Wærenskjold triumphiert nach Monstersprint
Søren Wærenskjold (Uno-X) gewann in Nevers die 11. Etappe der Tour de France 2026 in einem ungewöhnlichen Massensprint. Der 26-jährige Norweger wagte einen sehr frühen Antritt schon über 300 Meter vorm Ziel, riss damit gleich eine Lücke und profitierte – nebst eigener Stärke – davon, dass dahinter kein Anfahrer mehr für die Sprintgegner da war. So kamen Olav Kooij (Decathlon) und Jasper Philipsen (Alpecin) nur noch auf eine dreiviertel Radlänge heran, gefolgt von Fretin (Lotto) und Artz (Lotto). Philipsen wurde anschließend von den Kommissären vom 3. auf den 119. Platz relegiert, ehe eine Rolle rückwärts erfolgte.
Ergebnis
1. Søren Wærenskjold (NOR) – Uno-X 3:10:06
2. Olav Kooij (NED) – Decathlon-CMA CGM
3. Jasper Philipsen (BEL) – Alpecin-Deceuninck
4. Milan Fretin (BEL) – Cofidis
5. Huub Artz (NED) – Lotto-Intermarché
6. Biniam Girmay (ERI) – NSN alle
7. Anthony Turgis (FRA) – Totalenergies
8. Clément Russo (FRA) – Groupama-FDJ
9. Fernando Gaviria (COL) – Caja Rural-Seguros RGA
10. Pascal Ackermann (GER) – Jayco-Alula
11. Mads Pedersen (DEN) – Lidl-Trek
12. Rick Pluimers (NED) – Tudor gleiche
13. Jenno Berckmoes (BEL) – Lotto-Intermarché
14. Stefano Oldani (ITA) – Caja Rural-Seguros RGA
15. Tim Merlier (BEL) – Soudal-Quick Step
…
18. Max Kanter (GER) – XDS-Astana Zeit
– 174 Fahrer klassiert.
DNS Chris Harper (AUS) – Jayco-Alula
An einem unbedeutenden Tag für die Gesamtwertung behielt Tadej Pogacar (UAE) das Gelbe Trikot 3:36 Minuten vor Vingegaard (Visma), der wiederum deutlich knapper vor mehreren weiteren Fahrern verblieb.
Gesamtwertung
1. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 39:25:08
2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +3:36
3. Remco Evenepoel (BEL) – Red Bull-Bora +4:06
4. Juan Ayuso (ESP) – Lidl-Trek +4:22
5. Paul Seixas (FRA) – Decathlon-CMA CGM +4:35
6. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +4:44
7. Isaac del Toro (MEX) – UAE-XRG +5:08
8. Mattias Skjelmose (DEN) – Lidl-Trek +5:45
9. Lenny Martinez (FRA) – Bahrain Victorious +6:34
10. Tom Pidcock (GBR) – Q36.5 Pinarello +11:49
Entgegen der ersten 10 Hitze-Etappe begann die 11. Etappe bei leichtem, erfrischendem Regen, der allerdings schnell wieder aufhörte. Trotz des flachen Streckenprofils hatten etliche Fahrer Lunte gerochen, mit einer Flucht erfolgreich zu sein. Ins Bild passte da, dass auch Fahrer aus Philipsens Team attackierten, obwohl sie auf den bisherigen Flachetappe – allerdings erfolglos – alles auf den Massensprint setzten.
Es waren dann aber Charmig (Uno-X), Oliveira (Movistar), Alaphilippe (Tudor) und Le Berre (Totalenergies), die sich noch vor dem einmal mehr frühen Zwischensprint absetzen konnten. Für den Sieg dort sprang Le Berre kurz ohne Gegenwehr davon. Als Verfolger kam Slock (Lotto) noch auf den 5. Platz, hatte jedoch keine Aussicht das Quartett noch zu erreichen und nahm die Beine hoch.
Um die verbliebenen Punkte sprintete Philipsen auf den 6. Platz vor Kanter (XDS), Pedersen (Lidl) und Girmay (NSN). Im Ziel erreichte Mads Pedersen (Lidl) zwar nur den 11. Platz. Seine Führung in der Wertung ums Grüne Trikot konnte er trotzdem festigen, weil seine bisher nächsten Verfolger auch die Big Points verfehlten.
Grünes Trikot
1. Mads Pedersen (DEN) – Lidl-Trek 317 p.
2. Biniam Girmay (ERI) – NSN 272
3. Jasper Philipsen (BEL) – Alpecin-Deceuninck 255
4. Tim Merlier (BEL) – Soudal-Quick Step 223
5. Max Kanter (GER) – XDS-Astana 203
6. Olav Kooij (NED) – Decathlon-CMA CGM 160
7. Søren Wærenskjold (NOR) – Uno-X 159
8. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 107
9. Anthony Turgis (FRA) – Totalenergies 103
Schnellste Tour-Etappe aller Zeiten
6,5 Kilometer vorm Ziel wurden Charmig, Oliveira und Le Berre vom Hauptfeld gestellt. Alaphilippe war schon deutlich früher aus der Spitze zurückgefallen. Bei Rückenwind entwickelte sich eine atemberaubende Durchschnittsgeschwindigkeit, die ausgerechnet nach Einholung der Spitzengruppe etwas gedrosselt wurde. Trotzdem absolvierte Wærenskjold die 11. Etappe am Ende in über 50,9 km/h und war damit schneller als der bisherige Rekordhalter Cipollini im Jahr 1999 auf der 4. Etappe.
Dass Wærenskjold überhaupt gewinnen konnte, wurde nur durch eine Verkettung von Umständen möglich, die der Omloop-Sieger von 2025 allerdings auch instiktiv prächtig zu seinen Gunsten nutzte. Den Sprintern gingen zu früh die Anfahrer aus. Und die, die noch da waren, hatten ihren Mann vom Hinterrad verloren. So verschleppten die Fahrer auf dem nach rechts gekrümmten Schlusskilometer das Tempo nach links, so dass sich für den eigentlich auf der Innenbahn eingebauten Wærenskjold eine Lücke auftat.
Diese nutzte er geistesgegenwertig, um trotz eines noch sehr weiten Weges ein Loch zu reißen. Als weiterer Glücksfall entpuppte sich, dass Kooijs eigentlich Anfahrer Bol seinerseits eine Lücke zum Hauptfeld hatte, so dass Wærenskjold sich ansaugen und noch einmal Schwung holen konnte. Unorganisiert, außergewöhnlich und faszinierend!
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