP) – Arkéa-B&B Hotels +3:08
21. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +3:18
23. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +3:21
26. Ben Healy (GBR) – EF Education-Easypost +3:38
27. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +3:40
33. Guillaume Martin (FRA) – Groupama-FDJ +4:22
75. Jhonatan Narvaez (ECU) – UAE-XRG +5:28
85. Mattias Skjelmose (DEN) – Lidl-Trek +5:41
91. Emanuel Buchmann (GER) – Cofidis +5:48
– 171 Fahrer klassiert.
Gerupfter Evenepoel rettet knapp Platz 3 und Weiß
In der Gesamtwertung baute Pogacar seine Führung auf 4:07 Minuten gegenüber Vingegaard aus. Evenepoel blieb auf dem 3. Platz und im weißen Trikot des besten Jungprofis, allerdings nur noch 6 Sekunden vor Lipowitz. Vor dem kleinen Einbruch hatte Evenepoel anscheinend kleinere technische Probleme, trat ein paar Mal ins Leere. Dann traf ihn noch die Keule in Form der Überholung von Vingegaard.
Weniger als eine halbe Minute vom Podest sind auch Onley und Vauquelin getrennt, wobei Onley knapp Vauquelin vom 5. Platz verdrängte. Auch Roglic hielt sich mit seinem guten Zeitfahren und nun 1:26 Minuten Rückstand die Chance aufs Podest offen. Dahinter verlor Tobias Johannessen (Uno-X) etwas an Boden, blieb aber auf dem 8. Platz vor Felix Gall (Decathlon) und Jorgenson.
Gesamtwertung
1. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 45:45:51
2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +4:07
3. Remco Evenepoel (BEL) – Soudal-Quick Step +7:24
4. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +7:30
5. Oscar Onley (GBR) – Picnic-PostNL +8:11
6. Kévin Vauquelin (FRA) – Arkéa-B&B Hotels +8:15
7. Primoz Roglic (SLO) – Red Bull-Bora +8:50
8. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +10:36
9. Felix Gall (AUT) – Decathlon-AG2R +11:43
10. Matteo Jorgenson (USA) – Visma-Lease a Bike +14:15
11. Ben Healy (GBR) – EF Education-Easypost +16:57
12. Carlos Rodriguez (ESP) – Ineos Grenadiers +20:44
13. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +21:31
14. Guillaume Martin (FRA) – Groupama-FDJ +23:52
15. Enric Mas (ESP) – Movistar +24:36
16. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +25:54
17. Jhonatan Narvaez (ECU) – UAE-XRG +27:28
18. Cristian Rodriguez (ESP) – Arkéa-B&B Hotels +33:29
19. Mattias Skjelmose (DEN) – Lidl-Trek +33:30
20. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +36:18
21. Emanuel Buchmann (GER) – Cofidis +37:10
Schon an der Zwischenzeit anch den ersten 4 flacheren Kilometern stellte Pogacar die Bestmarke auf, obwohl Zeitfahrweltmeister Evenepoel auf Spezielgerät unterwegs war. Dort lag Evenepoel allerdings noch auf dem 2. Platz – 5 Sekunden hinter Pogacar und 3 vor Vingegaard. Roglic und Lipowitz fehlten hier 15 und 17 Sekunden auf Pogacar.
Bei der 2. Zwischenzeit, mitten im Berg, hatte Pogacar seinen Vorsprung vor Vingegaard auf 24 Sekunden ausgebaut. Roglic und Lipowitz hatten sich mit 53 und 61 Sekunden bereits auf die Plätze 3 und 4 nach vorne geschoben. Lipowitz baute demnach verhältnismäßig ab im Schlussstück, jedoch nicht so dramatisch wie Evenepoel. Denn dieser lag 3,3 Kilometer vorm Ziel noch auf dem 5. Platz 79 Sekunden hinter Pogacar – ein Rückstand, der sich am Ende noch ungefähr verdoppeln sollte! Die Abwärtstendenz des Vortages setzte sich bei Evenepoel demnach fort.
Dritter und Vierter: Red Bull – BORA – hansgrohe glänzt im Bergzeitfahren
Es war ein echter Härtetest: 10,9 Kilometer bergauf zum Höhenflughafen von Peyragudes. 25 Minuten all out – ein Kampf gegen die Uhr und gegen die Schwerkraft.
Ein Bergzeitfahren stellt besondere Anforderungen. Die zentrale Frage: Aerodynamik oder Klettereffizienz? Die Antwort entschied über Materialwahl und Pacing.
Konsequent im TT-Modus
Primož Roglič rollte als erster Fahrer des gesamten Pelotons mit einem Zeitfahrrad von der Startrampe. Es war eine Entscheidung, die aufhorchen ließ – die sich aber auszahlte. Zeitgleich mit dem bis dahin Führenden an der ersten Zwischenzeit, 30 Sekunden Vorsprung beim zweiten Timing und neue Bestzeit im Ziel. Primož veränderte mit seiner Fahrt alles, was bis dahin galt.
Auch Florian Lipowitz vertraute seinem gewohnten TT-Setup. Und auch er lieferte: nur zwei Sekunden Rückstand auf Primož bei der ersten Messung, neun Sekunden bei der zweiten – und 36 Sekunden im Ziel.
Am Ende lag nur das Spitzenduo vor den beiden. Primož Roglič fährt auf Rang drei, Florian Lipowitz wird Vierter. Ein Ergebnis, das Eindruck hinterlässt. Ein Ergebnis, das Zeit im Klassement gutmacht. Ein Ergebnis, das die Stärke des Teams unterstreicht.
Das Podium rückt näher
Sechs Sekunden fehlen Florian Lipowitz nach dem Zeitfahren aufs Podium der Tour de France. Und auch Primož Roglič liegt keine 90 Sekunden hinter Platz drei. Nach 13 Etappen und fast 46 Stunden Rennzeit sind das Wimpernschläge.
Mit zwei Fahrern im Klassement haben wir mehr Optionen für die nächsten Etappen – das ist eine gute Ausgangslage.
Florian Lipowitz
Red Bull – BORA – hansgrohe ist damit voll im Plan – und zwar mit gleich zwei Fahrern in aussichtsreicher Position. Eine strategische Option, die sich das Team mit kluger Aufstellung und kontrollierter Fahrweise in der ersten Tour-Hälfte erarbeitet hat.
Doch so motivierend die Ausgangslage ist: sie bleibt eine Momentaufnahme. Die restlichen Tour-Tage haben es in sich – die Hälfte aller Höhenmeter liegt noch vor den Fahrern. Acht schwere Etappen bis Paris. Das Team bleibt fokussiert und geduldig.
Pyrenäen-Spektakel am Samstag
Morgen folgt ein echtes Tour-Highlight: Start in Pau, zum 76. Mal Etappenort der Rundfahrt, Ziel in Superbagnères. Dazwischen: Tourmalet, Col d’Aspin, Col de Peyresourde – über 5.000 Höhenmeter. Nur eine Etappe der Tour de France 2025 ist noch anspruchsvoller. Es wird ein Klettertag, der alles verändern kann.