Hessmann spricht offen über Dopingsperre: «Es hat meinen Blick auf so viele Dinge verändert»

Freiburg (rad-net)


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Michel Hessmann blickt heute anders auf seine Karriere als noch vor zwei Jahren. Der 24-jährige, inzwischen bei Movistar unter Vertrag, hat in einem ausführlichen Interview mit dem britischen Rouleur Magazine offen über seine 21-monatige Sperre, deren Folgen und seinen veränderten Zugang zum Profiradsport gesprochen.

Der frühere Fahrer von Visma – Lease a Bike war im Juni 2023 bei einer Trainingskontrolle positiv auf das verbotene Diuretikum Chlortalidon getestet worden. Hessmann bestritt damals bewusstes Doping und führte den Befund auf verunreinigte, frei verkäufliche Schmerzmittel zurück – eine Darstellung, der auch die deutschen Anti-Doping-Behörden folgten. Nach einer Berufung der WADA wurde letztlich dennoch eine 21-monatige Sperre verhängt.

Die Zeit abseits des Pelotons habe ihn tiefgreifend verändert, erklärte Hessmann dem Rouleur Magazine bei der Teampräsentation von Movistar in Valencia. «Es war natürlich extrem hart. Ich war wütend, enttäuscht, ängstlich. Aber es hat meine ganze Sicht auf das Leben verändert.» Heute sei er «ein komplett anderer Mensch in einem komplett anderen Umfeld».

Bemerkenswert ist vor allem, wie sehr sich sein Verhältnis zum Radsport gewandelt hat. «Ich betreibe Radsport jetzt als bewusste Entscheidung. Nicht, weil es immer da war und der offensichtliche Weg. Es ist nicht mehr alles», sagte Hessmann dem Rouleur Magazine. Sollte seine Karriere erneut abrupt enden, könne er sich inzwischen auch ein Leben jenseits des Profiradsports vorstellen.

Movistar spielt dabei eine zentrale Rolle. Der spanische Rennstall nahm Hessmann nach Ablauf der Sperre unter Vertrag und ermöglichte ihm im März 2025 die Rückkehr ins Renngeschehen. «Sie wollen vor allem, dass ich Spaß habe», erklärte Hessmann im Rouleur Magazine. Das Team habe ihm Zeit und Raum gegeben, sich ohne Druck neu zu entwickeln.

Sportlich galt Hessmann schon früh als großes Talent. 2022 wurde er Dritter bei der Tour de l’Avenir (UCI 2.NCup), ehe er noch im selben Jahr mit 20 Jahren sein WorldTour-Debüt bei Jumbo – Visma gab. Wenige Monate später unterstützte er Primož Roglič beim Gesamtsieg des Giro d’Italia (UCI 2.UWT). Kurz darauf folgte der positive Dopingtest. Nach seiner Rückkehr bestritt Hessmann 2025 insgesamt 55 Renntage, darunter die komplette Vuelta a España (UCI 2.UWT).

Konkrete Zielsetzungen vermeidet Hessmann bewusst. Er wolle die Erwartungen niedrig halten, das Vertrauen von Movistar zurückzahlen und den Weg zurück an sein früheres Leistungsniveau finden, wenn möglich. «Es geht darum, glücklich zu sein mit dem, was ich geben kann. Sie wissen, dass ich alles versuche. Und irgendwann wird es funktionieren», betonte er gegenüber dem britischen Magazin.
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