Rad-WM 1974 in Montreal

Hallo Sportfreunde,

die Straßen-Weltmeisterschaften, die am letzten Wochenende in der Kanadischen Metropole Montreal stattfanden, erinnern mich an die großartige WM 1974, die ich damals in Montreal erlebte.

Nach den Bahndisziplinen, bei denen der BDR drei Goldmedaillen gewann (Hans Lutz/Einerverfolgung, der BDR-Bahnvierer und Jean Breuer bei den Stehern), war die Straßen-WM für mich das ganz große Highlight dieser WM. Von den unzähligen nationalen und internationalen Straßenrennen, die ich in mehr als 50 Jahren erlebte, war die WM der Profis 1974 in Montreal eines der schwersten und schönsten.

Für Eddy Merckx, der damals wenige Wochen vorher seine fünfte Tour de France gewonnen hatte, war diese WM die Krönung seiner einmalig großen Siegesserie. Bei extremer Hitze und sehr hoher unangenehmer Luftfeuchtigkeit war Eddy an diesem Tag einfach nicht zu bremsen. Pausenlos drückte er erbarmungslos aufs Tempo und das Feld der besten internationalen Asse wurde mit jeder Runde immer kleiner. Am 16km-Rundkurs mit mehreren Steigungen , darunter der „Mont Royal“ – nach dem die Stadt einst benannt wurde – jubelten tausende begeisterter Radsportfans Eddy zu, der das Feld mit jeder Runde mehr dezimierte.

Eingangs der letzten Runde konnten nur noch Raymond Poulidor und dessen Landsmann Mariano Martinez Merckx am Hinterrad folgen. Doch auch sie mussten passen, als Eddy in der Schlußrunde brutal antrat und locker einen sicheren Solo-Sieg entgegen stürmte. Von den 156 gestarteten Profis kamen nach rund sieben Stunden und 262,5 Kilometern nur 18 (!) ins Ziel. Alle anderen Fahrer stiegen vorzeitig erschöpft vom Rad. Besonderes Lob hatte sich Jürgen Tschan verdient. Er kam auf Platz 18 als einziger Deutscher ins Ziel! Selten hat man Eddy Merckx nach einem Sieg so überglücklich strahlen sehen. Nach 1964 bei den Amateuren, 1967 und 1971 war es sein vierter und eindrucksvollster WM-Sieg!

Auch die Amateur-WM über 175km war am Vortag eine extreme Hitzeschlacht in der zwei Asse aus Polen dominierten: Janusz Kowalski gewann vor Titelverteidiger Ryszard Szurkowski. Bester Fahrer der BDR-National-Mannschaft war auf Platz fünf der Mannheimer Peter Weibel, Klaus-Peter Thaler wurde Dreizehnter.

Ich habe damals viele Fotos gemacht, leider alle noch in schwarz-weiß, denn in den meisten Zeitungen gab es noch keine Farbfotos. Eine kleine Auswahl meiner Aufnahmen füge ich im Anhang bei – alles schöne Erinnerungen an EDDY MERCKX!

Text und Fotos Manfred Marr