Paul Seixas fährt allen einfach davon

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Paul Seixas (Decathlon) gewann überlegen die Lombardei-Rundfahrt 2026 und damit als jüngster Fahrer seit Rik van Steenbergen in den 1940er Jahren ein Monument des Straßen-Radsports. Der erst seit kurzem 20-jährige Franzose fuhr am vorletzten Anstieg nach Civiglio alle anderen aus den Schuhen. Ebenfalls als Solisten erreichten Enric Mas (Movistar) und Giulio Ciccone (Lidl) mit rund einer Minute Rückstand die übrigen Podestplätze.
Im Sprint der Geschlagenen um den 4. Platz setzte sich der frisch gebackene Europameister Evenepoel (Red Bull) vorm frisch gebackenen Weltmeister McNulty (Red Bull) sowie Tom Pidcock (Pinarello) durch. Seixas hatte mit einer Beschleunigung 19,5 Kilometer vorm Ziel alle abgehängt, zuletzt Ciccone und Pidcock. Bis oben konnte Mas zu Ciccone aufschließen, wohingegen Pidcock in die nächste Verfolgergruppe zurückfiel. Mas stellte Ciccone 6 Kilometer vorm Ziel im letzten Anstieg ab.
Ein wolkig kühler Oktobertag wandelte sich vom Start in Bergamo hin zum Ziel in Como in Sonnenschein bei Temperaturen bis 20 Grad. Das erstmals so gefahrene Finale mit den «kleineren» Anstiegen nach San Fermo della Battaglio, Civiglio und noch einmal San Fermo ließ die Favoriten lange abwarten, weil die Anstiege davor – wie die obligatorische Madonna del Ghisallo – zu leicht oder zu weit vom Ziel entfernt waren.
Die Lombardei-Rundfahrt 2026 wurde über weite Strecken von einer 14-köpfigen Spitzengruppe angeführt. In ihr fuhren: Antonio Tiberi (Bahrain), Sylvain Moniquet (Cofidis), Michael Leonard (EF), Maxime Decomble (Groupama), Julien Bernard (Lidl), Fausto Masnada (MBH Bank), George Bennett, Pau Marti (beide NSN), Louis Vervaeke (Soudal), Ben O’Connor (Jayco), Gijs Leemreize (Picnic), Andrea Mifsud (Polti), Victor Campenaerts (Visma) und Johannes Kulset (Uno-X).
In diese Spitzengruppe des Tages sowie in das Hauptfeld kam dann erstmals richtig Bewegung hoch zur Madonna del Ghisallo 69 Kilometer vorm Ziel. Vorne attackierte O’Connor und reduzierte die Spitzengruppe auf sich sowie Moniquet, Leonard, Bernard, Bennett, Vervaeke und Leemreize. Aus der Feld der Favoriten attackierten Matteo Jorgenson (Visma), Quinn Simmons (Lidl) und Brandon McNulty – ausgerechnet die 3 US-Amerikaner, die 13 Tage zuvor beim WM-Straßenrennen in Kanada der Konkurrenz immer einen Schritt voraus waren. In der Lombardei schloss sich ihnen Christian Scaroni (Astana) an.
Allerdings fuhren die 3 Amis nun in 3 unterschiedlichen Teams. Das war aber nicht der Hauptgrund, weswegen sie inklusive Scaroni 46 Kilometer vorm Ziel wieder gestellt wurden. Insbesondere Remco Evenepoel rauchte den Tag über in der Nachführarbeit sein gesamtes Team auf, inklusive zum Schluss Giulio Pellizzari.
Innerhalb der letzten 20 Kilometer wurden von den Ausreißern eingangs des Civiglio-Anstiges einer nach dem anderen gestellt, zuletzt Leonard. Währenddessen begann Seixas, so richtig aufzuräumen. Von vorne beschleunigte er im Sitzen, woraufhin die anderen Top-Fahrer nacheinander abplatzten, darunter die wie schon bei der WM vor Seixas größten Favoriten Evenepoel und Isaac del Toro (UAE).
Evenepoel versagte damit bei den 2 großen Herbstrennen – WM und Lombardei – gleichermaßen, nachdem er zuvor sein Team voll eingespannt hatte. Er war demnach nicht in der Lage, die Abwesenheit des verletzten Überfahrers Tadej Pogacar (UAE) auszunutzen. Pogacar hatten die letzten 6 Lombardei-Rundfahrt in Folge für sich entschieden. So konnte Evenepoel zwischendurch nur den Trostpreis bei EM abholen, weniger als eine Reifenstärke vor Ciccone.
Im Duell der ewigen Zweiten konnte nun Vuelta-Gesamtsieger Enric Mas um eben jenen 2. Platz Ciccone distanzieren. Beide hatten schon einmal den 2. Platz bei einer Lombardei-Rundfahrt belegt – damals natürlich hinter Pogacar. Zum ganz großen Triumph holte aber nun der junge Seixas aus, der bei der WM noch von Krämpfen gebeutelt im Tal der Tränen lag und danach die EM zugunsten der Lombardei ausließ.
Sa 10. Oktober 2026, Bergamo – Como
Ergebnis der 120. Auflage Il Lombardia (241km)
1. Paul Seixas (FRA) – Decathlon-CMA CGM 5:49:28
2. Enric Mas (ESP) – Movistar +0:48
3. Giulio Ciccone (ITA) – Lidl-Trek +1:05
4. Remco Evenepoel (BEL) – Red Bull-Bora +1:20
5. Brandon McNulty (USA) – UAE-XRG
6. Tom Pidcock (GBR) – Pinarello-Q36.5
7. Pello Bilbao (ESP) – Bahrain Victorious
8. Christian Scaroni (ITA) – Astana alle
9. Filippo Zana (ITA) – Soudal-Quick Step
10. Mathys Rondel (FRA) – Tudor gleiche
11. Ramses Debruyne (BEL) – Alpecin-Deceuninck
12. Ben Healy (IRL) – EF Education-Easypost Zeit
13. Jarno Widar (BEL) – Lotto-Intermarché +2:06
14. Oscar Onley (GBR) – Netcompany-Ineos alle
15. Clément Berthet (FRA) – Groupama-FDJ gleiche
16. Davide Piganzoli (ITA) – Visma-Lease a Bike Zeit
17. Mikel Landa (ESP) – Soudal-Quick Step +2:29
18. Ben Tulett (GBR) – Visma-Lease a Bike +2:51
19. Alessandro Fancellu (ITA) – MBH Bank-CSB gl.Zeit
20. Sam Maisonobe (FRA) – Cofidis gl.Zeit
21. Michael Storer (AUS) – Tudor +3:52
22. Michael Leonard (CAN) – EF +3:53
23. Matteo Jorgenson (USA) – Visma-Lease a Bike +4:23
24. Sylvain Moniquet (BEL) – Cofidis +4:27
25. Ben O’Connor (AUS) – Jayco-Alula +4:33
…
28. Isaac del Toro (MEX) – UAE-XRG +4:59
37. Giulio Pellizzari (ITA) – Red Bull-Bora +7:05
Strecke
Für 2026 tauschen inzwischen fast schon traditonell die Start- und Zielorte der Lombardei-Rundfahrt. Damit geht es nach 2 Jahren wieder in Bergamo los und endet in Como. Das Finale ist jedoch stark verändert im Vergleich zu den letzten geraden Kalenderjahren. Denn es fehlt der steile Sormano-Anstieg. Stattdessen fährt man von der obligatorischen Madonna del Ghisallo flach in Richtung Como, und dort heißt es dann nicht Civiglio oder San Fermo della Battaglia, sondern beide – und San Fermon gleich 2-mal. Der Charakter der Lombardei-Rundfahrt ändert sich damit etwas, weil die letzten Anstiege nicht mehr so lang und schwierig sind.