Archiv für den Tag: 28. Mai 2026

Dieter Durst wurde am 24. Mai 80 Jahre alt

Man staunt immer wieder wie schnell die Zeit vergeht, doch es stimmt: „Schrittmacher-Legende“ Dieter Durst, feierte am 24. Mai seinen 80. Geburtstag!

Der gebürtige Nürnberger, der seit 41 Jahren in seiner Wahlheimat Kastl lebt, begann 1961 als erfolgreicher Jugendfahrer mit dem Radsport. 1967 wechselte er als Schrittmacher zum Stehersport. Dann begann seine einmalige erfolgreiche Karriere bei der er von 1974 bis 2011 neun Weltmeisterschaften, acht Europa-Meistershaften und fünfundzwanzig Deutsche Meisterschaften erkämpfte!

Für den Sohn des unvergessenen Radsportjournalisten und legendären Sprechers Sigmund Durst lag der Radsport bereits in der Wiege. „ Schon als Kind war ich bei vielen Rennen dabei, bei denen mein Vater im Einsatz war“, erzählt Dieter Durst. Dass auch er mal Rennen fahren wird war für ihn schon sehr früh klar, doch damals musste man mindestens 14 Jahre alt sein, um in der B-Jugend starten zu dürfen. Und mit 14 Jahren stieg Dieter Durst im Trikot des „Ring Nürnberger Rennfahrer“ dann auch begeistert in den Sattel. Bald zählte er zur fränkischen und später in der A-Jugend (16-18 Jahre) zur bayerischen Spitzenklasse auf Bahn und Straße.

„Bereits als junger Fahrer habe ich viele Erfahrungen gesammelt, die mir später zugutekamen“, sagt Dieter Durst, der nach sechs Jahren allerdings vom schmalen Rennsattel auf Schrittmacher-Maschinen umstieg, denn am Reichelsdorfer Keller begann 1967 ein neues Kapitel des fränkischen Radsports: Die traditionsreiche Piste war mit finanzieller Hilfe des BLSV renoviert worden und man begann nun damit eigene Schrittmacher und junge Fahrer für den Amateur-Steher-Sport auszubilden. Bald sprach man damals lobend von der „Nürnberger Steher-Schule“, die unter der Leitung von Altmeister Fritz Scheller interessierte Radsportler als Steher und Schrittmacher ausbildete.

Dieter Durst ließ sich da nicht lange bitten.“Ich wollte das Fahren auf einer Schrittmacher-Maschine so früh wie möglich mal ausprobieren“, erinnert er sich schmunzelnd, denn aus dem „ Ausprobieren“ wurde sehr schnell seine große jahrzehnte lange Leidenschaft. Als sehr ehrgeiziger und auch eigenwilliger Nachwuchs-Schrittmacher musste allerdings auch er in den ersten Jahren das berühmte „Lehrgeld“ zahlen, doch er fuhr von Beginn an sehr clever und „rotzfrech“, wie man in der Szene seine couragierte Fahrweise kommentierte. „ Ich habe mich nie einschüchtern lassen und viel von den alten Hasen abgeschaut.“, erzählt Dieter Durst von seinen ersten Schrittmacher-Jahren.

„Die extrem schnellen Rennen der Steher, die bei ihren heißen Positionskämpfen 80 Stundenkilometern und mehr erreichten, haben mich immer mehr begeistert und meine Erfahrung wurde immer größer“, sagt Dieter Durst rückblickend. Alle Steher-Asse, die in seinem Windschatten zu großen Siegen spurteten wussten das zu schätzen und schwärmten von seiner Cleverness und seiner perfekten Fahrweise. „ Es machte mir immer mehr großen Spaß, mit Vollgas über die Pisten zu brausen“, erzählt Dieter Durst, der auf allen Sommer- und Winterbahnen Europas erfolgreich war. Bei den Sechstagerennen fuhr er neben Steherrennen auch die rasanten Rennen auf den kleineren und leichten Derny-Machinen, die auf kurzen und steilen Pisten der Winterbahnen die vielen Zuschauer begeisterten.

„Hinter Dieter lief es einfach perfekt und das Können des Schrittmachers ist für den Erfolg ebenso entscheidend wie die Leistung des Stehers hinter ihm“, schwärmte einst der Kölner Jean Breuer mit dem Dieter Durst 1974 in Montreal den ersten seiner neun WM-Titel erkämpfte. Ab diesem WM-Sieg zählte Durst endgültig zum Kreis der weltbesten Schrittmacher. Entsprechend gefragt war er bei den Stehern, sein Rennkalender wurde Jahr für Jahr immer umfangreicher.

Doch der fast pausenlose Einsatz als Schrittmacher forderte auch seinen Tribut. “Der Druck in den Kurven war bei großem Tempo immer sehr hoch. Dazu kamen immer heftige Erschütterungen, die mir bei holprigen Betonpisten gewaltig auf die Knochen gingen“, erzählt Dieter Durst der seine schnellen Runden deshalb immer lieber auf den glatten Holzpisten drehte. „ Da ging es dann allerdings noch riskanter zur Sache und häufig wurde es auch gefährlich eng. Extrem wichtig war es deshalb dass man auch im heißen Rundenwirbel die Nerven und den Überblick behält“, fasst Dieter Durst das Geheimnis seines langjährigen großen Erfolges zusammen.


Diter Durst mit Roland Renn 1986

Sein Fazit, nachdem er 2011 aus gesundheitlichen Gründen sein letztes Rennen fuhr, klingt wehmütig: „Es ist sehr schade, dass der schöne Stehersport heute nicht mehr so populär wie einst ist, denn er ist noch immer die schnellste und spektakulärste Sparte des Radsports“.

Frankens Radsportler gratulieren Dieter Durst herzlich zu seinem runden Geburtstag und alle wünschen ihn, dass es gesundheitlich bald wieder aufwärts geht!
Text und Foto: Manfred M a r r

109. Giro d’Italia – 18. Etappe: Fai della Paganella – Pieve di Soligo – 171 Km

Paul Magnier schnappt sich 3. Sieg und Trikot

Paul Magnier (Soudal) gewann in Pieve di Soligo die 18. Etappe des Giro d’Italia 2026 im Sprint eines stark reduzierten ersten Feldes. Innerhalb der letzten 10 Kilometer hatten sich an der Muro di Ca‘ del Poggio 16 Fahrer, darunter die besten Klassementfahrer, etwas abgesetzt. Die meisten Sprinter ekelten sich aber im ersten Verfolgerfeld drüber und dockten wieder rechtzeitig an. Magnier holte seinen 3. Tagessieg bei diesem Giro und eroberte das Maglia Ciclamino zurück. In Pieve die Soligo wurde der 22-jährige Franzose erneut optimal von seinem Teamkollegen Stuyven lanciert. Im kurvigen Finale konnten Zanoncello (Bahrain) und Milan (Lidl) nur noch die Positionen hinter Magnier halten.

Ergebnis
1. Paul Magnier (FRA) – Soudal-Quick Step 3:46:50

2. Edoardo Zambanini (ITA) – Bahrain Victorious
3. Jonathan Milan (ITA) – Lidl-Trek
4. Francesco Busatto (ITA) – Alpecin-Premier Tech alle
5. Corbin Strong (NZL) – NSN
6. Guillermo Silva (URU) – XDS-Astana
7. Madis Mihkels (EST) – EF Education-Easypost gleiche
8. Filippo Magli (ITA) – Bardiani-CSF
9. Sakarias Løland (NOR) – Uno-X
10. Lukas Kubis (SVK) – Unibet-Rose Zeit
– 156 Fahrer klassiert.

Vor den beiden entscheidenden Alpen-Etappen behielt Jonas Vingegaard (Visma) das Rosa Trikot und seinen komfortablen 4-Minuten-Vorsprung. Auf den ersten 18 Plätzen blieben alle Abstände identisch. Deutlich enger geht es demnach weiterhin zwischen den Plätzen 2 bis 4 mit Gall (Decathlon), Arensman (Netcomany) und Hindley (Red Bull) zu.

Gesamtwertung
1. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike 70:44:04
2. Felix Gall (AUT) – Decathlon-CMA CGM +4:03
3. Thymen Arensman (NED) – Netcompany-Ineos +4:27
4. Jai Hindley (AUS) – Red Bull-Bora +5:00

5. Afonso Eulalio (POR) – Bahrain Victorious +5:40
6. Derek Gee-West (CAN) – Lidl-Trek +7:09
7. Michael Storer (AUS) – Tudor +7:14
8. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike +7:57
9. Damiano Caruso (ITA) – Bahrain Victorious +8:34
10. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +9:20
11. Egan Bernal (COL) – Netcompany-Ineos +9:44
12. Mathys Rondel (FRA) – Tudor +10:03

13. David de la Cruz (ESP) – Pinarello-Q36.5 +10:50
14. Chris Harper (AUS) – Pinarello-Q36.5 +11:19
15. Gregor Mühlberger (AUT) – Decathlon-CMA CGM +16:54
16. Jan Hirt (CZE) – NSN +17:46
17. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +18:07
18. Johannes Kulset (NOR) – Uno-X +19:23
19. Igor Arrieta (ESP) – UAE-XRG +31:26
20. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora +35:59
21. Alexander Wlasow (RUS) – Red Bull-Bora +39:51
22. Wout Poels (NED) – Unibet-Rose +43:12

In der Anfangsphase der 18. Etappe waren die Interessen so gelagert, dass nur eine ungefährliche 4-köpfige Spitzengruppe wegkam – Geens (Alpecin), Shaw (EF), Bais und Mifsud (beide Polti) –, und das auch nicht weit. Erstaunlicherweise legten sich in der Nachführarbeit Teams ins Zeug, die mit völlig unterschiedlichen Ausgängen der Etappe kalkulierten. Bei Jhonatan Narvaez (UAE) hoffte man anscheinend, dass die Sprinter inklusive Magnier am späten, steilen Berg abgehängt würden, um die Führung in der Punktewertung vor Magnier auszubauen. Bei Jonathan Milan (Lidl) peilte man hingegen das Gegenteil an, eine Entscheidung im Massensprint.

In Magniers Team wollte man sich anscheinend nicht festlegen. Es gab immerhin sehr viele Punkte gegen Narvaez zu gewinnen oder zu verlieren. Und man konnte sich ja auch bis ins Finale hinein zurücklehnen. Beim Zwischensprint auf ansteigendem Terrain gab es noch einen Punkt hinter dem Spitzenquartett, den sich Narvaez ohne Gegenwehr holte.

20 Kilometer vorm Ziel waren alle Ausreißer gestellt außer Geens, und der fast auch. Er hielt sich aber noch 9 weitere Kilomter vorne bis kurz vor die Muro di Ca‘ del Poggio, aber auch bis hinter dem Bonussprint. Naesen schnappte im Dienste von Gall den anderen Klassementfahrern die 4 Sekunden für Platz 2 weg – und Swift seinem eigenen Kapitän vor der Nase aus Versehen 2 Sekunden für Platz 3.

In die Muro di Ca‘ del Poggio attackierte ausgerechnet Eulalio (Bahrain) hinein, der 50 Kilomter vorm Ziel beim erfolglosen Griff nach einem Verpflegugnsbeutel gestürzt war. Vingegaard ließ seine Helfer hinter dem Gesamtfünften nachfahren. Das diente allerdings wohl weniger der Verteidigung des Rosa Trikots, sondern eher dem Zweck, Davide Piganzoli die Chance aufs weiße Trikot des besten Jungprofis von Eulalio angesichts nur gut 2 Minuten Abstand offen zu halten.

Vingegaard höchstpersönlich beschleunigte an Eulalio vorbei und passierte zuerst die Kuppe. Hinter dem Gipfel hatten 16 Fahrer eine Lücke. Aus den Top-Ten der Gesamtwertung ware die Top-6 vertreten, die Plätze 7 bis 10 jedoch nicht. Pinarello (NSN) spannte sich für Strong ein, dem mutmaßlich endschnellsten Mann aus der 16-köpfigen Gruppe.

Hindley attackierte 6,5 Kilometer vorm Ziel an einem kleinen Gegenhang, verschleppte dadurch unterm Strich aber eher das Tempo. So ging 500 Meter später Kulset (Uno-X) mit Eulalio. 4 Kilometer vorm Ziel hatte das Verfolgerfeld mit den Sprintern zu den ersten 14 Verfolgern aufgeschlossen. Sofort spannten sich Gee-West und Sobrero, die zuvor vorne waren, für Milan ein.

Eine Phalanx mit Anfahrern hatte dann aber nur noch Magnier, als Kulset und Eulalio kurz vorm Kilometerbogen gestellt waren. Nachdem den Sprintern bisher 4 von 6 möglichen Chancen aus verschiedenen Gründen durch die Lappen gingen, war es auf der 18. Etappe nun also wieder soweit. Und es gewann in Venetien derselbe Fahrer wie auf der 1. und 3. Etappe in Bulgarien.

Christoph Strasser setzte neue Maßstäbe – Krimi in Sachsen

Gestern Abend finishte Christoph Strasser seine Premiere bei Rund um Sachsen. Beim 900 Kilometer langen Rennen sorgte der Steirer, der in der unsupported-Wertung fuhr, für eine große Überraschung: In der Gesamtwertung belegte er hinter Sebastian Mayr den zweiten Platz. Damit war Strasser bis auf den Deutschen schneller als alle anderen Starter, die mit Betreuerteam an den Start gingen. Hinter dem Kraubather kam auch der Oberösterreicher Lukas Kaufmann, der mit rund zehn Betreuern unterwegs war, ins Ziel.

Bei Rund um Sachsen, das über 900 Kilometer mit 8.500 Höhenmetern führte, gab es zwei Wertungen: eine unsupported und eine mit Betreuerteam. In der Kategorie mit Betreuerteam zählte das Rennen, das am Samstag gestartet wurde, als Ultracycling Europameisterschaft. In der Gesamtwertung, wo üblicherweise unsupported-Fahrer, die komplett auf sich alleine gestellt sind, gegen die Teilnehmer mit Betreuercrew keine Chance haben, entwickelte sich ein wahrer Krimi. Der Deutsche Ultra-Spezialist Sebastian Mayr, 24h-Weltmeister und Sieger des Race Around Austria, lag am Ende mit einer Fahrzeit von 30:42 Stunden nur 13 Minuten vor Strasser! Und dieser wiederum hängte als Gesamtzweiter den Vize-Europameister Lukas Kaufmann um 19 Minuten ab! „Das taugt mir schon richtig. Bis auf Mayr die schnellste Zeit des Tages zu haben ist unglaublich. Mein Rad ist viel schwerer, ich habe Gepäck mit und musste in der Nacht vorsichtiger fahren“, so die ersten Emotionen vom sechsfachen RAAM-Sieger. Übrigens, mit einer Zeit von 30:55 Stunden stellte der Steirer auch einen neuen unsupported-Streckenrekord auf.

Fast perfektes Rennen
Die Strecke, die Christoph stark ans Mühlviertel oder die südsteirische Weinstraße erinnerte, beinhaltete vier Checkpoints, wo auch Ausrüstung und Verpflegung hinterlegt werden konnte. „Von daher war es ein „entschärfteres“ als die normalen unsupported-Rennen. Ich fuhr mit einem Zeitfahrrad mit einer Scheibe hinten drin. Dabei hatte ich zwei Taschen mit dem Notwendigsten drin. Bei den Checkpoints hinterlegte ich Proviant, meist meine Flüssignahrung und Getränke, sowie Bekleidung. Ich bin richtig schnell gefahren und habe nie überzogen. Bis zur Hälfte des Rennens habe ich fast nur meine Ernährung genommen, doch dann wurde mir das monoton und besorgte in Tankstellen vor allem Limonaden“, beschreibt Strasser. Von technischen Defekten blieb er Großteils verschont: „Zu Beginn verbrauchte ich zu viel Strom, deshalb musste ich in der Nacht Strom sparen und konnte bei den schnellen und steilen Abfahrten nicht mit dem Aufblendlicht fahren. Wichtig war sicher durch die Nacht zu kommen. Ein weiteres Problem war der Flaschenhalter, der sich löste. Aber ich konnte ihn bei einem Checkpoint mit Kabelbindern zusätzlich fixieren.“

Nach dem zweiten Sieg im zweiten Rennen nach dem Unknown Race im April über 1.000 Kilometer kann er den Saisonhöhepunkt kaum erwarten, denn am 19. Juli beginnt das Transcontinental Race: Die 12. Auflage des größten unsupported-Rennens, das Christoph bereits zwei Mal gewann, startet heuer im norwegischen Trondheim. Nach rund 4.500 Kilometern quer durch Europa endet es im griechischen Kalamata.

Homepage: www.christophstrasser.at
Honorarfreie Fotos: www.christophstrasser.at/pressefotos_pressearchiv/pressefotos
Facebook: www.facebook.com/christophstrasser.at

———————————
Pressekontakt:
MR PR – Martin Roseneder
eMail: martin@mr-pr.at
Homepage: www.mr-pr.at