Aktuell erscheint bei uns im Covadonga Verlag ein neues Buch, das in seinem Ursprungsland großes Aufsehen erregt hat: Die niederländische Presse rühmte »FRONTAL – Ein Unfall, sieben Radprofis und die Geschichte Ihrer Karriere« als berührende Lektüre, die weit mehr als »nur« ein Radsportbuch sei. Zentrale Rollen in dem Werk spielen auch zwei deutsche Radrennfahrer (die in dieser Woche auch bei der Deutschland Tour am Start stehen): John Degenkolb und Max Walscheid.
In »FRONTAL« geht es um einen Unfall, der schreckliche Bilder, Erinnerungen und Verletzungen hervorgerufen hat. Und doch kann man rückblickend auch von glücklichen Fügungen sprechen. Glück natürlich vor allem, dass wundersamerweise alle betroffenen Fahrer des Teams Giant-Alpecin diesen Tag im Januar 2016 überlebt haben – und sogar bald schon wieder Rennen fahren konnten. Glück aber auch, dass im nachfolgenden Teamwagen zufällig der Journalist Nick Klaessens saß, der dem um sein Leben kämpfenden Chad Haga vor Ort Erste Hilfe leisten konnte und sich nun mit zehn Jahren Abstand und nach einer schweren persönlichen Lebenskrise aufmacht, all jene wiederzusehen und zu interviewen, die damals dabei waren. Und vielleicht auch Glück, dass sich alle seine Gesprächspartner als sehr reflektierte Sportlerpersönlichkeiten erweisen, die sich durch die besondere Konstellation auf eine Weise öffnen können, die unerhört ehrliche Einblicke in die Gefühlswelt und Lebenswirklichkeit von modernen Radprofis gewährt. Von Athleten, die in einem Metier »funktionieren« müssen, in dem der Tod hinter jeder Kurve lauern kann.
Lesen Sie hier unsere Presseinformation zur Buchveröffentlichung. Der Autor Nick Klaessens steht gern – auch kurzfristig – für Interviews etc. zur Verfügung.
Zehn Jahre nach dem Unfall des Radteams Giant-Alpecin: Mit »FRONTAL« liefert Nick Klaessens ein brillantes Stück Reportage- und Interview-Journalismus
Einmalige Augenzeugenperspektive: Der Autor war direkt vor Ort und ist selbst Teil der Geschichte / Mehr als »nur« ein Radsportbuch: universelle Themen, die weit über den Sport hinausreichen – Resilienz, Motivation, Menschlichkeit im Angesicht eines Traumas
Am 23. Januar 2016 wurden sechs Radrennfahrer des Teams Giant-Alpecin während eines Trainingslagers an der Costa Blanca frontal von einem Auto gerammt, das auf der falschen Straßenseite unterwegs war. Ein siebter konnte dem SUV der britischen Touristin gerade so eben ausweichen. Es war ein Wunder, dass es keine Todesopfer gab. Der Journalist Nick Klaessens saß an jenem Tag zufällig im nachfolgenden Teamwagen und leistete einem der Radprofis lebensrettende Erste Hilfe. Zehn Jahre später begibt sich Klaessens auf die Reise, um alle, die dabei waren, noch einmal zu treffen: Trainer, Teamleiter, Mannschaftsärzte und nicht zuletzt die sieben Rennfahrer, darunter auch die beiden deutschen Sprinter John Degenkolb und Max Walscheid. In ungemein offenherzigen Gesprächen geben sie Auskunft: Was wissen sie noch von diesem Tag? Welchen Einfluss hatte er auf ihre Karriere? Hat er ihre Sicht auf das Leben verändert? Das Resultat ist ein Buch, das auf packende und sehr persönliche Weise, die beim Lesen immer wieder Gänsehaut bereitet, von universellen Fragen erzählt, die weit über den Sport hinausreichen: »FRONTAL – Ein Unfall, sieben Radprofis und die Geschichte ihrer Karriere« erscheint jetzt im Covadonga Verlag.
Das Wiedersehen mit den Beteiligten beschert Nick Klaessens bemerkenswerte Einblicke in die Funktionsweise eines Profiteams. Vor allem aber lernt er, wie anders jeder das Unglück erlebte: sieben Fahrer, sieben Arten von Verletzungen, sieben Arten der Genesung, sieben mentale Schocks. Da ist Chad Haga, der mit einer lebensbedrohlichen Halswunde mehr als eine Stunde in den Armen des Autors lag und Zuflucht im Gebet suchte, bis der Rettungshubschrauber für ihn eintraf. Da ist Warren Barguil, der fortan einen Gang zurückschaltete, um mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Da ist John Degenkolb, der Star der Mannschaft, der im Jahr zuvor die Monumente Mailand–Sanremo und Paris–Roubaix gewonnen hatte: Während sein Zeigerfinger nur noch an einem Fetzen Haut hing, dachte er nur daran, dass seine Frau nicht aus den Medien von dem Unfall erfahren dürfe. Da ist Max Walscheid, der als Neoprofi nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, während er wohl am härtesten von allen arbeiten musste, um sich von den Verletzungen zu erholen. Und da ist Søren Kragh Andersen, der in Panik vom Ort des Geschehens floh – dem Aufprall zwar entgangen, aber nicht minder schwer getroffen.
»Der Unfall war heftig, aber die Geschichten handeln vor allem davon, was danach kam«, resümiert Nick Klaessens: »die Angst, wieder aufs Rad zu steigen, der Frust über langsame Genesung, aber vor allem die Widerstandskraft, um Rückschläge zu bewältigen, der Charakter, sich zurückzukämpfen, die Fähigkeit, nach einem weiteren Sturz wieder aufzustehen, die unzerstörbare Motivation, wegen des Jobs so lange und so oft von den Liebsten getrennt zu sein, und die Liebe zum Radsport. Der Wille, jeden Tag wieder die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit auszutesten – und wenn das bedeutet, sechs Stunden zu Hause auf der Rolle zu sitzen, dann ist das eben so. Und dann die Essenz der Liebe, wenn man dem Tod in die Augen schaut: ›Kannst du bitte meine Frau anrufen?‹«
Nick Klaessens (1984) lebt als Journalist und Schriftsteller in Amsterdam. Er hat bereits zahlreiche Interviews und Reportagen in Magazinen wie Bicycling, Vogue, Playboy und Men’s Health veröffentlicht und arbeitet inzwischen als Schlussredakteur für die niederländische Ausgabe von Runner’s World. Sein Romandebüt »Alles rustig?« wurde für den Nico Scheepmaker Beker nominiert, mit dem in den Niederlanden das beste Sportbuch des Jahres ausgezeichnet wird. »Frontal« ist sein zweites Buch.
Nick Klaessens:
FRONTAL – Ein Unfall, sieben Radprofis und die Geschichte Ihrer Karriere
Aus dem Niederländischen von Olaf Bentkämper
Covadonga Verlag, 2026
ISBN 978-3-95726-108-3
Klappenbroschur; 266 Seiten im Format 22,8 cm x 15 cm, plus 16-seitige Fotostrecke
Ladenpreis: EUR 22,00 [DE]
Erscheinungstermin: 19. August 2026
auch als E-Book erhältlich (ISBN 978-3-95726-109-0
Stimmen aus dem Buch:
Søren Kragh Andersen: »Wir sahen das Auto auf uns zukommen. Wir dachten noch: ›Was geht hier ab?‹, dann merkten mir: Scheiße, der Wagen weicht nicht aus. Also bin ich nach links ausgeschert, habe nach rechts geschaut … und gesehen, wie das Auto direkt durch die Gruppe pflügte.«
Warren Barguil: »Wir fuhren 50 km/h, und diese Britin fuhr ungefähr genauso schnell, als sie uns erwischte, denn sie trat erst nach dem Aufprall auf die Bremse, nicht davor. Das ist echt bizarr.«
Chad Haga: »Wir stürzen, das gehört zum Beruf dazu. Man fällt hin, steht wieder auf und konzentriert sich auf die Genesung. Und sobald man wieder fit ist, steigt man wieder aufs Rad. Aber das hier … das war anders. Das war größer als die Stürze, die wir aus dem Sport kennen.«
Ramon Sinkeldam: »Wir sind oft genug gestürzt, um zu wissen, dass wir so schnell wie möglich wieder aufstehen müssen. Aber es gab keine Faser in meinem Körper, die aufstehen wollte – und das ist schon seltsam, denn im Nachhinein war ich gar nicht so schwer verletzt. Tatsächlich hatte ich mir nur das Schulterblatt gebrochen.«
Arthur van Dongen: »Ich weiß noch, dass Max Walscheid am Straßenrand lag. Er klagte über schlimme Schmerzen im Bein und sagte: ›Ich brauche was zum Draufbeißen, um den Schmerz zu ertragen.‹ Ich habe ihm dann ein Stück Carbon-Gabel gegeben, die Räder waren alle völlig zertrümmert. Im Ernst, so ein 20-Zentimeter-Stück Gabel, und das hat er in den Mund genommen und draufgebissen. So hat er den Schmerz ausgehalten.«
John Degenkolb: »Als sich der Unfall in Spanien ereignete, war das Erste, woran ich dachte, als ich wieder klar denken konnte, dass ich mir Mattias schnappen musste: ›Gib mir dein Handy, ich muss meine Frau anrufen.‹ In dem Moment war das alles, was zählte: ihr mitzuteilen, dass ich am Leben war. Sie hatte bereits Schlimmes mit ihrem Vater durchgemacht.«
Max Walscheid: »Nach der ersten medizinischen Behandlung – die, wie ich sagen muss, unglaublich schlecht durchgeführt wurde – habe ich meine Freundin angerufen. Ich telefonierte mit ihr und ihrem Vater. Sie weinte so heftig, dass sie kaum sprechen konnte. Und das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal ›Ich liebe dich‹ gesagt habe.«
Chad Haga: »Eines wusste ich ganz sicher: Ich würde nie wieder auf ein Rennrad steigen. Für mich war das Kapitel Radsport offiziell abgeschlossen. Ich wollte heiraten und das Leben mit Kate genießen, so etwas wollte ich nie wieder durchmachen.«
Chad Haga: »Dieser Unfall hätte mein Ende sein müssen. Doch aus irgendeinem Grund bin ich nicht gestorben – ich war nicht mal besonders schwer verletzt. Dass ich so kurz nach diesem Ereignis wieder Rennen fahren konnte, hat mir klar gemacht: Anscheinend bin ich noch aus einem bestimmten Grund hier. Ich werde mein Bestes geben, bis klar wird, dass es nichts mehr für mich ist.«
Mattias Reck: »Einige Fahrer, die ich im Krankenhaus besuchte, waren viel weniger emotional als ich selbst. Sie hatten es vielleicht noch nicht ganz verarbeitet, es ging alles so schnell. Und ich war derjenige, der die ganze Zeit weinte. Das fühlte sich seltsam an. Diese Fahrer waren hauptsächlich einfach nur froh, am Leben zu sein. Es ging nicht um mich, es ging um sie. Ich war so froh, dass es irgendwie gut ausgegangen ist, aber ich war echt nicht gut beieinander. Bei jedem, mit dem ich sprach, musste ich weinen. Und ich verstand nicht, warum, denn es waren ja alle okay. Aber trotzdem weinte ich weiter.«
Max Walscheid: »Sowohl beim ersten Unfall in Spanien als auch beim zweiten in Deutschland habe ich nie etwas Persönliches von der Verursacherin gehört. Nichts, null. Das kann ich nicht akzeptieren. Irgendwann sind die rechtlichen Angelegenheiten erledigt, und dann bleibt nur noch der Mensch übrig. Ich kann mir nicht vorstellen, einen solchen Unfall zu verursachen und mich nicht bei den Opfern zu melden. ›Geht es Ihnen gut? Es tut mir leid.‹«
Mattias Reck: »Hättest du mich zwei Jahre später gefragt, an welchem Tag es passiert ist, hätte ich es dir wahrscheinlich nicht sagen können. Ich habe keinen ›Jahrestag‹ begangen. Das Leben ging weiter. Aber als ich das erste Mal an diesen Ort zurückkehrte … Das war emotional. Es war während eines Trainingslagers, wahrscheinlich im Dezember. Jedes Mal, wenn ich dort bin – und das ist mindestens dreimal im Jahr in Trainingslagern –, spüre ich es sehr stark. Ich halte einen Moment inne: Hier ist es passiert. Das wird nie vergehen.«
Ramon Sinkeldam: »Eigentlich ist es auch seltsam, dass wir nie alle gemeinsam darüber gesprochen haben. Das ist schon eine Schwäche der Mannschaft – oder vielleicht sogar des gesamten Sports. Es ist im Grunde ein schwerer Arbeitsunfall, und man realisiert nicht richtig, welche Traumata das auslösen kann.«
Max Walscheid: »Ich glaube, die Mentalität ändert sich. Als ich Profi wurde, durfte man vor allem als Sprinter nicht sagen, dass man vor etwas Angst hatte. […] Erst so um 2021 herum dachte ich zum ersten Mal: Scheiß drauf, ich bin die Tour de France gefahren, ich muss nichts mehr beweisen. Wenn mich ein Journalist fragt, ob ich vor irgendwas Angst habe, sage ich: Ja, natürlich habe ich Angst, wenn ich mit 120 km/h den Tourmalet runterfahre. Angst, dass mein Reifen platzt und ich 500 Meter in die Tiefe stürze.«
John Degenkolb: »Ab und zu krame ich sie [die Fotos von dem Unfall und seinen Verletzungen] hervor. Übrigens habe ich vor kurzem mit meinem Sohn darüber gesprochen. Er ist jetzt zehn und will Radrennfahrer werden, also habe ich ihm gezeigt, was passieren kann.«
Chad Haga: »Letztes Wochenende hatte ich die Gelegenheit, mich einen Abend lang mit Nick Klaessens zu unterhalten, einem alten Freund von mir. Wir haben uns am 23. Januar 2016 kennengelernt, auch wenn ich mich selbst nicht daran erinnern kann. Nick war als Journalist bei einem Trainingslager des Teams dabei. Er saß hinter mir an einem Baum, ein Radtrikot auf meinen Hals gedrückt, um die Blutung zu stillen, während wir auf den Hubschrauber warteten. Im Laufe der Jahre habe ich oft über diesen Tag gesprochen. Lange Zeit habe ich Interviews gefürchtet, weil es das einschneidendste Ereignis meiner Karriere war. Aber mit der Zeit begann ich, Details zu vergessen … wie zum Beispiel die Tatsache, dass eine Stunde lang ein Fremder bei mir saß. Als Nick dann plötzlich in meinem Posteingang auftauchte und seine Seite der Geschichte erzählte, fühlte es sich an, als würde ein riesiges, fehlendes Puzzleteil meiner Erinnerung an seinen Platz fallen.«
Stimmen zum Buch:
»Wie unglaublich verletzlich und widerstandsfähig der Mensch sein kann, kommt in ›FRONTAL‹ eindrucksvoll zum Ausdruck. Dass der Autor nicht nur über Radrennfahrer schreibt, die einen Unfall erlebt haben, sondern auch sich selbst offenbart, macht die Geschichte besonders stark.« – Marijn de Vries, Sportjournalistin und ehemalige Profiradsportlerin
»Nick ist nicht irgendein Erfolgsjournalist, der daraus eine schöne Geschichte machen wollte. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke, aber es war irgendwie ein sehr interessantes Gespräch für uns beide. Sehr packend.« – Ramon Sinkeldam im Sportbuch-Podcast »Oranje Blauw Flitsen«
»FRONTAL geht in die Tiefe, stellt Fragen und zeigt, wie schmal der Grat zwischen Hingabe und Zerstörung sein kann. Was treibt jemanden an, weiterzumachen, auch wenn sich der erlittene Schaden vom Sichtbaren ins Unsichtbare verlagern kann?« – Bicycling Magazine
»In FRONTAL zeigt Klaessens, wie jeder der Beteiligten die Grausamkeiten jenes Januartages auf seine eigene Weise verarbeitet. Manche können mit Abstand darüber sprechen, andere sind noch immer emotional betroffen. […] Das Thema dieses Buches, die Emotionen, die mit einem solchen Unglück einhergehen, und deren Verarbeitung, ist universell.« – de Volkskrant
Herzliche Grüße aus Bielefeld
Rainer Sprehe
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