Nur noch wenige der älteren Radsport-Fans erinnern sich an Georg Umbenhauer, der vor 55 Jahren am 15. Dezember 1970 gestorben ist.
Der einst erfolgreiche Rad-Profi – nach dem in Nürnberg sogar eine Straße benannt ist – war neben dem ebenfalls unvergessenen Fritz Scheller bis heute Nürnbergs bester Radsportler. Neben seinen vielen Siegen bei extrem langen und schweren „Straßen-Klassikern“ erkämpfte sich „Umbes“, wie ihn seine vielen Fans liebevoll nannten, 1936 den deutschen Straßenmeister-Titel der Profis. Seinen größten Erfolg feierte Georg Umbenhauer als er 1939 die international besetzte „Groß-Deutschland-Rundfahrt“ gewann, die über 20 Etappen und 5049 Kilometer führte und damals länger als die Tour de France des gleichen Jahres war! Rückblickend sagte er oft: „Der 2. Weltkrieg hat mich um meine besten Rennfahrer-Jahre gebracht“ Als der Radsport 1946 wieder bescheiden begann war Umbenhauer bereits 34 Jahre alt und er fuhr damals nur noch Steher- und Sechstage-Rennen, bis er 1952 mit fast 40 Jahren seine große Karriere beendete, die er 1927 als 15-Jähriger begonnen hatte:
1927 war Georg Umbenhauer das „Wunderkind des Radsports“
Georg Umbenhauer, der als 15-Jähriger beim „RV Union Nürnberg1886“ mit dem Radsport begann, wurde damals von der Sportpresse als „Wunderkind des deutschen Radsports“ bezeichnet. Nachdem er als Jugendfahrer auf Anhieb sämtliche Rennen locker gewann, erhielt er vom Radsport-Verband (BDR) eine Sondergenehmigung mit der er auch an den schweren und langen Rennen der Männer teilnehmen durfte. Als er damit noch im gleichen Jahr das schwere Straßenrennen „Bayreuth-Nürnberg“ und kurz danach auch die berühmte Fernfahrt „Nürnberg-München-Nürnberg“ über mehr als 300 Kilometer souverän gewann war die Sensation perfekt. Man erkannte sofort, dass hier ein neuer ganz großer Radsportstar – der bisher jüngste in Deutschland – im Sattel saß. Auch in den folgenden Jahren folgte eine beachtliche Serie weiterer großer Siege bei sehr gut besetzten den Rennen der Amateure. Bereits mit 19 Jahren – auch das geschah mit einer Ausnahme-Genehmigung , denn man durfte erst mit 21 Profi werden – konnte er vorzeitig ins Lager der Berufsfahrer wechseln. Auch hier setzte Georg Umbenhauer seine außergewöhnliche Siegesserie unaufhaltsam fort. So gewann er als jüngster deutscher Profi auf Anhieb „Rund um Frankfurt, den „Großen-Saarland-Preis“ und den „Großen Sachsen-Preis“!
Legendär sind auch Umbenhauers Teilnahmen an der Tour de France. 1932 war er als 20-Jähriger der bis heute jüngste deutsche Tour-Teilnehmer. Als zuverlässiger starker Helfer war er ganz wesentlich daran beteiligt, dass der Berliner Kurt Stöpel damals Gesamt-Zweiter dieser Tour wurde. Stöpel blieb damit bis zu Jan Ullrich 64 Jahre lang bestplatzierter deutscher Tour-Teilnehmer! 1935 war Georg Umbenhauer der große Pechvogel der Tour de France. Als bestplatzierter Deutscher lag er aussichtsreich auf Rang acht der Gesamtwertung, als er in den Pyrenäen bei einer rasenden Abfahrt schwer stürzte. Mit gebrochenem Schlüsselbein stieg er trotzdem wieder auf seine Rennmaschine, fuhr noch den Tourmalet hoch – und brach dort zusammen. Schwer enttäuscht musste er schließlich aufgeben.
Im folgenden Jahr war Georg Umbenhauer wieder wie gewohnt ganz groß in Form. Sein schönster Sieg war 1936 die Deutsche Straßenmeisterschaft der Profis. Eine gewaltige Radsportbegeisterung brach in der Noris aus, als 1938 der 25-.jährige Georg Umbenhauer bei der Deutschland-Rundfahrt die erste Etappe von Berlin nach Zittau gewann, in den folgenden Tagen dreimal als Zweiter auf das Treppchen stieg und am Ende Achter in der Gesamtwertung wurde. Ganz Nürnberg fieberte ein Jahr später der «Groß-Deutschland-Rundfahrt» entgegen, mit der die Nationalsozialisten 1939 die Tour de France in den Schatten stellen und die Größe des damaligen deutschen Reiches demonstrieren wollten.
Die Strecke führte in 20 Etappen über 5049 Kilometer (!) auch durch das heutige polnische Staatsgebiet und durch das damals angegliederte Österreich. In Nürnberg feierte man den beliebten Lokalmatador Georg Umbenhauer bereits vor dem Start stürmisch – und der enttäuschte nicht. Nach einem Sieg auf der fünften Etappe von Reichenbach nach Chemnitz, die er nach 210 Kilometern sicher vor dem Belgier Sylain Grisolle und dem Franzosen Paul Chaocque gewann, übernahm er das Gelbe Trikot des Spitzenreiters. Drei Wochen lang war der zähe Nürnberger der überragende Mann der extrem schweren Rundfahrt, die er mit fast zehn Minuten Vorsprung vor dem Schweizer Robert Zimmermann und seinem Nürnberger Lokalrivalen Fritz Scheller gewann!
Wenige Wochen später unterbrach der 2. Weltkrieg dann für deutsche Fahrer viele Jahre den internationalen Sportbetrieb und damit auch die so viel versprechend begonnenen Karrieren von Georg Umbenhauer und Fritz Scheller.
Eine Ausnahme in den Kriegsjahren waren die damals sehr populären und beliebten Steherrennen der Profis. Kurzentschlossen sattelte Georg Umbenhauer deshalb zum Stehersport um. Nach intensiven harten Training hinter Motoren ging er bei der Deutschen Stehermeisterschaft an den Start, die 1940 auf der Nürnberger Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller stattfand. Mit seiner kampfbetonten Fahrweise begeisterte er als Steherneuling die Zuschauer bereits in den Vorläufen und schaffte damit sicher die Teilnahme zum DM-Finale in dem er für die große Überraschung der Meisterschaft sorgte: Hinter dem Kölner Allrounder Toni Merkens – Olympiasieger im Sprint 1936 – belegte Georg Umbenhauer den zweiten Platz, vor dem Chemnitzer Kurt Schindler. Damit war Umbenhauer auch der erste Nürnberger Radprofi der bei einer Steher-DM auf dem Treppchen stand!
Nach langer Zwangspause des Straßenrennsports durch den 2. Weltkrieg setzte Georg Umbenhauer ab 1947 seine Radsport- Karriere als einer der ältesten Profis fort. Allerdings fuhr er fast nur noch Steherrennen und Sechstagerennen. 1952 hängte er nach einem schweren Sturz beim Münchner Sechstagerennen mit fast 40 Jahren seine Rennmaschine schweren Herzens an den berühmten Nagel. Bei seinem Stammverein, den „RV Union“, dem er immer treu geblieben war, wurde er in den 1950-er-Jahren noch als beliebter Trainer und erfahrener Berater geschätzt. Georg Umbenhauer starb am 15. Dezember 1970 mit nur 58 Jahren an den Spätfolgen seiner früheren Sturzverletzungen.
Manfred M a r r












