Archiv für den Tag: 17. Mai 2026

109. Giro d’Italia – 9. Etappe: Cervia – Corno alle Scale – 184 Km

Vingegaard, Gall zementieren Überlegenheit

Die zweite Bergankunft beim Giro d’Italia 2026 hatte ganz vorne den gleichen Ausgang wie 2 Tage zuvor: Jonas Vingegaard (Visma) gewann nun auch die 9. Etappe in Corno alle Scale. Der Däne hatte im Ziel 12 Sekunden Vorsprung vor Felix Gall (Decathlon). Dahinter geriet der Vorsprung größer. Die Vorzeichen waren insofern diesmal umgekehrt, dass Gall die Gruppe der Klassementfahrer mit einer Attacke sprengte. Vingegaard ging mit und schüttelte den Österreicher trocken kurz hinter der Kilometermarke ab.

Zuvor hatte Galls Team den Tag über viel gearbeitet – und damit die Einholung der Spitzengruppe des Tages und zuletzt Giulio Ciccone (Lidl) überhaupt erst ermöglicht. So konnte Vingegaards Helfer Piganzoli Kräfte sparen und sogar 34 Sekunden hinterm Kapitän den 3. Platz vorm zeitgleichen Arensman (Netcompany) belegen. Bei Afonso Eulalio (Bahrain) verlieh das Rosa Trikot die viel zitierten Flügel, so dass er gegen stärker eingeschätzte Konkurrenz auf den 5. Platz fuhr.
Schlappe für Pellizzari und Hindley

Herbe die Flügel gestutzt wurde hingegen dem Duo aus Jay Hindley und Giulio Pellizzari (beide Red Bull), die bisher die nächstbesten Fahrer hinter Vingegaard und Gall zu sein schienen. Pellizzari musste schon vor Galls Attacke abreißen lassen und verlor anderthalb Minuten. Hindley begrenzte den Schaden als Tagesneunter auf 50 Sekunden. Vor ihm landeten außer den genannten Fahrern noch Derek Gee-West (Lidl), Matys Rondel (Tudor) und Sepp Kuss (Visma).

Ergebnis
1. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike 4:20:21
2. Felix Gall (AUT) – Decathlon-CMA CGM +0:12

3. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +0:34
4. Thymen Arensman (NED) – Netcompany-Ineos gl.Zeit
5. Afonso Eulalio (POR) – Bahrain Victorious +0:41

6. Derek Gee-West (CAN) – Lidl-Trek +0:45
7. Mathys Rondel (FRA) – Tudor gl.Zeit
8. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike gl.Zeit
9. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +0:50
10. Michael Storer (AUS) – Tudor gl.Zeit
11. Giulio Ciccone (ITA) – Lidl-Trek +0:57
12. Christian Scaroni (ITA) – XDS-Astana
13. Lennert van Eetvelt (BEL) – Lotto-Intermarché
14. Damiano Caruso (ITA) – Bahrain Victorious
15. David de la Cruz (ESP) – Pinarello-Q36.5
16. Markel Beloki (ESP) – EF Education-Easypost alle
17. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos
18. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula gleiche
19. Jan Hirt (CZE) – NSN
20. Harold Lopez (ECU) – XDS-Astana Zeit
21. Wout Poels (NED) – Unibet-Rose +1:28
22. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora gl.Zeit

– 167 Fahrer klassiert.

Eulalio hält sich beeindruckend im Rosa Trikot

Vor dem zweiten Ruhetag und dem nachfolgenden einzigen Zeitfahren reduzierte sich Eulalios Führung in der Gesamtwertung vor Vingegaard auf 2:24 Minuten. Gall blieb auf dem 3. Platz mit nun 2:59 Minuten hinterm Rosa Trikot. Dahinter vergrößerte sich die Lücke zu Hindley, der inzwischen mehr als anderthalb Minuten Rückstand auf Gall aufbaute.

Gesamtwertung
1. Afonso Eulalio (POR) – Bahrain Victorious 38:49:44

2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +2:24
3. Felix Gall (AUT) – Decathlon-CMA CGM +2:59
4. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +4:32
5. Christian Scaroni (ITA) – XDS-Astana +4:43
6. Thymen Arensman (NED) – Netcompany-Ineos +5:00
7. Mathys Rondel (FRA) – Tudor +5:01

8. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +5:03
9. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora +5:15
10. Michael Storer (AUS) – Tudor +5:20
11. Markel Beloki (ESP) – EF Education-Easypost +6:02
12. Jan Hirt (CZE) – NSN +6:11
13. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +6:11
14. Derek Gee-West (CAN) – Lidl-Trek +6:15
15. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +6:49
16. Damiano Caruso (ITA) – Bahrain Victorious +7:03
17. Lennert van Eetvelt (BEL) – Lotto-Intermarché +7:37
18. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +8:24
19. Igor Arrieta (ESP) – UAE-XRG +8:27
20. Chris Harper (AUS) – Pinarello-Q36.5 +8:29
21. David de la Cruz (ESP) – Pinarello-Q36.5 +8:42

Die Findungsphase für die Spitzengruppe des Tages dauerte etwas länger, bis alle begriffen hatten, dass Ciccone (Lidl) um jeden Preis dabei sein wollte. Entsprechend ließ er erst sein Team nachfahren und füllte dann aus eigener Kraft die Lücke zu den zuvor ausgerissenen Geens (Alpecin), Marcellusi (Bardiani), Aerts (Lotto), Milesi, Rubio (beide Movistar), Naberman (Picnic), Bais (Polti), Løland (Uno-X), Ballerini und Ulissi (beide XDS).

Galls Team hielt die Ausreißer an der sehr kurzen Leine. So nahmen Ciccone & Co. nur einen bescheidenen Vorsprung von rund 2 Minuten mit ins Finale. 25 Kilometer vorm Ziel schälten sich Ciccone, Aerts, Milesi, Rubio, Ulissi und anfänglich auch Bais nach vorne heraus. Nach mehreren Attacken hatte Ciccone 7,5 Kilometer vorm Ziel auch seinen letzten Begleiter Einer Rubio endgültig abgehängt. Das Verfolgerfeld um die besten Klassementfahrer knabberte zunächst kaum Sekunden von Ciccones Vorsprung ab.

Das Blatt wendete sich jedoch zu Ungunsten von Ciccone, als Pellizzari erst am Ende der Favoritengruppe wackelte und dann innerhalb der letzten 4 Kilometer abreißen ließ. Galls Helfer drückten nun so richtig drauf, teilweise auch unterstützt vom Team Vingegaard. Als rund 2,5 Kilometer vorm Ziel Galls letzter Helfer Mühlberger verschlissen war, zündete Gall die Attacke, der einzige Vingegaard folgen konnte. Beide überholten Ciccone 1,7 Kilometer vorm Ziel. Deren erster Verfolger Thymen Arensman wurde kurz vor Schluss noch von Davide Piganzoli überholt.

109. Giro d’Italia – 8. Etappe: Chieti – Fermo – 156 Km

Narvaez jetzt auch solo erfolgreich

Jhonatan Narvaez (UAE) holte sich auf der 8. Etappe bereits seinen zweiten Tageserfolg im Rahmen des Giro d’Italia 2026. In den Marken distanzierte der Ecuadorianer im Hinterland der Adria 11 Kilometer vorm Ziel seine beiden Mitausreißer, Teamkollege Bjerg und Andreas Leknessund (Uno-X). Im Zielort Fermo gewann Narvaez 32 Sekunden vor Leknessund. Mikkel Bjerg wurde noch von einer großem Verfolgergruppe gestellt. Der 3. Platz ging so an Leknessunds Teamkollege Tjøtta. Hätte man das teamintern nur vorher gewusst, dann wäre Leknessund nicht mit den 2 gegnerischen Teamkollegen Narvaez und Bjerg mitgefahren. Konnte man aber nicht ernsthaft wissen.

Knapp 2 Minuten hinter Narvaez sprinteten aus dem stark geschrumpften Feld der besten Klassementfahrer Jai Hindley (Red Bull) und Jonas Vingegaard (Visma) minimal davon. Die beiden holten 2 Sekunden auf Bernal (Netcompany) und den Gesamtführenden Eulalio (Bahrain) heraus. Eine weitere Lücke hinter diesen beiden wurde nicht gewertet, so dass auch Gall (Decathlon) und Pellizzari (Red Bull) diese – wahrscheinlich unbedeutenden – 2 Sekunden einbüßten.

Ergebnis
1. Jhonatan Narvaez (ECU) – UAE-XRG 3:27:26

2. Andreas Leknessund (NOR) – Uno-X +0:32
3. Martin Tjøtta (NOR) – Uno-X +0:42
4. Guillermo Silva (URU) – XDS-Astana +0:44
5. Lorenzo Milesi (ITA) – Movistar gl.Zeit
6. Christian Scaroni (ITA) – XDS-Astana +0:48
7. Corbin Strong (NZL) – NSN +0:55
8. Juan Pedro Lopez (ESP) – Movistar gl.Zeit
9. Wout Poels (NED) – Unibet-Rose +0:58
10. Markel Beloki (ESP) – EF Education-Easypost +1:00

12. Jan Christen (SUI) – UAE-XRG +1:02
16. Mikkel Bjerg (DEN) – UAE-XRG +1:12
23. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +1:51
24. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike gl.Zeit
25. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +1:53
26. Afonso Eulalio (POR) – Bahrain Victorious alle
30. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora gleiche
33. Felix Gall (AUT) – Decathlon-CMA CGM Zeit

68. Giulio Ciccone (ITA) – Lidl-Trek +6:38
– 167 Fahrer klassiert.
DNF Jake Stewart (GBR) – NSN
DNF Fabio Christen (SUI) – Pinarello-Q36.5

Eulalios Vorsprung in der Gesamtwertung schrumpfte damit marginal auf 3:15 Minuten vor Vingegaard. Gall blieb mit 3:34 Minuten Rückstand auf dem 3. Platz. Als Momentaufnahme rückte der Tagessechste Christian Scaroni (XDS) vor auf den 4. Platz knapp vor Hindley und Pellizzari. Der bisherige Gesamtachte Ciccone (Lidl) verlor 6 Minuten und verabschiedete sich damit gewollt aus den vorderen Regionen der Gesamtwertung, um in Fluchtgruppen zu dürfen.

Gesamtwertung
1. Afonso Eulalio (POR) – Bahrain Victorious 34:28:42

2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +3:15
3. Felix Gall (AUT) – Decathlon-CMA CGM +3:34
4. Christian Scaroni (ITA) – XDS-Astana +4:18
5. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +4:23
6. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora +4:28

7. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +4:32
8. Mathys Rondel (FRA) – Tudor +4:56
9. Thymen Arensman (NED) – Netcompany-Ineos +5:07

10. Michael Storer (AUS) – Tudor +5:11
11. Markel Beloki (ESP) – EF Education-Easypost +5:31
12. Jan Hirt (CZE) – NSN +5:40
13. Igor Arrieta (ESP) – UAE-XRG +5:54
14. Derek Gee-West (CAN) – Lidl-Trek +6:10
15. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +6:18
16. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +6:22
17. Damiano Caruso (ITA) – Bahrain Victorious +6:32
18. Chris Harper (AUS) – Pinarello-Q36.5 +6:41
19. Jan Christen (SUI) – UAE-XRG +6:59
20. Lennert van Eetvelt (BEL) – Lotto-Intermarché +7:12

Mit den flachen ersten 2 Etappendritteln und dem hüglig-steilen Schlussdrittel war die 8. Etappe prädestiniert für Ausreißern. Das dachten sich offensichtlich viele Teams und Fahrer auch, so dass es 80 Kilometer dauerte, bis 76 Kilometer vorm Ziel das entscheidende Trio entstand, als Bjerg attackiert hatte und sein Teamkollege Narvaez und Leknessund hinzukamen.

Zuvor scheiterten reihenweise Fluchtversuche, ein Großteil davon in Verfolgung eines Duos aus Ganna (Netcompany) und Bettiol (XDS). Die beiden bekamen über fast 50 Kilometer hinweg nur maximal eine halbe Minute Vorsprung zugesatanden und wurde 103 Kilometer vorm Ziel wieder gestellt.

Mehrere erfolglose Attacken später schaffte es dann erstaunlicherweise ein ungleich besetztes Trio. In der Folgezeit teilte sich noch das Hauptfeld mit Hindley und Eulalio im vorderen Teil und Vingegaard im hinteren, was recht schnell behoben war. 63 Kilometer vorm Ziel löste sich eine mehr als 30-köpfige Verfolgergruppe um Tjøtta und Scaroni.

Diese Gruppe konnte zwar dem Hauptfeld zwischenzeitlich 2 Minuten davonfahren, kam aber nur maximal knapp eine Minute an das Spitzentrio heran. Das Trio vergrößerte sogar seinen Vorsprung auf 2 Minuten gegenüber der großen Verfolgergruppe und fast 4 vorm Hauptfeld, als Narvaez am vorletzten Anstieg attackierte. Seinen Teamkollegen Bjerg stellte es sofort auf. Leknessund kam nach einem Kilometer noch einmal heran, ehe sich Narvaez prompt wieder und endgültig löste.