Man staunt immer wieder wie schnell die Zeit vergeht, doch es stimmt: „Schrittmacher-Legende“ Dieter Durst, feierte am 24. Mai seinen 80. Geburtstag!
Der gebürtige Nürnberger, der seit 41 Jahren in seiner Wahlheimat Kastl lebt, begann 1961 als erfolgreicher Jugendfahrer mit dem Radsport. 1967 wechselte er als Schrittmacher zum Stehersport. Dann begann seine einmalige erfolgreiche Karriere bei der er von 1974 bis 2011 neun Weltmeisterschaften, acht Europa-Meistershaften und fünfundzwanzig Deutsche Meisterschaften erkämpfte!
Für den Sohn des unvergessenen Radsportjournalisten und legendären Sprechers Sigmund Durst lag der Radsport bereits in der Wiege. „ Schon als Kind war ich bei vielen Rennen dabei, bei denen mein Vater im Einsatz war“, erzählt Dieter Durst. Dass auch er mal Rennen fahren wird war für ihn schon sehr früh klar, doch damals musste man mindestens 14 Jahre alt sein, um in der B-Jugend starten zu dürfen. Und mit 14 Jahren stieg Dieter Durst im Trikot des „Ring Nürnberger Rennfahrer“ dann auch begeistert in den Sattel. Bald zählte er zur fränkischen und später in der A-Jugend (16-18 Jahre) zur bayerischen Spitzenklasse auf Bahn und Straße.
„Bereits als junger Fahrer habe ich viele Erfahrungen gesammelt, die mir später zugutekamen“, sagt Dieter Durst, der nach sechs Jahren allerdings vom schmalen Rennsattel auf Schrittmacher-Maschinen umstieg, denn am Reichelsdorfer Keller begann 1967 ein neues Kapitel des fränkischen Radsports: Die traditionsreiche Piste war mit finanzieller Hilfe des BLSV renoviert worden und man begann nun damit eigene Schrittmacher und junge Fahrer für den Amateur-Steher-Sport auszubilden. Bald sprach man damals lobend von der „Nürnberger Steher-Schule“, die unter der Leitung von Altmeister Fritz Scheller interessierte Radsportler als Steher und Schrittmacher ausbildete.
Dieter Durst ließ sich da nicht lange bitten.“Ich wollte das Fahren auf einer Schrittmacher-Maschine so früh wie möglich mal ausprobieren“, erinnert er sich schmunzelnd, denn aus dem „ Ausprobieren“ wurde sehr schnell seine große jahrzehnte lange Leidenschaft. Als sehr ehrgeiziger und auch eigenwilliger Nachwuchs-Schrittmacher musste allerdings auch er in den ersten Jahren das berühmte „Lehrgeld“ zahlen, doch er fuhr von Beginn an sehr clever und „rotzfrech“, wie man in der Szene seine couragierte Fahrweise kommentierte. „ Ich habe mich nie einschüchtern lassen und viel von den alten Hasen abgeschaut.“, erzählt Dieter Durst von seinen ersten Schrittmacher-Jahren.
„Die extrem schnellen Rennen der Steher, die bei ihren heißen Positionskämpfen 80 Stundenkilometern und mehr erreichten, haben mich immer mehr begeistert und meine Erfahrung wurde immer größer“, sagt Dieter Durst rückblickend. Alle Steher-Asse, die in seinem Windschatten zu großen Siegen spurteten wussten das zu schätzen und schwärmten von seiner Cleverness und seiner perfekten Fahrweise. „ Es machte mir immer mehr großen Spaß, mit Vollgas über die Pisten zu brausen“, erzählt Dieter Durst, der auf allen Sommer- und Winterbahnen Europas erfolgreich war. Bei den Sechstagerennen fuhr er neben Steherrennen auch die rasanten Rennen auf den kleineren und leichten Derny-Machinen, die auf kurzen und steilen Pisten der Winterbahnen die vielen Zuschauer begeisterten.
„Hinter Dieter lief es einfach perfekt und das Können des Schrittmachers ist für den Erfolg ebenso entscheidend wie die Leistung des Stehers hinter ihm“, schwärmte einst der Kölner Jean Breuer mit dem Dieter Durst 1974 in Montreal den ersten seiner neun WM-Titel erkämpfte. Ab diesem WM-Sieg zählte Durst endgültig zum Kreis der weltbesten Schrittmacher. Entsprechend gefragt war er bei den Stehern, sein Rennkalender wurde Jahr für Jahr immer umfangreicher.
Doch der fast pausenlose Einsatz als Schrittmacher forderte auch seinen Tribut. “Der Druck in den Kurven war bei großem Tempo immer sehr hoch. Dazu kamen immer heftige Erschütterungen, die mir bei holprigen Betonpisten gewaltig auf die Knochen gingen“, erzählt Dieter Durst der seine schnellen Runden deshalb immer lieber auf den glatten Holzpisten drehte. „ Da ging es dann allerdings noch riskanter zur Sache und häufig wurde es auch gefährlich eng. Extrem wichtig war es deshalb dass man auch im heißen Rundenwirbel die Nerven und den Überblick behält“, fasst Dieter Durst das Geheimnis seines langjährigen großen Erfolges zusammen.

Diter Durst mit Roland Renn 1986
Sein Fazit, nachdem er 2011 aus gesundheitlichen Gründen sein letztes Rennen fuhr, klingt wehmütig: „Es ist sehr schade, dass der schöne Stehersport heute nicht mehr so populär wie einst ist, denn er ist noch immer die schnellste und spektakulärste Sparte des Radsports“.
Frankens Radsportler gratulieren Dieter Durst herzlich zu seinem runden Geburtstag und alle wünschen ihn, dass es gesundheitlich bald wieder aufwärts geht!
Text und Foto: Manfred M a r r
