McNulty etwas überraschend zum WM-Titel
Erster Saisonsieg für Brandon McNulty: Der 28-jährige US-Amerikaner holte sich zum Abschluss der Straßen-WM in Montréal 2026 den Titel im Straßenrennen der Männer. Ein bis dahin aufregendes Regenbogen-Rennen nahm ein antiklimatisches Ende, als McNulty aus einer zu diesem Zeitpunkt 8-köpfigen, hochkarätigen Spitzengruppe in der Fläche 32,5 Kilometer vorm Ziel attackierte. Trotzdem blieb es aufregend um die Medaillen. Silber und Bronze schnappten sich mit letzter Kraft im Sprint einer Verfolgergruppe Michael Matthews (Australien) und Mathieu van der Poel (Niederlande).
An den Favoriten ging das Rennen weitgehend vorbei, abgesehen von van der Poel, der früh die Initiative ergriff und damit die vorher am höchsten gewetteten Evenepoel (Belgien), del Toro (Mexiko) und Seixas (Frankreich) in die Dauer-Defensive drängte. Während alle Nationen auf ihren Kapitän zusammenschrumpften, waren die US-Amerikaner mit McNulty, Quinn Simmons und Matteo Jorgenson noch zu dritt in der Verlosung – und sie spielten es perfekt.
Erst störten McNulty und Jorgenson die Nachführarbeit, als van der Poel mit unter anderem Simmons fast 90 Kilometer vorm Ziel zu einer frühen, gefährlichen Flucht aufbrach. Erst rund 55 Kilometer später schlossen Issac del Toro, Paul Seixas, Giulio Ciccone (Italien), Tom Pidcock (Großbritannien), Jorgenson, McNulty, Matthews und Santiago Buitrago (Kolumbien) zum Spitzenquartett auf, dem neben van der Poel und Simmons da noch Primoz Roglic (Slowenien) und Ben Healy (Irland) angehörten. Nach dem Zusammenschluss attackierte erst Jorgenson erfolglos und dann wenig später McNulty, der sofort eine riesige Lücke riss.
Remco Evenepoel war zu diesem Zeitpunkt schon ein weiteres Mal zurückgefallen, kämpfte sich aber wie viele andere Fahrer immer wieder zurück. Sogar ein Mads Pedersen (Dänemark), von dem den gesamten Tag nichts zu sehen war, kehrte in der Schlussrunde auf dem Rundkurs von Montréal zurück und hatte plötzlich Chancen auf die Silbermedaille. Die gewann dann aber Matthews, der zum 4. Mal das Podest im WM-Straßenrennen der Elite erklomm, anders als in der U23 allerdings nie auf der höchsten Stufe. Van der Poel holte seine zweites WM-Bronze auf der Straße. Er hätte freilich lieber sein zweites Gold in dieser Disziplin geholt.
Pedersen belegte letztlich den 6. Platz hinter Simmons und del Toro sowie vor Pidcock, Jorgenson, Ciccone und Healy. Auch im Ergebnis spiegelte sich die phänomnale Teamleistung der US-Amerikaner wieder mit den Plätzen 1, 4 sowie 8. Den 11. Platz belegte Mauro Schmid (Schweiz), der wie Pedersen ganz spät aus dem Nichts zurück im Rennen um die Medaillen war. Hinter ihm trudelte Evenepoel auf dem 12. Platz ein. Seixas fiel in der Schlussphase mit Krämpfen zurück.
Wenn auch etwas überraschend – eine Sensation war der Triumph McNultys nicht. Er hatte vor einem Jahr genau an Ort und Stelle den GP de Montréal 2025 gewonnen, wenn auch geschenkt durch seinen Werksteam-Kapitän Tadej Pogacar (Slowenien). Dessen verletzungsbedingte Abwesenheit führte zu genau dem offenen WM-Rennen, das viele erwartet und erhofft hatten. Mit wenigen Ausnahmen war Pogacar die letzten 2 Jahren bei allen großen Rennen der übergroße Favorit und wurde dieser Rolle durch die Bank mit erdrückender Überlegenheit gerecht. Seine vermeintlichen Kronprinzen konnten daraus kein Kapital schlagen, stattdessen sein Helfer aus dem alltäglichen Werksteam UAE-XRG, dem nun ausgerechnet 2 US-Kollegen aus den 2 anderen großen Werkteams in aller Einigkeit den WM-Sieg vorbereiteten.
Das Elite-Straßenrennen in Montréal führte über eine Mammutdistanz von 273,7 Kilometern, davon zum Schluss über 13 Runden auf dem Kurs des GP de Montréal, wie er 2026 gefahren wurde. Bei Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad blieb es über das gesamte Rennen trocken, obwohl fürs Finale eine gewisse Regenwahrscheinlichkeit bestand. Das Rennen geriet aber auch so hart genug, inklusive wechselnden, aufregenden Konstellationen für fast die kompletten letzten 100 Kilometer. Gegen Ende fegten die fallenden Blätter bei auffrischendem Wind über die Straße wie bei einem Herbstklassiker.
Ergebnis
1. Brandon McNulty (USA) 6:17:04
2. Michael Matthews (AUS) +0:13
3. Mathieu van der Poel (NED) gl.Zeit
4. Quinn Simmons (USA) gl.Zeit
5. Isaac del Toro (MEX) +0:14
6. Mads Pedersen (DEN)
7. Tom Pidcock (GBR)
8. Matteo Jorgenson (USA) alle
9. Giulio Ciccone (ITA) gleiche
10. Ben Healy (IRL) Zeit
11. Mauro Schmid (SUI) +0:22
12. Remco Evenepoel (BEL) +0:25
13. Juan Ayuso (ESP) +2:08
14. Stefan Küng (SUI) +2:19
15. Paul Seixas (FRA) +2:47
16. Jørgen Nordhagen (NOR) +3:09
17. Oscar Onley (GBR) gl.Zeit
18. Christian Scaroni (ITA) +3:12
19. Mikkel Honoré (DEN) +3:14
20. Davide Piganzoli (ITA) +3:20
21. Primoz Roglic (SLO) +3:29
22. Michael Valgren (DEN) +4:20
23. Toms Skujins (LAT) +4:25
24. Anthon Charmig (DEN) gl.Zeit
25. Tiesj Benoot (BEL) +4:31
