Hallo Sportfreunde,
„Ist ja unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht“, sagte Horst Gnas, der am 3. September 85 wird, bei unserem letzten Telefongespräch. Wir sprachen dabei über viele schöne Erinnerungen, die wir beide nie vergessen werden, denn ich habe die Karriere von Horst seit den 1960er-Jahren pressemäßig fast zwei Jahrzehnte lang begleitet.

Horst Gnas am 8.3.2015 bei Hersbruck (Plomi Foto)
Ich war 1968 dabei, als er am Keller seine ersten Steher-Versuche mit Udo Empter als Schrittmacher machte. Ich war bei der Rad-WM 1970 in Leicester, bei der Horst damals überraschend Vize-Weltmeister wurde. Danach begleitete ich Horst bei seinem ersten WM-Sieg in Varese und beim dritten WM-Erfolg im spanischen San Sebastian 1973.
Doch davon wurde schon oft berichtet. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere interessante Themen zur Karriere von Horst, von denen ich heute kurz einige erwähnen möchte.
„Der Radsport faszinierte mich in meiner Jugend gewaltig denn mein großes Idol war – wie damals für alle Jungs in der DDR – Gustav Adolf Schur, den wir alle nacheiferten. In seiner Heimatstadt Dessau fuhr Horst deshalb als Schüler beim „Ersten Versuch“ – wie man den „ersten Schritt“ damals in der DDR nannte – und auf Anhieb belegte er Platz drei! Sein enormer Ehrgeiz wurde nun noch größer. Er fuhr als Jugendfahrer, später als Junior immer erfolgreicher. Ein Erlebnis vergisst er nie: “ Ich war nach einem Rennen in Leipzig unterwegs als mich plötzlich Täve Schur überholte. Ich erkannte ihn sofort und kämpfte mich mit letzter Kraft an sein Hinterrad heran. Täve lachte und sagte:“ Mach so weiter Junge“ dann war er schnell weg – und Horst machte so weiter!
Seine berufliche und sportliche Zukunft sah Horst Gnas zu Beginn der 1960er-Jahre allerdings ganz klar im Westen, in der Bundesrepublik. Zusammen mit seinem Freund Gerhard Hampl, der ebenfalls begeistert Rennen fuhr, entschloss sich Horst Gnas deshalb zur Flucht aus der DDR. Über einige Umwege und Stationen in Oberfranken landeten beide schließlich in Nürnberg, wo sie sich gemeinsam dem „Ring Nürnberger Rennfahrer“ anschlossen. Auch nachdem Horst eine Arbeitsstelle als gelernter Installateur gefunden hatte, trainierte er weiter eisern in seiner knappen Freizeit. Bald zählte er beim „RNR“ neben Karl Lindner, Bruno Gebhard, Hans Schobert, Gerhard Hampl und Kurt Böhmländer zu den besten Amateuren des Vereins. „Ich fuhr damals auch viel und gerne auf der ASN-Bahn, doch meine große Passion waren stets die Straßenrennen“, erzählt Horst, der damals als Straßenfahrer zur bayerischen Spitzenklasse zählte. Zu seinen schönsten Erfolgen zählte sein Sieg beim „Großen Straßen-Preis der Kulmbacher Brauereien“, den er nach 170 Kilometern als Solist mit über vier Minuten Vorsprung gewann. Zurecht stolz war Horst auch auf seinen zweiten Platz beim international besetzten „Moritz-Fischer-Rennen“ in Schweinfurt und auf etliche weitere Siege wie in Herzogenaurach oder beim Frühjahrs-Preis des RSC Fürth.
1968 begann für Horst ein neues Kapitel seiner Karriere, als er sich überreden ließ sich „Am Keller“ auch mal als Steher zu versuchen. Nach seinem gut gelungenen Einstieg in die Szene der Amateursteher fuhr Horst Gnas zwar weiterhin gerne Straßenrennen, doch sein Terminkalender wurde nach erfolgreichen Steherrennen so eng, dass er immer häufiger und vorrangig als Steher fuhr. Die Härte dafür holte er sich jedoch weiterhin bei umfangeichen Straßentraining. Nach Platz fünf bei der Deutschen Stehermeisterschaft 1969 in Bamberg hat er sich schwerpunktmäßig für den Stehersport entschieden.
In den Jahren 1969 und 1970 gehörte Horst Gnas bei dem es immer besser lief bereits zum Nationalkader der Steher. Bei seiner ersten WM Leiscester sorgte Horst als Vize-Weltmeister für eine kleine Sensation. Zum Meilenstein in seiner Karriere wurde die WM 1971, die er damals im italienischen Varese mit Schrittmacher Bruno Walrave gewann. Damit war Horst Gnas, der auch mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“ ausgezeichnet wurde, endgültig angekommen in der internationalen Spitzenklasse der Amateursteher. Entsprechend groß war die Freude und der Stolz bei ihm und beim RC Herpersdorf.
Dass Horst Gnas danach auch 1972 und 1973 die WM der Amateursteher gewann und dass er auch zweimal Deutscher Meister wurde, war nicht selbstverständlich. „Horst hatte extrem großen Ehrgeiz, er war immer hoch motiviert und sehr ausdauernd“, schwärmt sein Freund Franz Böll, der ihn als Betreuer, Trainer und auch als Schrittmacher im Laufe der folgenden Jahre oft begleitet hat, heute noch.
Den großen Ehrgeiz hat Host Gnas auch nach dem Ende seiner Karriere behalten. Jahr für Jahr war er noch immer sehr viel auf seiner Rennmaschine unterwegs. Mehrfach besuchte er auch die Tour de France, wobei er sich vor allem die schweren Etappen in den Alpen vornahm. Auch nach seinem 70. Geburtstag fuhr er die Steigung zur Alpe d´Huez hoch und ebenso die legendären Tour-Pässe Galibier und Telegraph! „Das hat mir immer viel Spaß gemacht und man kann die Leistungen der Profis, die hier Jahr für Jahr großartige Kämpfe zeigen, gar nicht genug bewundern“, sagt Horst Gnas, der noch immer regelmäßig und gerne in den Sattel steigt. Wobei es ihm jedoch völlig klar ist:“ Ich muss natürlich stets auf meine Gesundheit achten und es soll ja weiterhin auch noch Spaß machen“. Dass es ihn noch recht lange Spaß macht wünschen Horst seine einstigen Kampfgenossen, seine vielen Freunde und seine alten Fans!
Manfred M a r r
































