Archiv der Kategorie: History

Rad-WM 1974 in Montreal

Hallo Sportfreunde,

die Straßen-Weltmeisterschaften, die am letzten Wochenende in der Kanadischen Metropole Montreal stattfanden, erinnern mich an die großartige WM 1974, die ich damals in Montreal erlebte.

Nach den Bahndisziplinen, bei denen der BDR drei Goldmedaillen gewann (Hans Lutz/Einerverfolgung, der BDR-Bahnvierer und Jean Breuer bei den Stehern), war die Straßen-WM für mich das ganz große Highlight dieser WM. Von den unzähligen nationalen und internationalen Straßenrennen, die ich in mehr als 50 Jahren erlebte, war die WM der Profis 1974 in Montreal eines der schwersten und schönsten.

Für Eddy Merckx, der damals wenige Wochen vorher seine fünfte Tour de France gewonnen hatte, war diese WM die Krönung seiner einmalig großen Siegesserie. Bei extremer Hitze und sehr hoher unangenehmer Luftfeuchtigkeit war Eddy an diesem Tag einfach nicht zu bremsen. Pausenlos drückte er erbarmungslos aufs Tempo und das Feld der besten internationalen Asse wurde mit jeder Runde immer kleiner. Am 16km-Rundkurs mit mehreren Steigungen , darunter der „Mont Royal“ – nach dem die Stadt einst benannt wurde – jubelten tausende begeisterter Radsportfans Eddy zu, der das Feld mit jeder Runde mehr dezimierte.

Eingangs der letzten Runde konnten nur noch Raymond Poulidor und dessen Landsmann Mariano Martinez Merckx am Hinterrad folgen. Doch auch sie mussten passen, als Eddy in der Schlußrunde brutal antrat und locker einen sicheren Solo-Sieg entgegen stürmte. Von den 156 gestarteten Profis kamen nach rund sieben Stunden und 262,5 Kilometern nur 18 (!) ins Ziel. Alle anderen Fahrer stiegen vorzeitig erschöpft vom Rad. Besonderes Lob hatte sich Jürgen Tschan verdient. Er kam auf Platz 18 als einziger Deutscher ins Ziel! Selten hat man Eddy Merckx nach einem Sieg so überglücklich strahlen sehen. Nach 1964 bei den Amateuren, 1967 und 1971 war es sein vierter und eindrucksvollster WM-Sieg!

Auch die Amateur-WM über 175km war am Vortag eine extreme Hitzeschlacht in der zwei Asse aus Polen dominierten: Janusz Kowalski gewann vor Titelverteidiger Ryszard Szurkowski. Bester Fahrer der BDR-National-Mannschaft war auf Platz fünf der Mannheimer Peter Weibel, Klaus-Peter Thaler wurde Dreizehnter.

Ich habe damals viele Fotos gemacht, leider alle noch in schwarz-weiß, denn in den meisten Zeitungen gab es noch keine Farbfotos. Eine kleine Auswahl meiner Aufnahmen füge ich im Anhang bei – alles schöne Erinnerungen an EDDY MERCKX!

Text und Fotos Manfred Marr

Johannes Knab wird am 14. September 80 Jahre

Hallo Sportfreunde,

Johannes Knab, der bis heute erfolgreichste Radsportler Oberfrankens, feiert am 14. September seinen 80 Geburtstag. Der gebürtige Bamberger, der in Hallstadt aufwuchs, zählte als Jugendfahrer, Junior und Amateur viele Jahre zur deutschen Spitzenklasse. 192 Mal trug er als Straßenfahrer das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Insgesamt feierte Johannes Knab 186 Siege – 27 davon bei internationalen Rennen! Bei seinem „Heimspiel“ , dem alljährlichen Kriterium des RMV Concordia Strullendorf, holte er als Lokalmatador sechsmal souverän den Sieg – ein bis heute einmaliger Rekord!
Johannes Knab, dessen Vater einst ebenfalls im Radsport aktiv war, begann seine Karriere 1962 als 15-Jähriger beim RMV Concordia Strullendorf. Bereits nach wenigen Rennen war er als Jugendfahrer erfolgreich. Doch seine große Klasse konnte er erst als Amateur beweisen. „Mir lagen vor allem die langen und schweren Straßenrennen“, erinnert sich Johannes Knab an seine besten Rennjahre. Als 19-jähriger gewann er in seinem ersten Jahr als Amateur das traditionelle und international besetzte „Moritz-Fischer- Gedächtnis-Rennen“ in Schweinfurt. Jahr für Jahr folgten danach viele weitere große Siege bei schweren Straßen-Klassikern wie „Rund um Frankfurt“ „Rund um Düren“, „Rund um den Henninger-Turm“, sowie beim „Großen Tucher-Preis“ des RC Herpersdorf!

Als Nationalfahrer war Johannes Knab 1967, 1970 und 1971 bei den Straßen-Weltmeisterschaften stets ein sehr gut platzierter Teilnehmer. Auch bei 26 Amateur-Rundfahrten, die Knab sehr gerne fuhr, zählte er stets zu den besten deutschen Teilnehmern. 1969 war Johannes Knab hinter dem Holländer Fedor den Hertog- dem damals weltbesten Straßenamateur- Zweiter der „Internationalen Rheinland-Pfalz-Rundfahrt“. Im gleichen Jahr gewann er in Großbritannien eine Etappe der England-Rundfahrt!
1971 sorgte der Straßenvierer des RMV Concordia Strullendorf bei der DM über 100 Kilometer für eine riesige Überraschung. Angeführt von Kapitän Johannes Knab erkämpften die Strullendorfer Wich, Escher und Schäfer hinter dem PSV Köln und Luisenstadt Berlin den dritten Platz!
1968 und 1972 war Johannes Knab in Mexiko und in München zweimal Mitglied der deutschen Mannschaft bei Olympischen Spielen. Leider konnte er sich den Traum einer möglichen Medaille nicht erfüllen. In Mexiko wurde er vom damaligen Bundestrainer Otto Ziege (Berlin) in letzter Minute plötzlich zum Ersatzmann degradiert. In München durften Johannes Knab, Algis Oleknavicius , Erwin Tischler und Rainer Podlesch als „Lokalmatadore“ auf eine Platzierung unter den ersten Fünf hoffen.“Es lief zunächst auch recht gut bei uns, doch nach der Hälfte der 100 Kilometer verloren wir Erwin Tischler und danach fanden wir einfach nicht mehr unserem Rhythmus“, erzählt Johannes Knab, der an diesem Tag gut in Form war aber vergeblich kämpfte. Der 20. Platz war für ihn ein Schock und bis heute die wohl größte Entäuschung seiner Karriere.

Auch als Bahnfahrer zählte Johannes Knab in den Wintermonaten als vielseitiger Allrounder bei den Zweier-Mannschaftsrennen zur deutschen Spitzenklasse: Hinter den beiden Weltmeistern und Olympia-Siegern Günter Haritz und Peter Vonhof belegte er 1971 bei der Deutschen Meisterschaft über 100 Kilometer mit seinem Frankfurter Partner Heinz Feuerbach den zweiten Platz. 1970 und 1973 standen Knab/Feuerbach bei der Zweier-DM zweimal als Dritte auf dem Treppchen! In Köln gewannen sie 1970 das Rennen um die „Silbernen Adler“!

Trotz zahlreicher verlockender Angebote hielt Johannes Knab während seiner ganzen Karriere seinen kleinen Heimatverein die Treue: „ Das war einfach Ehrensache für mich“, sagt er rückblickend und fügt hinzu: „ Auch wenn ich deshalb als Einzelfahrer meistens viel mehr als andere zu kämpfen hatte, war ein Vereinswechsel, der mir sicher den einen oder anderen Deutschen Vierer-Titel gebracht hätte, für mich nie ein Thema“. Nach dem Ende seiner erfolgreichen Karriere stellte sich Johannes Knab dem RMV, dessen Ehrenmitglied er ist, viele Jahre als Jugendleiter und Trainer zur Verfügung.

Neun Jahre lang war Johannes Knab von 1995 bis 2003 als umsichtiger und routinierter Rennleiter bei der „Internationalen Bayern-Rundfahrt“ im Einsatz.“Auch das hat mir viel Spaß gemacht, denn dabei hatte ich wieder sehr engen Kontakt zur aktuellen Rennsportszene und zu vielen früheren Kampfgenossen die als Teamleiter dabei waren“.

„Der Radsport ist auch heute noch meine große Passion“, gesteht der „Hannes“, wie ihn seine vielen Radlerfreunde nennen und im Sattel seiner Rennmaschine sitzt er – für die Gesundheit und zum Spaß – auch heute noch gerne. Bei den Treffen und Ausfahrten, die der Nürnberger Klaus Karolzak seit 2014 für die „Ehemaligen“ organisiert ist Johannes Knab regelmäßig gerne dabei. Alle Teilnehmer gratulieren dem Hannes herzlich und wünschen ihn gute Gesundheit und weiterhin noch viel Freude am Radsport!

Text und Foto Manfred M a r r

Horst Gnas feiert am 3. September seinen 85. Geburtstag

Hallo Sportfreunde,

„Ist ja unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht“, sagte Horst Gnas, der am 3. September 85 wird, bei unserem letzten Telefongespräch. Wir sprachen dabei über viele schöne Erinnerungen, die wir beide nie vergessen werden, denn ich habe die Karriere von Horst seit den 1960er-Jahren pressemäßig fast zwei Jahrzehnte lang begleitet.


Horst Gnas am 8.3.2015 bei Hersbruck (Plomi Foto)

Ich war 1968 dabei, als er am Keller seine ersten Steher-Versuche mit Udo Empter als Schrittmacher machte. Ich war bei der Rad-WM 1970 in Leicester, bei der Horst damals überraschend Vize-Weltmeister wurde. Danach begleitete ich Horst bei seinem ersten WM-Sieg in Varese und beim dritten WM-Erfolg im spanischen San Sebastian 1973.

Doch davon wurde schon oft berichtet. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere interessante Themen zur Karriere von Horst, von denen ich heute kurz einige erwähnen möchte.

„Der Radsport faszinierte mich in meiner Jugend gewaltig denn mein großes Idol war – wie damals für alle Jungs in der DDR – Gustav Adolf Schur, den wir alle nacheiferten. In seiner Heimatstadt Dessau fuhr Horst deshalb als Schüler beim „Ersten Versuch“ – wie man den „ersten Schritt“ damals in der DDR nannte – und auf Anhieb belegte er Platz drei! Sein enormer Ehrgeiz wurde nun noch größer. Er fuhr als Jugendfahrer, später als Junior immer erfolgreicher. Ein Erlebnis vergisst er nie: “ Ich war nach einem Rennen in Leipzig unterwegs als mich plötzlich Täve Schur überholte. Ich erkannte ihn sofort und kämpfte mich mit letzter Kraft an sein Hinterrad heran. Täve lachte und sagte:“ Mach so weiter Junge“ dann war er schnell weg – und Horst machte so weiter!

Seine berufliche und sportliche Zukunft sah Horst Gnas zu Beginn der 1960er-Jahre allerdings ganz klar im Westen, in der Bundesrepublik. Zusammen mit seinem Freund Gerhard Hampl, der ebenfalls begeistert Rennen fuhr, entschloss sich Horst Gnas deshalb zur Flucht aus der DDR. Über einige Umwege und Stationen in Oberfranken landeten beide schließlich in Nürnberg, wo sie sich gemeinsam dem „Ring Nürnberger Rennfahrer“ anschlossen. Auch nachdem Horst eine Arbeitsstelle als gelernter Installateur gefunden hatte, trainierte er weiter eisern in seiner knappen Freizeit. Bald zählte er beim „RNR“ neben Karl Lindner, Bruno Gebhard, Hans Schobert, Gerhard Hampl und Kurt Böhmländer zu den besten Amateuren des Vereins. „Ich fuhr damals auch viel und gerne auf der ASN-Bahn, doch meine große Passion waren stets die Straßenrennen“, erzählt Horst, der damals als Straßenfahrer zur bayerischen Spitzenklasse zählte. Zu seinen schönsten Erfolgen zählte sein Sieg beim „Großen Straßen-Preis der Kulmbacher Brauereien“, den er nach 170 Kilometern als Solist mit über vier Minuten Vorsprung gewann. Zurecht stolz war Horst auch auf seinen zweiten Platz beim international besetzten „Moritz-Fischer-Rennen“ in Schweinfurt und auf etliche weitere Siege wie in Herzogenaurach oder beim Frühjahrs-Preis des RSC Fürth.

1968 begann für Horst ein neues Kapitel seiner Karriere, als er sich überreden ließ sich „Am Keller“ auch mal als Steher zu versuchen. Nach seinem gut gelungenen Einstieg in die Szene der Amateursteher fuhr Horst Gnas zwar weiterhin gerne Straßenrennen, doch sein Terminkalender wurde nach erfolgreichen Steherrennen so eng, dass er immer häufiger und vorrangig als Steher fuhr. Die Härte dafür holte er sich jedoch weiterhin bei umfangeichen Straßentraining. Nach Platz fünf bei der Deutschen Stehermeisterschaft 1969 in Bamberg hat er sich schwerpunktmäßig für den Stehersport entschieden.

In den Jahren 1969 und 1970 gehörte Horst Gnas bei dem es immer besser lief bereits zum Nationalkader der Steher. Bei seiner ersten WM Leiscester sorgte Horst als Vize-Weltmeister für eine kleine Sensation. Zum Meilenstein in seiner Karriere wurde die WM 1971, die er damals im italienischen Varese mit Schrittmacher Bruno Walrave gewann. Damit war Horst Gnas, der auch mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“ ausgezeichnet wurde, endgültig angekommen in der internationalen Spitzenklasse der Amateursteher. Entsprechend groß war die Freude und der Stolz bei ihm und beim RC Herpersdorf.

Dass Horst Gnas danach auch 1972 und 1973 die WM der Amateursteher gewann und dass er auch zweimal Deutscher Meister wurde, war nicht selbstverständlich. „Horst hatte extrem großen Ehrgeiz, er war immer hoch motiviert und sehr ausdauernd“, schwärmt sein Freund Franz Böll, der ihn als Betreuer, Trainer und auch als Schrittmacher im Laufe der folgenden Jahre oft begleitet hat, heute noch.

Den großen Ehrgeiz hat Host Gnas auch nach dem Ende seiner Karriere behalten. Jahr für Jahr war er noch immer sehr viel auf seiner Rennmaschine unterwegs. Mehrfach besuchte er auch die Tour de France, wobei er sich vor allem die schweren Etappen in den Alpen vornahm. Auch nach seinem 70. Geburtstag fuhr er die Steigung zur Alpe d´Huez hoch und ebenso die legendären Tour-Pässe Galibier und Telegraph! „Das hat mir immer viel Spaß gemacht und man kann die Leistungen der Profis, die hier Jahr für Jahr großartige Kämpfe zeigen, gar nicht genug bewundern“, sagt Horst Gnas, der noch immer regelmäßig und gerne in den Sattel steigt. Wobei es ihm jedoch völlig klar ist:“ Ich muss natürlich stets auf meine Gesundheit achten und es soll ja weiterhin auch noch Spaß machen“. Dass es ihn noch recht lange Spaß macht wünschen Horst seine einstigen Kampfgenossen, seine vielen Freunde und seine alten Fans!

Manfred M a r r

Thomas Freienstein (1960-2026) plötzlich verstorben

Hallo Sportfreunde,

nur wenige Wochen nach dem plötzlichen Tod des Kölner´s „Kiko“ Stauff erhielt ich gestern von Dieter Burkhardt eine weitere ebenso traurige Nachricht: Zutiefst schockiert teilte mir Dieter Burkhardt mit, dass am 19. August Thomas Freienstein im Alter von 66 Jahren plötzlich verstorben ist. Thomas Freienstein zählte als exzellenter Straßen-Fahrer rund zehn Jahre lang als Nationalfahrer zur absoluten deutschen Spitzenklasse. Nach seinem Wechsel 1982 vom PSV Köln zur RSG Nürnberg entwickelte er sich zum erfolgreichsten und stärksten Fahrer des fränkischen Spitzenteams.

Bereits als Schüler zeigte Thomas Freienstein bei schweren Touren mit seinem Onkel über die Rhönberge außergewöhnliches Talent für den Radsport. Begeistert schloss er sich als Jugendfahrer in seiner Heimatstadt Fulda dem „Radsport Club 07“ an. Bereits als Junior zählte Thomas bald zur Nationalmannschaft. Bei der Junioren-WM erkämpfte er mit dem BDR-Quartett Platz sechs. Beim PSV Köln setzte Thomas Freienstein als Amateur und exzellenter Straßenfahrer seine Karriere erfolgreich fort. 1979 belegte er Platz drei bei der Junioren Straßen-DM. Mit dem Straßen-Vierer des PSV Köln gewann er 1981 zusammen mit „Kiko“ Stauff, Achim Stadler und Werner Wüller die DM über 100 Kilometer nach einem dritten Platz bei der DM des Vorjahres.

Nach seinem Wechsel zur RSG Nürnberg holte sich Thomas Freienstein 1982 souverän den Gesamt-Sieg der Hessen-Rundfahrt und mit dem RSG-Quartett Platz zwei der Vierer-DM. 1983 belegte Thomas Freienstein als bester Deutscher Nationalfahrer Platz drei bei der schweren Türkei-Rundfahrt. Mit dem RSG-Viererholte er bei der DM Platz zwei.

1984 war Thomas Freienstein bundesweit erfolgreichster Rad-Amateur. In Alpirsbach holte er sich auf einem sehr schweren Kurs nach eindrucksvoller Solofahrt souverän den DM-Titel bei der Einer-Straßenmeisterschaft. Seine großartige Form bewies er ebenso eindrucksvoll mit seinem zweiten Gesamt-Sieg bei der Hessen-Rundfahrt. Bei der Mannschafts-DM belegte er mit dem RSG Vierer erneut Platz zwei. Einen sehr guten dritten Platz erkämpfte sich Freienstein auf der 1. Etappe der Normandie-Rundfahrt. Zwei überzeugende Siege konnte er bei „Rund um Düren“ und beim Straßen-Preis von Michelstadt feiern. Als Kapitän der deutschen Olympia-Mannschaft belegte er beim Straßenrennen in Los Angeles als bester Deutscher sehr unglücklich Platz Zweiundzwanzig nach Platz zwölf mit dem Straßen-Vierer.

Zusammen mit Dieter Burkhardt, Hans Knauer und Werner Stauff holte sich Thomas Freienstein 1985 den Deutschen Meistertitel der Straßenvierer. Erneut gewann er „Rund um Düren“ und den „Großen-Preis“ von Bad Homburg.Eine weitere und letzte DM-Medaille gewann Thomas Freienstein 1987 im letzten Jahr seiner erfolgreichen Karriere mit dem RSG-Quartett bei der Vierer DM.

Auch nach dem Ende seiner aktiven Zeit blieb Thomas Freienstein dem Radsport immer treu. Er war Landesverbands-Trainer in Rheinland-Pfalz. Als Lehrer und Trainer am Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern – einer Elite-Schule des Sports – war er unermüdlich für den Mountainbike-Nachwuchs im Einsatz.

Nicht nur den fränkischen Radsportlern und Fans wird Thomas Freienstein immer in guter Erinnerung bleiben.
„Thomas war als Mensch und als Sportler stets ein echtes Vorbild. Vor 4 Wochen habe ich ihn auf der Beerdigung von Kiko zum letzten Mal gesehen. Es ist zum Heulen“ , erklärt sein langjähriger Freund und Sportkamerad Dieter Burkhardt.
Manfred M a r r

Olympia Montreal 1976

Hallo Sportfreunde,

ist das nun wirklich schon 50 Jahre her? Ich kann es kaum glauben , doch es stimmt. Das großartige Radsport-Jahr 1976 und meine Reise zu den Olympischen Spielen in Montreal werde ich nie vergessen.

Schon bei den Bahnwettbewerben, die im neu erbauten Velodrom vor vollen Rängen stattfanden, war die Stimmung im BDR-Team erstklassig. Es war phantastisch, zu sehen wie sicher unser Bahnvierer mit Günter Schumacher, Hans Lutz, Peter Vonhof und Gregor Braun das Finale erreichte und dann souverän die Goldmedaille vor dem russischen Vierer und den Briten gewann. Die von „Goldschmied“ Gustav Kilian betreuten und trainierten deutschen Asse waren wie schon 1972 bei den Spielen in München einfach nicht zu schlagen!

Auch die Golmedaille in der Einerverfolgung ging 1976 klar an Deutschland. Gregor Braun, war in Montreal in der Form seines Lebens. Im Finale hatte der Holländer Herman Ponsteen gegen den „Bären von der Pfalz“ schon nach wenigen Runden keine Chance!

Weniger glücklich verliefen für den BDR einige Tage später die Straßenwettbewerbe, denn dabei verpassten die deutschen Fahrer sehr unglücklich eine sichere Silber- und eine mögliche Bronzemedaille!

Das Einer Straßenrennen , das auf dem schweren WM-Kurs von 1974 stattfand, wurde zu einer stundenlangen erbarmungslosen Regenschlacht bei der Klaus Peter Thaler stets ganz vorne kräftig mitmischte. Im rasanten Finish einer neunköpfigen Spitzengruppe wurde Thaler Zweiter hinter dem Norwegischen Olympia-Sieger Bernt Johanssen. Doch die Jury setzte ihn nach einem sehr umstrittenen Urteil wegen „Nichteinhalten der Fahrlinie“ auf Platz neun zurück! Der Gegenprotest von dem zutiefst enttäuschten Klaus-Peter Thaler wurde von der internationalen Jury leider abgelehnt!

Auch für Friedrich von Loeffelholz, der damals für den Straßenvierer nominiert war, endete das 100km-Rennen bei extremer Hitze und sehr hoher Luftfeuchitgkeit mit einer riesigen Enttäuschung. Hinter Russland, Polen und Dänemark belegte das BDR-Quartett mit Loeffelholz , Hans-Peter Jakst, Peter Weibel und Olaf Paltian den vierten Platz. Um ganze 15 Sekunden verfehlten sie die Bronzemedaille, die ihnen auf den letzten Kilometern die Dänen wegschnappten. Friedrich war untröstlich. Er stieg damals weinend und total erschöpft vom Rad. Seine große Hoffnung auf eine olympische Medaille hatte sich leider nicht erfüllt.

Trotzdem blieb die Olympia-Teilnahme für Friedrich von Loeffelholz das ganz große Highlight seiner erfolgreichen Karriere, wie er immer gerne erzählte: „Für mich Jungspund war das ein Jahr nach meinem Abitur wie ein schöner Traum. Ich konnte es zunächst kaum glauben, dass ich für das olympische 100-Kilometer-Vierer-Rennen — seinerzeit die härteste olympische Radsportdisziplin — nominiert worden war. Die internationalen Vorbereitungsrennen mit der Nationalmannschaft, das Trainingslager in Südfrankreich, die Reise nach Kanada, die grandiose Eröffnungsfeier, die ganze Atmosphäre dort in Montreal, das alles war für mich als Jüngsten der BDR-Nationalmannsachft einfach überwältigend“.
Text und Fotos: Manfred M a r r

Ex-Meister Werner Stauff verstorben

Hallo Sportfreunde,

von Dieter Burkhardt erhielten wir die traurige Nachricht vom plötzlichen Tod seines Freundes und einstigen Teamkameraden Werner Stauff, der am 27. Juni mit 66 Jahren nach einem Herzinfarkt verstorben ist.


Plomi Foto im Mai 1986 vor Rudi Wörndl

Der gebürtige Kölner fand als Jugendlicher begeistert zum Radsport. Im Trikot des „Polizei-Sportvereins Köln“ (PSV Köln) fuhr Werner Stauff bereits als Jugendfahrer sehr erfolgreich seine ersten Rennen und bei den Junioren zählte „Kiko“, wie ihn seine Freunde und Fans nannten, danach sehr bald zur deutschen Spitzenklasse.

Auch nach seinem Wechsel ins Lager der Amateure setzte Werner Stauff seine Erfolgsserie lückenlos fort. Als einer der jüngsten Fahrer im internationalen Feld der Spitzenamateure begann er die Saison 1979 mit einem Paukenschlag: Mit 19 Jahren wurde er Zweiter beim traditionellen Frühjahrsklassiker „Köln-Schuld-Frechen“! Weitere Spitzen-Platzierungen und Siege folgten Woche für Woche, womit sich Werner Stauff sehr schnell und eindrucksvoll einen Platz im BDR-National-Kader erkämpfte.


Plomi Foto (1983 beim Tucherpreis in Herpersdorf)

Seinen ersten DM-Titel holte sich Werner Stauff 1981 als 21-Jähriger mit dem Straßen-Vierer des PSV Köln (zusammen mit Achim Stadler, Thomas Freienstein und Werner Wüller). Seine nächste DM-Medaille folgte ein Jahr später, als er bei der extrem schweren Einer-DM in Rosenheim – die Dieter Burkhardt vor Rolf Gölz gewann – im packenden Finale Platz drei belegte!

Nach seinem Wechsel zur RSG Hercules 1985 holte sich Werner Stauff zusammen mit Dieter Burkhardt, Thomas Freienstein und Hans Knauer seinen zweiten deutschen Meistertitel!

Zur Krönung seiner außergewöhnlichen Karriere wurde für Werner Stauff die Einer-DM 1986 in Bann. Nach langer erbarmungsloser Hitzeschlacht konnte er sich zusammen mit dem Dortmunder Bernd Gröne in der letzten Runde vom Feld absetzen. Das rasante Finish war für den spurtschnellen KIKO nur noch Formsache. Strahlend rauschte er als neuer Straßenmeister sicher vor Gröne ins Ziel. Ebenso souverän hatte kurz danach im Sprint um Platz drei Dieter Burkhardt das gesamte Feld der Verfolger im Griff. Mit Gold und Bronze auf dem Treppchen war die RSG Hercules damit das überragende Team des unvergesslichen großen Renntages!


Plomi Foto (beim Kriterium in Zirndorf 1986 im DM Trikot)

Gerne erinnerte sich Werner Stauff an die „Friedensfahrt“ 1988. Bei der großen „Tour“ aller damaligen Ostblock-Staaten holte er sich damals einen viel beachteten Etappen-Sieg. Ein riesiger internationaler Erfolg gegen die Weltklasse-Fahrer der UDSSR, aus Polen, Tschechien und der damaligen „DDR“! Nur vier westdeutsche Radamateure konnten bei der „Friedens-Fahrt“ einst einen Etappen-Sieg feiern!

1989 wechselte Werner Stauff zwar noch ins Lager der Profis, als er einen Vertrag beim „Team Stuttgart“ erhielt – aus dem später das Team TELEKOM entstand – doch nach rund 15 Jahren im Rennsattel beendete er im gleichen Jahr seine erfolgreiche Radsport-Karriere.

Manfred M a r r

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Dieter Burkhardt wird seinen guten Kölner Freund nie vergessen. Sichtlich erschüttert erklärte er: „Ich bin immer noch fassungslos und richtig traurig. Kiko war Jahrgang 1960. Ich habe ihn 1979 als 19-jährigen in der Vorbereitung auf die WM in Valkenburg kennengelernt. Seitdem hatte ich immer engen Kontakt zu ihm. Zunächst in der Nationalmannschaft. 1982 als ich Meister und er Dritter wurde.
1985, ein Jahr nach Thomas Freienstein, wechselte auch Werner Stauff vom PSV Köln zur RSG. Mit ihm wurden wir auf Anhieb Deutscher-Vierer-Meister. In meinem letzten Jahr 1986 haben wir beide das Ergebnis der DM von 1982 gedreht. Er wurde Straßenmeister und ich Dritter.

Privat blieben wir immer in Verbindung. In der Zeit als seine Frau Beate ein Fahrrad-Geschäft in Köln betrieben hat nahezu wöchentlich. Über unsere Söhne Holger und Andreas hatten wir ebenfalls viel guten Kontakt, denn beide fuhren in der Nachwuchsmannschaft vom Team Milram“.

Radsport-Idealist Bruno Liebermann 80 Jahre

Seinen 80. Geburtstag feiert am 23. Juni der langjährige Radsport-Funktionär Bruno Liebermann. Als bewährter Kampfrichter ist der rüstige Jubilar bei allen bayerischen Radsportlern durch seinen rund vier Jahrzehnte langen Einsatz bestens bekannt und beliebt.

„Nachdem ich zu meiner Konfirmation mein erstes Fahrrad bekam, war meine Begeisterung für das Radfahren sofort unendlich groß“, erinnert sich Bruno Liebermann, der bald danach als Jugendfahrer im Trikot des „RC Schwalbe Nürnberg 1897“ seine ersten Radrennen fuhr. Er bedauerte es, dass er wegen seiner Bundeswehrzeit und der anschließenden beruflichen Ausbildung seine aktive Laufbahn als Amateur leider sehr früh beenden musste.
Doch der Radsport blieb für Bruno Liebermann die wichtigste Nebensache der Welt, zumal er inzwischen in Gaulnhofen, dem Nachbarort von Herpersdorf wohnte. „Da war der Radsport buchstäblich vor der Tür“, schwärmt Liebermann, der sofort dem RC Herpersdorf beitrat und im damals erfolgreichsten deutschen Radsportverein für die vielen Jugendlichen im Einsatz war. „Zu tun gab es da immer sehr viel“, sagt Bruno Liebermann der zum Training und bei den Rennen mit dem Nachwuchs regelmäßig unterwegs war. Sein enormer Einsatz blieb nicht unbemerkt. „ 1988 fragte der langjährige Wettfahrausschuss-Vorsitzende Karl Stingl Bruno Liebermann ob er nicht an einem Lehrgang für „Kampfrichter im Rennsport“ teilnehmen möchte. Liebermann sagte spontan zu und damit begann für ihn seine „ zweite Radsport-Karriere“.

Bruno Liebermann hat seine vielen Einsätze nie gezählt, doch sein Terminkalender war immer gut gefüllt. Bei unzähligen Bahn- Straßen- und Cross-Rennen war er im Einsatz. Absolute Höhepunkte waren für ihn die Deutsche Straßenmeisterschaft 2003 in Spalt und alljährlich die großen Renntage bei “Rund um die Nürnberger Altstadt“. Als vorbildlicher Kampfrichter war Bruno Liebermann auch oft außerhalb Frankens ein gefragter Mann. Mit seiner stets freundlichen und sachlichen Art überzeugte er auch bei heiklen Entscheidungen und Situationen immer alle Beteiligten.
Karl Stingl lobte seinen Nachfolger zurecht:“ Bruno ist ein echter Glücksfall für unser Funktionärs-Team zumal er als Polizist mit seinem beruflichen Wissen und Können auch sehr gute Dienste bei der Streckenauswahl und Genehmigung von Straßenrennen leistet“. Als Polizeibeamter war Bruno Liebermann stets auch Berater und Fürsprecher für die Radsportler und deren Vereine bei Streckengutachten im Polizeikreis“.

Hinzu kam, dass sich Bruno Liebermann als langjähriger Kampfrichter-Obmann auch sehr für die Ausbildung weiterer junger Kampfrichter engagierte. Seitdem standen im Bezirk Mittelfranken konstant etwa ein Dutzend gut ausgebildeter Kampfrichter zur Verfügung.
„Sehr häufig waren es ehemalige Rennfahrer, die ihre Freizeit opfe
rn, und sich bei den Rennen als Kampfrichter zur Verfügung stellten“, sagt Bruno Liebermann, der bis zu seiner Pensionierung hauptberuflich die Polizeiinspektion Zirndorf leitete. „ Mit einer großen Radsport-Begeisterung ist es noch lange nicht getan. Ein Kampfrichter und vor allem der Obmann eines Kampgerichtes muss auch sehr sattelfest in vielen rechtlichen Bereichen sein“, betonte Liebermann sets. Auf Empfehlung des damaligen BDR-Vize-Päsidenten Peter Streng wurde er Mitarbeiter im Gremium es BDR für „Veranstalungs-Probleme“. „Das war eine besondere Ehre, die jedoch mit extrem viel Arbeit verbunden war.“sagt Bruno Liebermann rückblickend.

Neben seinen vielen Einsätzen bei Radsport-Veranstaltungen nutzte Bruno Liebermann seine wenige Freizeit regelmäßig um selbst begeistert in den Sattel zu steigen. Seine besondere Leidenschaft wurden die großen schweren Rad-Marathons. Die Rennmaschine hat Bruno Liebermann längst mit einem modernen Trekking-Rad getauscht. Jahr für Jahr ist er tagelang bei schönen Touren in ganz Deutschland und im europäischen Ausland unterwegs, begleitet von seiner sportlich ebenso begeisterten Ehefrau Elvi. Wünschen wir ihn weiterhin gute Fahrt und vor Allem gute Gesundheit!

Text und Foto
Manfred M a r r

Radsport-Altmeister Otto Bennewitz 80 Jahre

Garmisch-Partenkirchen – Otto Bennewitz, einst in den 1960er-Jahren bekannter und erfolgreicher Radsportler feiert am 10. Juni in seiner Wahlheimat Garmisch-Partenkirchen seinen 80. Geburtstag.


1966 Kissner – Bennewitz – Podlesch

Der noch immer sehr sportliche Jubilar saß von 1961 bis 1970 als Jugendfahrer, Amateur und als Profi zehn Jahre erfolgreich im schmalen Rennsattel. Als außergewöhnlich vielseitiger Allrounder erkämpfte sich Otto Bennewitz rund 180 Siege auf Bahn und Straße. Bei Deutschen Meisterschaften holte Otto Bennewitz einmal Gold, zweimal Silber, fünfmal Bronze! 17 Mal war Otto Bennewitz Hessen-Meister, nach seinem Wechsel zum RC Herpersdorf auch einmal Bayerischer Meister!

Als Schüler war Ottto Bennewitz sehr früh vom Radsport fasziniert. Mit 14 Jahren schloss er sich in seiner Heimatstadt dem RC Adler an. Bereits in den beiden Jugendklassen zeigte Ottto Bennewitz auf Anhieb bei Bahn-, Cross- und Straßenrennen sein außergewöhnliches Talent und enormen Ehrgeiz. Vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wurde er ab seinem 16. Lebensjahr für die deutsche Junioren-National-Mannschaft nominiert, der er drei Jahre lang angehörte. Mit sehr guten Platzierungen nahm Otto Bennewitz 1963 an der „Internationalen Tour der Jugend“ teil. Im gleichen Jahr belegte er bei der Deutschen Junioren-Straßen-Meisterschaft den dritten Platz, 1964 wurde er Vize-Meister!

Nach seinem Wechsel in die Amateurklasse setzte Bennewitz seine Radsport-Karriere ebenso erfolgreich fort. In der Einer-Verfolgung über 4.000m wurde er 1966 hinter dem Kölner Jürgen Kissner Deutscher Vize-Meister vor dem späteren Steher-Weltmeister Rainer Podlesch aus Berlin, der Platz drei belegte. Bei der DM im Bahn-Vierer wurde er zusammen mit seinem Bruder Andreas und mit seinen Frankfurter Vereinskameraden Burth und Quade Dritter der DM über 4.000m. Einen Deutschen Meistertitel erkämpfte sich Otto Bennewitz als er 1966 in Münster zusammen mit Albert Fritz aus Jestetten die DM im Zweier-Mannschaftsfahren auf der Winterbahn gewann! Danach schloss er sich dem erfolgreichen Nürnberger Radsportverein “ RC Herpersdorf “ an mit dem er eine Bayerische Meisterschaft gewann und zu dem er bis heute noch immer guten freundschaftlichen Kontakt pflegt.

Nach seinem Wechsel ins Lager der Profis war Otto Bennewitz ab 1967 bei den damals sehr populären Sechstage-Rennen vier Jahre lang auf allen Pisten Europas mit guten Ergebnissen im Einsatz. U.a. waren Jürgen Tschan, Horst Oldenburg, Hennes Junkermann seine Partner. Einen beachtenswerten internationalen Erfolg holte er sich auch als Straßen-Profi als er in Frankreich die 5. Etappe der Rundfahrt „Fleche du Sud“ gewann! 1969 war Otto Bennewitz Zehnter der Profi-Straßen-DM und Zweiter der Gesamtwertung beim „Kriterium in Odense/Dänemark“ hinter dem dänischen Lokalmatador Fredy Eugen und vor dem Münchner „Sechstage-König“ Sigi Renz.
In seinem letzten Jahr als Rad-Profi wurde Otto Bennewitz 1970 Sieger der ersten Etappe beim Kriterium in Bach/Schweiz, dass er als Gesamtsieger vor den beiden Schweizern Marchesi und Pfenninger gewann.

Rückblickend schwärmt Otto Bennwitz heute noch immer: „Die tollen Radsport-Jahre waren eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werde“. Seine leichte Rennmaschine hält er auch mit 80 Jahren noch regelmäßig in Schwung: „Das tut mir gut und hält mich fit“, sagt er schmunzelnd.
Text und Foto: Manfred M a r r

Dieter Durst wurde am 24. Mai 80 Jahre alt

Man staunt immer wieder wie schnell die Zeit vergeht, doch es stimmt: „Schrittmacher-Legende“ Dieter Durst, feierte am 24. Mai seinen 80. Geburtstag!

Der gebürtige Nürnberger, der seit 41 Jahren in seiner Wahlheimat Kastl lebt, begann 1961 als erfolgreicher Jugendfahrer mit dem Radsport. 1967 wechselte er als Schrittmacher zum Stehersport. Dann begann seine einmalige erfolgreiche Karriere bei der er von 1974 bis 2011 neun Weltmeisterschaften, acht Europa-Meistershaften und fünfundzwanzig Deutsche Meisterschaften erkämpfte!

Für den Sohn des unvergessenen Radsportjournalisten und legendären Sprechers Sigmund Durst lag der Radsport bereits in der Wiege. „ Schon als Kind war ich bei vielen Rennen dabei, bei denen mein Vater im Einsatz war“, erzählt Dieter Durst. Dass auch er mal Rennen fahren wird war für ihn schon sehr früh klar, doch damals musste man mindestens 14 Jahre alt sein, um in der B-Jugend starten zu dürfen. Und mit 14 Jahren stieg Dieter Durst im Trikot des „Ring Nürnberger Rennfahrer“ dann auch begeistert in den Sattel. Bald zählte er zur fränkischen und später in der A-Jugend (16-18 Jahre) zur bayerischen Spitzenklasse auf Bahn und Straße.

„Bereits als junger Fahrer habe ich viele Erfahrungen gesammelt, die mir später zugutekamen“, sagt Dieter Durst, der nach sechs Jahren allerdings vom schmalen Rennsattel auf Schrittmacher-Maschinen umstieg, denn am Reichelsdorfer Keller begann 1967 ein neues Kapitel des fränkischen Radsports: Die traditionsreiche Piste war mit finanzieller Hilfe des BLSV renoviert worden und man begann nun damit eigene Schrittmacher und junge Fahrer für den Amateur-Steher-Sport auszubilden. Bald sprach man damals lobend von der „Nürnberger Steher-Schule“, die unter der Leitung von Altmeister Fritz Scheller interessierte Radsportler als Steher und Schrittmacher ausbildete.

Dieter Durst ließ sich da nicht lange bitten.“Ich wollte das Fahren auf einer Schrittmacher-Maschine so früh wie möglich mal ausprobieren“, erinnert er sich schmunzelnd, denn aus dem „ Ausprobieren“ wurde sehr schnell seine große jahrzehnte lange Leidenschaft. Als sehr ehrgeiziger und auch eigenwilliger Nachwuchs-Schrittmacher musste allerdings auch er in den ersten Jahren das berühmte „Lehrgeld“ zahlen, doch er fuhr von Beginn an sehr clever und „rotzfrech“, wie man in der Szene seine couragierte Fahrweise kommentierte. „ Ich habe mich nie einschüchtern lassen und viel von den alten Hasen abgeschaut.“, erzählt Dieter Durst von seinen ersten Schrittmacher-Jahren.

„Die extrem schnellen Rennen der Steher, die bei ihren heißen Positionskämpfen 80 Stundenkilometern und mehr erreichten, haben mich immer mehr begeistert und meine Erfahrung wurde immer größer“, sagt Dieter Durst rückblickend. Alle Steher-Asse, die in seinem Windschatten zu großen Siegen spurteten wussten das zu schätzen und schwärmten von seiner Cleverness und seiner perfekten Fahrweise. „ Es machte mir immer mehr großen Spaß, mit Vollgas über die Pisten zu brausen“, erzählt Dieter Durst, der auf allen Sommer- und Winterbahnen Europas erfolgreich war. Bei den Sechstagerennen fuhr er neben Steherrennen auch die rasanten Rennen auf den kleineren und leichten Derny-Machinen, die auf kurzen und steilen Pisten der Winterbahnen die vielen Zuschauer begeisterten.

„Hinter Dieter lief es einfach perfekt und das Können des Schrittmachers ist für den Erfolg ebenso entscheidend wie die Leistung des Stehers hinter ihm“, schwärmte einst der Kölner Jean Breuer mit dem Dieter Durst 1974 in Montreal den ersten seiner neun WM-Titel erkämpfte. Ab diesem WM-Sieg zählte Durst endgültig zum Kreis der weltbesten Schrittmacher. Entsprechend gefragt war er bei den Stehern, sein Rennkalender wurde Jahr für Jahr immer umfangreicher.

Doch der fast pausenlose Einsatz als Schrittmacher forderte auch seinen Tribut. “Der Druck in den Kurven war bei großem Tempo immer sehr hoch. Dazu kamen immer heftige Erschütterungen, die mir bei holprigen Betonpisten gewaltig auf die Knochen gingen“, erzählt Dieter Durst der seine schnellen Runden deshalb immer lieber auf den glatten Holzpisten drehte. „ Da ging es dann allerdings noch riskanter zur Sache und häufig wurde es auch gefährlich eng. Extrem wichtig war es deshalb dass man auch im heißen Rundenwirbel die Nerven und den Überblick behält“, fasst Dieter Durst das Geheimnis seines langjährigen großen Erfolges zusammen.


Diter Durst mit Roland Renn 1986

Sein Fazit, nachdem er 2011 aus gesundheitlichen Gründen sein letztes Rennen fuhr, klingt wehmütig: „Es ist sehr schade, dass der schöne Stehersport heute nicht mehr so populär wie einst ist, denn er ist noch immer die schnellste und spektakulärste Sparte des Radsports“.

Frankens Radsportler gratulieren Dieter Durst herzlich zu seinem runden Geburtstag und alle wünschen ihn, dass es gesundheitlich bald wieder aufwärts geht!
Text und Foto: Manfred M a r r

Der siebenfache Deutsche Meister Werner Löw ist verstorben

Hallo Sportfreunde,

heute gibt es leider wieder eine sehr traurige Nachicht: Der Herpersdorfer Altmeister Werner Löw ist verstorben. Ich habe dazu einen Nachruf verfasst, den ich hier anfüge:

Die Trauerfeier findet am

Mittwoch, 18.03.26, 14:30h
St. Johannis-Kirche
Johannis. Str.
90419 Nürnberg

Der siebenfache Deutsche Meister Werner Löw ist verstorben


Radrennbahn Reichelsdorf Juli 1984: Robby und Werner Löw
Plomi Foto

Frankens Radsportler trauern um Werner Löw, der am 10. März im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war mit sieben Deutschen Meistertiteln in den 1950er-Jahren neben Fritz Neuser mit zwölf und Gotthard Dinta mit fünf DM-Siegen der erfolgreichste Radamateur des RC Herpersdorf. Neun Jahre lang saß Werner Löw als Jugendfahrer und Amateur bei rund 200 Rennen auf Bahn und Straße siegreich im Rennsattel!
„Meine Karriere begann 1949 mit einem Krankenhaus-Aufenthalt nach einem schweren Sturz und 1957 endete sie auch im Krankenhaus“, erzählte Werner Löw oft, der 1949 als 14-Jähiger zunächst für den „Tourenclub Nürnberg“ startete. Steil bergauf ging seine Karriere nach seinem Wechsel zum RC Herpersdorf ab 1951. Neben zahlreichen Siegen bei Jugendrennen gewann Werner Löw 1952 und 1953 mit dem Team des RCH zweimal die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft über 50 Kilometer auf der Straße. Seinen dritten Deutschen Meistertitel holte er sich als er sich ebenfalls 1953 bei den Bahnmeisterschaften im Sprint der Junioren.
Bereits in seinem ersten Jahr als Amateur sorgte Werner Löw 1954 sofort für weitere Schlagzeilen, als er zusammen mit dem Herpersdorfer-Team Platz zwei bei der Mannschafts-DM über 100 Kilometer belegte. Bei der Bahn-DM startete Werner Löw erstmals zusammen mit Rekordmeister Fritz Neuser auf dem Tandem. Vor rund 10 000 begeisterten Zuschauern gewannen sie als Lokalmatadore auf der Nürnberger ASN-Bahn klar den Titel vor Potzernheim/Badstübner (Hannover) und Hochgeschurzt/Remagen (Köln). Ein neues Erfolgsteam war geboren, das im folgenden Jahr den Tandem-Meistertitel souverän verteidigte!

Als „aufregendstes Jahr seiner Karriere“ blieb Werner Löw die Saison 1956 in Erinnerung, als man beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für die olympischen Spiele in Melbourne für Fritz Neuser den sechsfachen deutschen Meister Günther Ziegler aus Schweinfurt als Tandem-Partner nominierte. Werner Löw war darüber zunächst so extrem enttäuscht, dass er seine erfolgreiche Karriere sofort beenden wollte. Doch dann siegte doch sein Ehrgeiz und seine große Kämpfernatur. Er wollte es nun erst recht wissen und seine große Klasse beweisen. Mit dem erst 18-jährigen Nachwuchsfahrer Holger Hermann fand er im RC Herpersdorf einen talentierten und sehr spurtstarken neuen Tandem-Partner. Beide trainierten Woche für Woche extrem hart , denn Werner Löw hatte sich vorgenommen, bei der Tandem-DM in Köln mindestens unter die ersten Drei zu kommen.

Der große Trainingsfleiß hatte sich gelohnt, denn auf der Piste in Köln-Müngersdorf sorgte das neue Tandem-Paar Löw/Hermann für eine riesengroße Überraschung: Locker gewannen sie alle Läufe und kämpften sich beherzt bis ins Finale durch. Hier trafen sie auf die Top-Favoriten Neuser/Ziegler und auf die beiden Kölner Trost/Kleinsorg. Die Sensation der Tandem-DM 1956 war perfekt als Werner Löw und Holger Hermann im rasanten DM-Finale die Olympia-Teilnehmer Neuser/Ziegler und die beiden Kölner klar bezwingen konnten! Dass dieser Sieg kein Zufall war zeigte sich eine Woche später als Löw/Hermann auch eine DM-Revanche am Reichelsdorfer Keller vor Neuser/Ziegler gewannen, die zwei Monate später bei den Olympischen Spielen in Melbourne für Deutschland starteten. Bei der Bahn-DM 1956 in Köln war der RC Herpersdorf – wie fast immer in den 1950-er-Jahren – der erfolgreichste Verein, denn neben dem Tandem-Titel holten die Herpersdorfer Asse Werner Löw, Fritz Neuser, Georg Singer und Willi Renn auch noch den DM-Titel im Bahn-Vierer!

1957 gewann Werner Löw bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften erneut zwei Medaillen: Mit Fritz Neuser, Willy Renn, Georg Singer wurde Werner Löw Dritter der Vierer-DM. Bei der Tandem-DM, bei der Werner Löw nun wieder gemeinsam mit Fritz Neuser startete, waren sie vom Pech verfolgt. Neuser/Löw hatten sich zwar für das Finale qualifiziert, konnten jedoch nach einem Sturz nicht mehr antreten. Die DM 1957 endete für sie im Krankenhaus. Nach diesem schweren Unfall stand für Werner Löw fest, dass er seine Radsport-Karriere beenden wird und sich in Zukunft nur noch um seine berufliche Weiterbildung kümmern würde.

Dem RC Herpersdorf, für den er als Fachwart, Trainer und als 2. Vorsitzender viele Jahrzehnte unermüdlich im Einsatz war, blieb Löw danach weiterhin eng verbunden. Gerne gab er seine reiche Erfahrung an den ehrgeizigen Nachwuchs des RCH weiter, auch an seinen Sohn Robby, der als mehrfacher Bayerischer Meister und Deutscher Junioren-Tandemmeister erfolgreich in seine Fußstapfen trat.

Manfred M a r r