Kommentar zum Radsport Samstag von Plomi

Hallo zusammen,

ich halte mich mit persönlichen Kommentaren zum Radsportgeschehen aus Respekt vor den großen Leistungen der Fahrer sehr zurück, heute mache ich jedoch eine Ausnahme.
Bei beiden Etappenrennen standen heute schwere und entscheidende Bergetappen auf dem Programm, die spannenden Radsport versprachen und auch lieferten.
Fazit: Slowenien ist die neue dominierende Radsportnation, das hatte sich ja bereits in 2020 gezeigt.
Der Etappensieger und neue Gesamtführende Tadej Pogacar (Team UAE Emirates) fuhr bei Tirreno Adriatico den Schlußanstieg 2 Minuten schneller als der bisherige Rekordhalter Chris Froome in 2013 hoch.

Bei Paris-Nizza gewann der stärkste Fahrer des Feldes Primosz Roglic (Team Jumbo Visma) seine 3. Etappe bei der diesjährigen Ausgabe und baute seine Gesamtführung auch durch die Bonus Sekunden weiter aus.
Er überholte kurz vor dem Zielstrich Gino Mäder (Bahrain Victorious), der als Ausreißer sehr lange diese Etappe bestimmt hatte und eine sehr gute Leistung zeigte, es wäre beinahe sein erster Sieg in der Worldtour geworden.
Primosz Roglic und der sehr starke Max Schachmann (BORA-hansgrohe) hatten sich kurz vor dem Ziel aus der kleinen Verfolgergruppe aller Favoriten gelöst und belauerten sich gegenseitig, so dass Gino Mäder scheinbar einen ungefährdeten Etappensieg entgegenfuhr.
Aber 200 Meter vor dem Zielstrich zündete Roglic nochmals den Turbo an und distanzierte Schachmann und überholte kurz vor der Ziellinie auch noch Gino Mäder.
Im gelben Trikot ist solch eine Fahrweise zwar natürlich legitim, aber ob Roglic sich durch diese Aktion im Peloton Freunde macht, ist sehr fraglich.
Im Gegenteil, meiner Meinung nach verspielte er damit eine große Chance, sich Bahrain Victorious als Allierten für zukünftige Rennen gegen das UAE Team um Tadej Pogacar an Land zu holen.
Diese unnötige und respektlose Fahrweise erzielte den kurzfristigen Erfolg, aber ob das langfristig geschickt war, wird sich zeigen müssen.
Was wäre dabei gewesen, als Gesamtführender und schon 2-facher Etappensieger dem jungen Gino Mäder seinen verdienten Etappenerfolg zu gönnen und sich mit dem zweiten Etappen Platz zufrieden zu geben?
Viele Fans hätten ihm das hoch angerechnet.
Ich werde nie vergessen, wie in einer ähnlichen Situation Laurent Jalabert 1995 reagierte.
Bei der Vuelta 1995 konnte Bert Dietz die zwölfte Etappe gewinnen. Kurz nach dem Start war der damals 26-Jährige dem Feld davongefahren. Kurz vor dem Ziel holte ihn der in der Gesamtwertung führende Franzose Laurent Jalabert ein, überließ Dietz aber den Tagessieg.

Solche Gesten und ungeschriebenen Gesetze gelten heute in der Ellbogengesellschaft leider wohl nicht mehr.
Gerhard Plomitzer