MTB-Profis sehen 2-Meter Regel als „faktisches Verbot des Mountainbikens“

Mike Kluge
Das „who is who“ der deutschen Mountainbike-Szene ist gegen die 2-Meter-Regel in
Baden-Württemberg. Das geht aus einer gemeinsamen Befragung der Zeitschrift World of
Mountainbike (WOM) und der Deutschen Initiativen Mountainbike (DIMB) hervor. Erstmals
äußern sich dabei auch deutsche Mountainbike Profis zur 2-m Regel, den damit
verbundenen Einschränkungen für sie, die Jugendarbeit und die Realität im Wald.
Der Gesamt Weltcup Sieger von 1990, Mike Kluge, begegnet anderen Naturnutzern
überdurchschnittlich freundlich und hatte so bislang kaum Probleme, auch auf Wegen
unter 2-m Breite. Das Problem sieht er in der Nachwuchsförderung, da Trainer die
Haftungsprobleme auf schmalen Wegen bekommen könnten. Seit dem Beginn seiner
Karriere sieht er ein stetig sinkendes Konfliktniveau, was er auf eine gute Gewöhnung der
Nutzergruppen zurückführt.
Manuel Fumic

Moritz Milatz, der 4-fache Deutsche Meister, sieht die 2-m Regel als faktisches Verbot des
Mountainbikens. Er meidet am Wochenende die Hauptwege und hatte auf Grund eines
freundlichen Miteinanders noch nie Probleme im Wald.
Mit Manuel Fumic wendet sich auch einer der weltweit erfolgreichsten Mountainbiker
gegen die 2-m Regel, da diese die Sportart grundlos „illegalisiert“. „Der Wald sollte jedem
zugänglich sein und niemanden ausgrenzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass in naher
Zukunft, immer mehr Menschen/Gruppen Outdoor-Aktivitäten in der Natur und im Wald
unternehmen werden. Daher ist ein respektvoller und freundlicher Umgang mit Menschen
und vor allem mit der Natur die Grundlage um Problemen zu entgehen.“, so Fumic weiter.
Markus Bauer vom Lexware Racing Team, gerade erst vom ersten WorldCup Rennen in
Pietermaritzburg zurückgekehrt, trainiert überwiegend im Schwarzwald. Er findet es
schade in seinem Training „verbotenes tun zu müssen“. Probleme sieht er vor allem in der
Jugendarbeit: „Im SV Kirchzarten steht man aktuell vor großen Problemen. Durch die
verloren gegangene Abstimmung zur permanenten Trainings-/ Wettkampfstrecke am
Giersberg musste just auch der Technikparcours für die Kids weichen. Dieser geschützte
Raum erlaubte das Fahren und Trainieren im Wald, egal wie breit der Weg ist.“
Tim Böhme, Simon Stiebjahn und Martin Frey vom Team Bulls würde die Regelung –
wenn sie sich daran hielten – massiv einschränken, denn ohne Wege unter zwei Meter
wäre ein wettkampfnahes Training nicht möglich. In der Realität hatten sie noch nie
Probleme, sehen die Regelung aber gerade für Vereine kritisch, die aus Haftungsgründen
das Umgehen des Verbotes oft nicht in Kauf nehmen können.
Auch der ehemalige Rennradprofi Udo Bölts nutzt gerne Wege unter zwei Meter auf
seinen Touren. Seiner Meinung nach, sollte der Wald und seine Wege allen offen stehen.
Die Regelung ist für ihn nicht nachvollziehbar, da nach seiner Erfahrung die Naturnutzer
gut miteinander auskommen. Sönke Wegner, Teamfahrer und Redakteur für das World of MTB Magazin, sieht die
Lösung in einem respektvollen Miteinander im Wald. Sowohl als Nachwuchstrainer wie
auch als Rennfahrer ist ihm ein freundliches Miteinander im Wald wichtig. Die Regelung
führt seiner Erfahrung nach eher zu verhärteten Fronten und Konfliktsituationen in
stadtnahen Gebieten, die nicht sein müssten. Zusammenfassend bringt es Manuel Fumic treffend auf den Punkt: „Der Wald sollte
jedem zugänglich sein und niemanden ausgrenzen.“
Der Hintergrund
1995 wurde in das Landeswaldgesetz die Regelung aufgenommen, dass Radfahrer nur
auf Waldwegen fahren dürfen, die breiter als 2 Meter sind (§ 37). Baden-Württemberg ist
das einzige Bundesland mit einer solch einschränkenden Vorschrift. Im Sommer 2013 hat
sich ein breites Bündnis von Fahrrad-Initiativen zusammengetan, um diese anachronistische
Regelung abzuschaffen. Dem Bündnis gehören die Deutsche Initiative
Mountainbike (DIMB), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie der Badische
und der Württembergische Radsportverband an, die zusammen mehr als 60.000 Mitglieder repräsentieren. Gleichzeitig wurde dazu eine Petition gestartet, um durch eine
große Anzahl von Unterschriften dem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Innerhalb kurzer
Zeit unterzeichneten über 58.000 Menschen die Petition. Vertreter der beteiligten
Verbände übergaben Ende 2013 in Stuttgart die Unterschriften dem Ministerium
übergeben. Nun geht es in die heiße Entscheidungsphase.

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