16. Etappe: Montpellier – Mont Ventoux – 172 Km – 2950 Hm
Valentin Paret-Peintre mit Ausreißer-Coup am Ventoux
Valentin Paret-Peintre (Soudal) gewann die prestigeträchtige 16. Etappe der Tour de France 2025, die am Mont Ventoux endete. Der 24-jährige Franzose verwies auf dem Steinkegel in der Provence Ben Healy (EF) im Zielsprint auf den 2. Platz. Beide stammten aus einer einst 37-köpfigen Spitzengruppe, aus der außerdem Santiago Buitrago (Bahrain) und Paret-Peintres Teamkollege van Wilder vor den Überfahrern Pogacar (UAE) und Vingegaard (Visma) ins Ziel kamen.
Tadej Pogacar wurde in seinem Gelben Trikot im 15,7 Kilometer langen Schlussanstieg 4-mal von Jonas Vingegaard attackiert, erreichte dann aber 2 Sekunden vor seinem Rivalen das Ziel. Für den Tagessieg kam Pogacaer diesmal 43 Sekunden zu spät. Hinter den weiteren Ausreißern Mas (Movistar) und Alaphilippe (Tudor) belegten Primoz Roglic und Florian Lipowitz (beide RB) über eine Minute hinter Pogacar die Plätze 9 und 10.
Damit untermauerte Lipowitz in der Gesamtwertung seinen 3. Platz gegen Oscar Onley (Picnic), auf den er 36 weitere Sekunden herausfuhr. Roglic wiederum rückte näher an Onley heran und überholte Kévin Vauquelin (Arkéa), der zunehmend an seine Grenzen gerät. Er kam 3:42 Minuten hinter Paret-Peintre auf dem 20. Platz ins Ziel.
Ergebnis
1. Valen. Paret-Peintre (FRA) – Soudal-Quick Step 4:03:19
2. Ben Healy (GBR) – EF Education-Easypost gl.Zeit
3. Santiago Buitrago (COL) – Bahrain Victorious +0:04
4. Ilan van Wilder (BEL) – Soudal-Quick Step +0:14
5. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG +0:43
6. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +0:45
7. Enric Mas (ESP) – Movistar +0:53
8. Julian Alaphilippe (FRA) – Tudor +1:17
9. Primoz Roglic (SLO) – Red Bull-Bora +1:51
10. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +1:53
11. Gregor Mühlberger (AUT) – Movistar +2:01
12. Thymen Arensman (NED) – Ineos Grenadiers +2:07
13. Xandro Meurisse (BEL) – Alpecin-Deceuninck +2:15
14. Oscar Onley (GBR) – Picnic-PostNL +2:29
15. Carlos Rodriguez (ESP) – Ineos Grenadiers +3:02
16. Alex Aranburu (ESP) – Cofidis +3:27
17. Felix Gall (AUT) – Decathlon-AG2R +3:33
18. Adam Yates (GBR) – UAE-XRG +3:38
19. Raul Garcia Pierna (ESP) – Arkéa-B&B Hotels +3:42
20. Kévin Vauquelin (FRA) – Arkéa-B&B Hotels gl.Zeit
21. Sergio Higuita (COL) – XDS-Astana +3:45
22. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +4:06
…
28. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +5:11
29. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +5:12
32. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +6:07
41. Guillaume Martin (FRA) – Groupama-FDJ +8:54
78. Jhonatan Narvaez (ECU) – UAE-XRG +20:52
– 165 Fahrer klassiert.
DNS Mathieu van der Poel (NED) – Alpecin-Deceuninck
Pogacar baute die Gesamtführun minmal auf 4:15 Minuten gegenüber Vingegaard aus. Mehr als doppelt so viel Rückstand weist Lipowitz nun bis zur 16. Etappe aus. Das wird ihm jedoch egal sein. Wichtiger: Sein Guthaben gegenüber Onley vergrößerte sich auf über 2 Minuten. Im Laufe des Schlussanstieg spannte Lipwotz mit seinem urspünglichen Kapitän Roglic zusammen. Dieser rückte bis auf 38 Sekunden an Onley heran.
Klar dahinter auf den 6. Platz fiel Vauquelin zurück. Felix Gall (Decathlon) auf dem unveränderten 7. Platz konnte daraus kaum Kapital schlagen. Allerdings verlor der weiterhin Achtplatzierte Tobias Johannessen (Uno-X) viel Zeit am Mont Ventoux. Healy verdrängte durch seine Anwesenheit in der Flucht Carlos Rodriguez (Ineos) vom 9. Platz. Rodriguez hat als Zehnter bereits über 20 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot.
Gesamtwertung
1. Tadej Pogacar (SLO) – UAE-XRG 58:24:46
2. Jonas Vingegaard (DEN) – Visma-Lease a Bike +4:15
3. Florian Lipowitz (GER) – Red Bull-Bora +9:03
4. Oscar Onley (GBR) – Picnic-PostNL +11:04
5. Primoz Roglic (SLO) – Red Bull-Bora +11:42
6. Kévin Vauquelin (FRA) – Arkéa-B&B Hotels +13:20
7. Felix Gall (AUT) – Decathlon-AG2R +14:50
8. Tobias Johannessen (NOR) – Uno-X +17:01
9. Ben Healy (GBR) – EF Education-Easypost +17:52
10. Carlos Rodriguez (ESP) – Ineos Grenadiers +20:45
11. Jordan Jegat (FRA) – Totalenergies +23:10
12. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +31:08
13. Guillaume Martin (FRA) – Groupama-FDJ +35:14
14. Thymen Arensman (NED) – Ineos Grenadiers +44:20
15. Sepp Kuss (USA) – Visma-Lease a Bike +47:59
16. Jhonatan Narvaez (ECU) – UAE-XRG +52:04
17. Cristian Rodriguez (ESP) – Arkéa-B&B Hotels +53:24
18. Enric Mas (ESP) – Movistar +53:44
19. Sergio Higuita (COL) – XDS-Astana +54:57
20. Matteo Jorgenson (USA) – Visma-Lease a Bike +57:35
…
49. Valen. Paret-Peintre (FRA) – Soudal-Quick Step +2:01:40
In der flachen Anfahrt zum Mont Ventoux wurde ein gnadenloses Tempo von fast 50 km/h im Schnitt an den Tag gelegt. Nach entsprechend umkämpften Beginn kamen zunächst nur 3 Ausreißer weg: Meurisse (Alpecin), Haller und Hirschi (beide Tudor). Ganz offensichtlich wollte Pogacars Flachlandhelfer Politt die Ausreißer so kontrollieren, um seinem Kapitän einen weiteren Etappensieg zu ermöglichen. Dabei machte Politt den Fehler, das Trio zu eng an die Leine zu nehmen.
Entsprechend hagelte es weiter Attacken. Politt maulte die attackierenden Fahrer an, als sei dies verboten – völlig abgehoben und im Prinzip sogar selbst verschuldet. Meurisse, Haller und Hirschi wurden so 93 Kilometer vorm Ziel wieder gestellt. Danach konnten sich 37 Ausreißer den Beweis antreten, dass Attacken gegen Politts Team um den Etappensieg absolut Sinn machen!
Vorne vertreten waren die späteren Top-4 des Tages. Pogacar hatte Siwakow und Soler als Satelliten dabei, Vingegaard mit Benoot und Campenaerts ebenfalls 2 Helfer. Mit Abstand Bestplatzierter in der Gesamtwertung war Healy. Außerdem schafften aus den Top-20 Enric Mas (Movistar) und Thymen Arensman (Ineos) den Sprung in die riesige Ausreißergruppe. Bei Arensman hatte ein ähnliches Szenario ja immerhin 2 Etappen zuvor schon zum Sieg gereicht.
Im Zuge des Zwischensprints konnte sich 7 Fahrer in Front setzen: Abrahamsen (Uno-X), der den Sprint gewann, sowie Arensman, Alaphilippe, dessen Kollege Trentin, Mas, Velasco (XDS) und anfänglich Wright (Bahrain). Durch Bédoin am Fuße des Mont Ventoux fuhr das Spitzensextett dann 1:30 Minuten vor großen Verfolgergruppe um Healy und ungefähr 6:30 vor dem Hauptfeld ums Gelbe Trikot.
18 Kilometer vorm Ziel attackierte Alaphilippe noch vor dem offiziellen Beginn des Schlussanstiegs. Mas und Velasco sprangen mit, Arensman stattdessen verzögert im eigenen Tempo. Dann attackierte Mas und setzte sich für längere Zeit als Solist an die Spitze. 9 Kilometer vorm Ziel holten ihn Healy und Paret-Peintre ein.
Das Hauptfeld war bereits zu rund einem Dutzend Fahrer ums Gelbe Trikot geschrumpft. Sepp Kuss machte das Tempo für Vingegaard bis zu dessen erster Attacke. Im weiteren Verlauf fuhr Vingegaard zu Benoot und Campenaerts auf, die noch mit ihren Führungen weitere Attacken vorbereiten konnten. An Pogacar perlten diese unermüdlichen Versuche scheinbar mühelos ab.
Beide fuhren in Wahnsinns-Tempo den Ventoux hinauf. Nächstbester war zunächst Roglic, der dann aber von Lipowitz und Onley überholt wurde. Letztlich aber konnte Onley nicht das Hinterrad von Lipowitz halten und wurde auch von Roglic überholt, der wiederum auf den letzten Metern leicht zu schnell für Lipowitz war.
Im Kampf um den Etappensieg attackierten sich Healy und Paret-Peintre mehrfach gegenseitig. Für Healy dürfte es sich in dem Duell als nachteilig ausgewirkt haben, dass er mit einem Auge auch auf die Gesamtwertung schielte. Paret-Peintre konnte so etwas mehr zocken. Immer wieder schloss Mas zu den beiden auf, und dann sogar Buitrago.
Im Schlusskilometer war Mas endgültig erledigt. Dafür kam unverhofft Paret-Peintres Teamkollege van Wilder zurück zur Spitze und spannte sich vor, bis Healy den Sprint eröffnete. Paret-Peintre übertrumpfte Healy auf den steilen letzten Metern. Er feierte erst seinen 3. Profisieg, darunter auch schon ein Etappensieg beim Giro d’Italia. Für sein Team war es bereits der 4. Etappensieg bei dieser Tour de France, was über die große Enttäuschung des ausgeschiedenen Vorjahresdritten Evenepoel hinwegtröstet.
